Ist Anselm Grün katholisch?

Nein, so fragt Pater Bernward Deneke von der Petrusbruderschaft
in der zweiwöchentlich erscheinende Zeitschrift
Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt“ nicht.

Seine Frage lautet vielmehr:

„Anselm Grün – Ein katholischer Erfolgsautor?“

Nachfolgend die Meinung von P. Bernward Deneke:

Wer kennt nicht Anselm Grün? Der Benediktinerpater von der Abtei Münsterschwarzach, Jahrgang 1945, ist einer der erfolgreichsten spirituellen Autoren der Gegenwart auch über den deutschen Sprachraum hinaus.

Das Sortiment der allermeisten Klosterläden ist von Spruchkartensammlungen und Inspirationskalendern unter seinem Namen gespickt, und in wenigen Buchhandlungen mit dem Ressort „Religion und Lebenshilfe“ fehlen seine Schriften. Deren Anzahl ist kaum zu überblicken.

Pater Anselm Grün, der im Klappentext eines seiner Bücher als „Geistlicher Berater und Kursleiter für Meditation, tiefenpsychologische Auslegung von Träumen, Fasten und Kontemplation“ beschrieben wird, widmet sich sehr verschiedenen Themen, wie z.B. „Rituale im Alltag“, „Der Umgang mit der Angst vor dem Fremden“, „Wie Männer zu sich selbst finden“, „Die spirituelle Dimension des Weines“ , „Der heilige Benedikt von Nursia“ und „Wege durch die Depression“.

Das milde Mönchsgesicht mit dem Rauschebart, das uns von den Büchern anlächelt, dürfte dabei einen nicht unbedeutenden Anteil an seinem Erfolg haben. Er sieht aus wie ein Mann, der uns mit unseren Problemen und Schwächen versteht und uns so annimmt, wie wir sind.

Im März 2017 Jahres erschien das Buch „Luther gemeinsam betrachtet“, ein Ergebnis der Zusammenarbeit des Paters mit Nikolaus Schneider, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das offizielle Internetportal der deutschen katholischen Kirche (katholisch.de) hat die beiden Autoren Anfang Juli darüber interviewt.

Wer bisher noch nichts über die theologischen Positionen Anselm Grüns wusste, kann sich nun Klarheit verschaffen.

Sofort in der ersten Frage geht es zur Sache: „Wie stehen Sie zum gemeinsamen Abendmahl?“ Die Antwort: „Wenn ich im Gästehaus unserer Abtei in Münsterschwarzach Kurse gebe, lade ich immer alle ausdrücklich ein, zur Kommunion zu gehen, weil manche evangelische Christen sich nicht trauen. Aber wenn ich sie einlade, kommen sie gern. Daβ der katholische Pfarrer die Eucharistie etwas anders feiert als der evangelische, entspricht der Vorstellung der jeweiligen Konfession. Wichtig ist der Glaube, daβ Jesus in der Hostie präsent ist. Dazu gehören die Einsetzungsworte ‚Das ist mein Leib‘ und ‚Das ist mein Blut‘. Ist dies gegeben, spricht nichts gegen ein gemeinsames Abendmahl.“

Doch, es spricht sehr viel dagegen! Nach katholischer Lehre ist die Verwandlung der Gaben von Brot und Wein in Leib und Blut Christi an das Sakrament der Weihe gebunden. Nur ein Priester kann die Konsekration gültig vollziehen. Somit genügt es nicht, daβ ein nicht geweihter Vorsteher der Gemeinde die Einsetzungsworte spricht und die Anwesenden daran glauben.

Und was den Kommunionempfang betrifft, so muss man dafür der katholischen Kirche angehören, muss ihren Glauben bejahen und bekennen sowie sich im Stand der Gnade befinden. Kein Priester kann sich darüber hinwegsetzen.

