Abkehr von der Vernunft im säkularen Europa und die Folgen – Buchempfehlung

Die vorliegende Schrift des ehemaligen Gymnasiallehrers Norbert ClasenIm Garten des Unmenschlichen. Die Abkehr von der Vernunft im säkularen Europa und ihre Folgen“ liest sich wie ein Offenbarungsbericht unserer Gesellschaft und des Glaubens, Das Nietzsche-Zitat, das sich erst auf Seite 195 des über 250-seitigen Buches findet, scheint dem Leser wie ein Orakel über der Bestandsaufnahme zu stehen, welche der Autor zeichnet: „Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll …“. Und schon am Anfang des Buches findet der Leser den Satz, dass es „eine gewaltige Allianz“ gibt, „welche die Kultur des 21. Jahrhunderts auf ganz andere Grundlagen stellen will, als auf die des christlichen Menschenbildes“.

Wem fällt hier nicht das Wort des Erzbischofs von München und Freising ein, der kürzlich den Begriff „christliches Abendland“ kritisierte, weil er „vor allem ausgrenzend“ sei? Jener Kardinal Marx hat sich aktuell zum christlichen Menschenbild geäussert und gesagt, zu ihm gehöre, „dass nicht alles schon fertig“ sei, „sondern, dass es immer eine Dynamik nach vorne“ geben müsse. Er meinte damit, die Kirche müsse „die Zeichen der Zeit“ „im Lichte des Evangeliums und vom Gedanken der Freiheit her“ lesen. Zwar müsse man sich nicht den Moden unterwerfen, aber die Tradition kritisch reflektieren, denn die „Traditionen“ bezögen „nur Einzelne“ ein, was „keinen Bestand haben“ könne.

Ist es möglich, dass Kardinal Marx das christliche Menschenbild, vielleicht weil es katholisch ist, als überholt ansieht? Der Autor unseres Buches sieht jedenfalls einen neuen Glauben entstehen, „der zu einem materialistischen Verständnis der Wirklichkeit bekehren will“.

Clasen sieht eine weltweite Ethik des nach-christlichen Zeitalters um sich greifen, eine Ethik, die eben nicht zurückgreift auf das christliche Menschenbild, sondern auf angebliche Errungenschaften positivistischer Wissenschaften und Weltanschauungen. Diese von Geld und Macht getränkten Kräfte werden heutzutage gerne als menschenfreundlich dargestellt Dabei versuchen sie vielmehr, den alten Menschen in der Stufenleiter der Evolution abzulösen. Sich selbst sehen diese neuen Übermenschen als Schöpfer der neuen Welt

Das Buch gliedert sich drei grössere Teile. Während im ersten Teil der Glaube und die Vernunft ganz traditionell aufeinander bezogen werden und, mit etlichen Beispielen aus dem menschlichen Alltag untermauert, Fehler und Probleme der neuen Lehre aufgezeigt werden, befasst sich der zweite Teil mit den jetzigen Herausforderungen des Christentums. Natürlich und dankenswerterweise wird hier ausführlich das Christentum mit den Lehren des Islam konfrontiert. Im dritten Teil beschreibt der Autor die Wirrnisse im Denken (und Tun) der Visionäre und Utopisten, die derzeit dabei sind, als selbsternannte intellektuelle und wissenschaftliche Elite mit einem wissenschaftliche Experiment «Mensch» durchzustarten, an dessen Ende der Tod Gottes stehen muss.

Das kenntnisreich und denkerisch scharf geschriebene Buch ist kurzweilig und aufrüttelnd – und vor allen katholisch. Darum sollte es von Vielen gelesen werden.

(Zuerst veröffentlicht in Schweizerisches katholisches Sonntagsblatt, 17. Februar 2019)

Norbert Clasen
Im Garten des Unmenschlichen. Die Abkehr von der Vernunft im säkularen Europa und ihre Folgen
Patrimonium-Verlag 2018
254 Seiten; 14.80 Euro
ISBN 9783864171079

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