Rorate caeli desuper

Rorate caeli desuper

Zu den Perlen der Adventsliturgie gehört der Wechselgesang der Rorate-Rufe. In ihm wird, immer wieder durch den flehentlichen Ruf nach dem Erlöser unterbrochen, mit biblisch inspirierten Worten die Bedrängnis des Gottesvolkes geschildert, die eine Folge von Untreue und Schuld ist.

In der letzten Strophe aber (bei der Rorate-Messe ist es der Augenblick, in dem der Priester einzieht), spricht der Herr selbst die tröstlichsten aller Worte: Er selbst wird kommen, uns zu retten! Reicher und kraftvoller als alle Lied-Übertragungen ist der Text in seiner ursprünglichen Fassung, die hier in deutscher Übersetzung wiedergegeben sei:

«Tauet, Himmel, von oben, ihr Wolken,
regnet den Gerechten!
Zürne nicht länger, Herr, nicht länger
gedenke unserer Missetaten!
Siehe, die Heilige Stadt ist zur Wüste,
Sion zur Wüste geworden, Jerusalem
verödet, das Haus Deiner Heiligung
und Deiner Herrlichkeit, wo Dich gepriesen
haben unsere Väter.

Wir haben gesündigt und sind unrein
geworden und sind gefallen alle wie
ein Blatt, und unsere Missetaten haben
uns fortgetragen wie der Wind.
Verborgen hast Du Dein Antlitz vor
uns und uns zerschmettert durch die
Wucht unserer Schuld.

Sieh an, Herr, die Betrübnis Deines
Volkes, und sende, den Du senden
willst. Sende aus das Lamm, den Beherrscher
der Erde, vom Felsen der Wüste
zum Berg der Tochter Zion,
dass es hinwegnehme das Joch
unserer Knechtschaft.

Tröste dich, tröste dich, mein Volk!
Bald wird kommen dein Heil. Warum
verzehrst du dich in Trauer, da dich
erneuert hat der Schmerz? Ich werde
dich retten, fürchte dich nicht. Denn
ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige
Israels, dein Erlöser.»

Quelle: Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt

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