Robert Spaemann ist gestorben – RIP

Der große Philosoph, Streiter für Wahrheit und Freiheit, –
der Katholik und Verteidiger des tridentinischen Ritus –
der Herr nehme ihn auf in sein Reich.

RIP

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Robert Spaemann – noch immer sind seine Aussagen aktueller denn je.
Er sagte zur heute benutzten Definition des Toleranzbegriffes:

Schon die Rede von „unseren Werten“ oder von „christlichen Werten“ usw. ist relativistisch. Sie suggeriert ja, dass Werte in Wertungen gründen statt umgekehrt Wertungen in Werten.

Und wenn dann doch für europäische Werte ein Absolutheitsanspruch erhoben wird, dann gilt dieser Anspruch eigentlich nur einem Wert, der unbedingt gelten soll, dem höchsten Wert Europas nach Auskunft unserer Bundeskanzlerin, dem Wert der Toleranz. Darin steckt aber ein Denkfehler.

Toleranz gilt den Überzeugungen anderer Menschen, die wir für irrig halten, aber achten, weil es Menschen sind, die sich mit ihnen identifizieren. Und solche Toleranz gründet selbst in einer höchst voraussetzungsvollen eigenen Überzeugung von der Würde jedes Menschen.

Heute wird aber landauf, landab gesagt, so etwas wie unbedingte Wahrheitsüberzeugungen seien ihrer Natur nach intolerant, weil sie gegenteilige Überzeugungen für falsch halten. Und damit kippt der ganze Wertekanon um. Toleranz respektiert Überzeugungen. Der neue Begriff von Toleranz aber verbietet es, Überzeugungen zu haben, weil diese per definitionem intolerant sind.

(Robert Spaemann, Wahrheit spricht mit leiser Stimme, im Kölner Stadtanzeiger, 13. Juni 2008)

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Engelbert Recktenwald, Schüler von Robert Spaemann:

Er war kein Freund der Schönfärberei, aber gleichzeitig von einer so heiteren Gelassenheit, dass man merkte: Die schlimmen Zeitläufte können dem Frieden seiner Seele nichts anhaben. Dieser hatte seine Quellen woanders. Davon zeugen seine Psalmenmeditationen, die er über Jahrzehnte hinweg niedergeschrieben hatte und schließlich nach Abschluss seiner philosophischen Editionen auch publizierte. Er hatte keine Angst vor dem Tod. Er war sich der ewigen Heimat sicher. Jetzt darf er schauen, was er als Philosoph gedacht und als Christ geglaubt und erhofft hatte.

Pater Engelbert Recktenwald erinnert sich an Robert Spaemann.

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