Die edle Aufgabe des Priesters

Leserfrage an eine Psychologin:

Ich habe es mehrmals erlebt, dass mich Priester in der Beichte psychologisch beraten wollten. Kann die Verbindung von Sakrament und Therapie gelingen, oder ist sie generell abzulehnen?

Antwort der Psychologin:

… Die Beichte ist ein hochheiliges Sakrament, eine intime Öffnung der Seele gegenüber dem Beichtvater. Jemand, der in demütiger Haltung beichtet, weiss, dass Gott zuhört, er wird seine Verfehlungen im Beichtstuhl weder schönreden, noch verstecken.

Er ist sich dessen bewusst, dass er gegen die Gebote Gottes verstossen hat; wüsste er es nicht, würde er gar nicht zur Beichte gehen. Er kniet also reueerfüllt im Beichtstuhl und weiss, dass ihm der Priester im Auftrag Gottes vergeben kann. Dies erhofft er, und nicht primär eine psychologische Beratung.

Es ist die edle Aufgabe des Priesters, hellhörig zu differenzieren, was zum «Ressort» Psychologie oder Psychopathologie gehört, ohne «Diagnosen» zu stellen oder therapeutische Ratschläge zu geben.

Umso mehr sollte er bei den Beichtenden gekonnt und feinfühlig die Tugenden fördern, sie ihm «schmackhaft» machen (vgl. hierzu Papst Johannes Paul II.).

Wenn er noch über gute psychologische Kenntnisse verfügt, wird er das Heilige nicht mit dem Profanen (alltägliche psychologische Probleme) vermischen.

Ein solcher Priester ist ein Segen sowohl für die Kirche als auch für die Beichtenden.

Ihre Psychologin
Dr. Martha von Jesensky

(Gefunden in: Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt)

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