Göttliche Gnade

Unter der göttlichen Gnade verstehen wir die innere, übernatürliche Hilfe, welche uns Gott zur Erlangung der ewigen Seligkeit verleiht.

Wenn diese Hilfe nur bei einem einzelnen Werke mithelfen soll und demgemäß vorübergeht, so nennen wir sie Gnade des Beistandes.

Wird die Hilfe aber zu einer Ausstattung unserer Seele, die ihr ein ganz neues Leben gibt, so nennen wir sie die heiligmachende Gnade, […]. Sie ist eine übernatürliche Gabe, welche den Menschen gerecht, Gott wohlgefällig und des ewigen Lebens würdig macht. Diese Gnade ist der Seele eingegossen und bleibt immer in ihr, sofern sie nicht durch eine Todsünde daraus vertrieben wird. Eingegossen wird die heiligmachende Gnade der Seele durch die Sakramente der Taufe und der Buße; dadurch kommt der Mensch aus dem Stande der Todsünde in den Gnadenstand und wird aus einem Sünder ein Gerechter. Die Gnade kann nun aber immer weiter vermehrt werden, indem der Gerechtfertigte sich durch gute Werke immer höhere Stufen der Gnade von Gott verdient.

(aus: Martin von Cochem. Die Erklärung des Heiligen Messopfers)

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