Zur Frage, ob die Reformation vor 500 Jahren ihre Berechtigung hatte, lässt uns Pater Grün wissen, daβ Päpste und Bischöfe unbeweglich gewesen und sich hinter ihrer Macht versteckt hätten. Auch heute gebe es noch „konservatives Denken“ in Rom, „allerdings nicht beim jetzigen Papst“. Jedenfalls tue die Kirche „manchmal so, als ob sie Moral und Verhalten festschreiben könnte. Luther hatte Recht, als er dagegen rebellierte.“ –

Mit Verlaub: Die Kirche hat von ihrem Gründer die Binde- und Lösegewalt empfangen (Mt 16,19; 18,18) und ist „Säule und Grundfeste der Wahrheit“ (1 Tim 3,15). Es ist ihr Auftrag, den Menschen die gottgewollte Lebensweise kundzutun, dafür ist sie in diesem Bereich sogar mit der Unfehlbarkeit ausgestattet. Wie kann ein katholischer Christ und Theologe das in Abrede stellen?

Die unbefleckte Empfängnis Mariens besagt laut Anselm Grün nichts anderes, als daβ „wir alle … von Anbeginn der Welt in Christus auserwählt“ sind, „heilig und makellos zu sein. Es heiβt also nicht, daβ Maria etwas Besonderes ist und wir die armen Sünder. So wird es leider oft interpretiert. Aber das ist nicht die katholische Dogmatik.“

Wie bitte? Das Dogma von 1854 besagt, daβ „die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Makel der Erbsünde rein bewahrt blieb“ (Pius IX., Bulle Ineffabilis Deus). Es geht hier also sehr wohl um ein Privileg Mariens: Sie ist „etwas Besonderes“, nämlich der einzige Mensch, der nach Adams Fall in der Gnade empfangen wurde.

Etwas später bringt der Pater die unbefleckte Empfängnis dann noch mit Übertreibungen in der Mariologie in Verbindung und bemerkt: „Rein logisch würde ich sagen: Laβt das weg! Aber nun ist es einfach geschehen, und die Frage bleibt, wie wir es interpretieren können, damit es stimmig wird.“ Daβ die „Interpretation“ des Benediktiners sich gegen den Wortlaut des Dogma wendet, scheint ihn nicht zu bekümmern. Stattdessen klagt er lieber darüber, „daβ es in der katholischen Kirche Formen aggressiver Marienverehrung gibt, die unangenehm und oft sehr konservativ und infantil sind.“

Fazit: Ohne ihm zu nahe treten zu wollen, muss man doch sagen dürfen, daβ hinter Pater Anselm Grüns einträglichen Schriften nicht der authentische katholische Glaube steht. Hier schreibt allenfalls ein „geistlicher Berater und Kursleiter für Meditation, tiefenpsychologische Auslegung von Träumen, Fasten und Kontemplation“, wobei die Begriffe „geistlich“, „Meditation“ und „Kontemplation“ nicht im eindeutig christlichen Sinn benutzt werden. Eine diffuse „Spiritualität“ statt Dogma und Moral – auch das scheint zu seinem Erfolgsrezept zu gehören.

P. Bernward Deneke
Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt
14. Januar 2019

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Ein Kommentar zu „Ist Anselm Grün katholisch?

  1. Der jahrzehntelang schulisch und medial herangebildete Geschmack des Massenpublikums ist auf eine rein weltliche Befriedigung der eigenen Bedürfnisse ausgerichtet, weder eine Ausrichtung an einen höheren Willen noch eine Verhaltensänderung aufgrund eigener Fehler werden in Betracht gezogen (Ausnahmen bestätigen die Regel…) Wer auf dem knallharten Markt spiritueller Angebote neben dem (unvermeidlichen) Dalai Lama und Vertretern des „Positiven Denkens“ bestehen will, muß sich nach dem Willen der Käufer richten: „Ich will so bleiben, wie ich bin“ – gesucht wird nur die spirituelle Absegnung des eigenen Egos, die Bestätigung der eigenen Lebensweise und Ansichten. Kurz: eine Welt, welcher der katholischen Lehre unbestreitbar diametral entgegengesetzt ist. Wer hier Erfolg hat, kann nicht katholisches Gedankengut vertreten – wer es vertritt, kann keinen Massenerfolg haben…

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