Mit dem heiligen Rafael Arnáiz Barón von Septuagesima bis Ostern – (3/17)

Rafael wird am 9. April 1911 geboren; 15. Januar 1934 Eintritt in die Trappistenabte St. Isidro; 26. Mai 1934 verlässt er das Kloster wegen schwerer Diabetes; 11. Januar 1936 Rückkehr in die Abtei, er wird Oblate; am 29. September 1936 muss er wegen des Bürgerkrieges das Kloster verlassen; 6. Dezember 1936 Rückkehr ins Kloster; am 7. Februar 1937 muss er wieder wegen seiner Krankheit das Kloster verlassen; am 15. Dezember 1937 kehrt Rafael unter Verzicht auf die Bequemlichkeiten und die Fürsorge in seinem Elternhaus erneut und endgültig in die Abtei zurück. Todestag am 26. April 1938, gerade 27 Jahre geworden. – Rafael Arnáiz Barón erhielt das Ordenskleid der Trappisten „Angesichts des Todes“ und legte dabei die feierliche Profess ab.

Dem Herrn habe ich mein Leben geopfert

Hl. Rafael Arnáiz Barón notiert am 27. Februar 1938, dem Sonntag Quinquagesima:

Heute habe ich dem Herrn das einzige aufgeopfert, was mir noch blieb: das Leben …
Ich habe es vor Ihn hingelegt, damit Er es annehme und einsetze, wozu Er will, und es mir nehme, wann Er will und wofür Er will: mein Leben …

Als ich mein Elternhaus verließ, verließ ich aus eigenem Antrieb eine Reihe an Möglichkeiten der Behandlung und Pflege, die meine Krankheit erforderlich machen, und umfing einen Stand, in dem es unmöglich ist, eine so heikle Krankheit zu behandeln. Ich wußte ganz genau, was mich erwartete.

Trotzdem hast du manchmal gelitten, armer Bruder Rafael, ohne daß du es selbst bemerkt hättest, wenn du dich vieler notwendiger Dinge beraubt sahst … Du littest, weil du nicht mehr die Freiheit hattest, den Gebrechen deiner Krankheit die Heilmittel zukommen zu lassen, die dir in der Welt zur Verfügung standen. Du umarmtest von Anfang an das Kreuz Christi, aber manchmal wurdest du schwach.

Zu anderen Zeiten littest du, als du sahst, daß du dein Leben hier in der ,Trapa‘ [im Trappistenkloster San Isidoro in Spanien] wissentlich verkürzt, und erkanntest, daß du nach Gottes Willen (und nicht nach dem der Menschen) die Last der unheilbaren Krankheit hier mehr verspürst als in der Welt, wo dir alles zur Verfügung stand. Dann wieder littest du nur, weil du dein krankes Leben sahst, und das für immer und ohne jegliche Erleichterung.

Nun, all das hört auf! Heute morgen habe ich dem Herrn mein Leben geschenkt. Es gehört nicht mehr mir … Möge Er dafür sorgen, wenn Er will. Ich denke nicht mehr daran, mir Sorgen zu machen. Mich darum kümmern: ja, weil Er es mir leiht, aber sonst nichts …

Wenn Er will, läßt Er mir die erforderlichen Heilmittel zukommen. Will Er es nicht, werde ich auch ohne sie ganz zufrieden sein. Ich will absolut nicht mehr um meinen Gesundheitszustand besorgt sein … Ich werde nehmen, was man mir gibt, tun, was man mir befiehlt, und in allem gehorchen.

Ich werde mit meinem Leib umgehen, als sei es der eines anderen. Ich werde nur Gottes Willen suchen. Ich werde Seine Wünsche lieben und sie zu meinem einzigen Gesetz machen … Will Er, daß mein Leben lang und mühsam sei, so sei es! Will Er es nächste Nacht nehmen, so sei es! Gleich, ob heute oder morgen oder in tausend Jahren, mein Leben gehört Ihm! Meine Gesundheit, gut oder schlecht, gehört Ihm! Er sei der Verantwortliche für das, was mit mir geschieht!

Ich habe die Jungfrau Maria gebeten, sie möge bei Jesus für mich eintreten, damit Er mein Opfer annehme. Welch große Freude, wenn Er es täte! Welche Freude würde es bedeuten, für Jesus zu sterben! Wenn Er doch mein Leben dem ewigen Vater darbrächte als Wiedergutmachung für die Sünden der Welt, für die Kriege, für die ungläubigen Völker, für die Priester, für den Papst und für die Kirche!

Leiden und Schmerz zu fühlen, macht mir nichts aus, wenn Jesus mein Opfer annimmt. Ich habe Ihm mein Herz geschenkt … Ihm habe ich meinen Willen überlassen. Jetzt schenke ich Ihm mein Leben. Jetzt bleibt mir nichts weiter als zu sterben, wann Er will.

Sein Wille geschehe und nicht der meine! [vgl. Mt 26,39]

Wie glücklich bin ich, daß ich nichts mehr besitze! Glücklich darüber, daß ich nicht mehr nachgrübeln muß, ob mir dieses gut, jenes schlecht bekommt, ob die Medizin oder die Diät oder sonst etwas …! Ich tue, was man mir gebietet, und um mehr kümmere ich mich nicht … Möge der Herr Sorge tragen um meine Krankheit, so wie Er will! Und je weniger Pflege Er mir angedeihen läßt und je mehr Entbehrungen Er für mich zuläßt, um so besser!

Manchmal, Herr, möchte ich auf der Straße oder
in einem öffentlichen Krankenhaus sterben,
arm und verlassen von allen …, in der Bedürftigkeit.
Aber ich glaube, das ist eine Versuchung …
Ich weiß nicht, ich bin in Deinen Händen
und empfehle mich denen der Jungfrau Maria.

Ich habe festgestellt und erfahren, daß ich um so eifriger bin und näher bei Gott, je größer mein Hunger ist und je mehr meine Beine wanken. Die Tränen, die ich an manchen Tagen nach der kleinen Zwischenmahlzeit im Chor vergieße, helfen mir sehr. In diesen Augenblicken leide ich physisch und moralisch sehr viel, aber anschließend lobpreise ich Gott aus tiefstem Herzen.

Es stimmt: ich bin nichts als Elend, gleich, ob ich mich von innen oder von außen betrachte. Wenn es Abend wird und ich meine körperliche Müdigkeit sehe, die armselige Bedürftigkeit der Materie, die Geringfügigkeit und Unzulänglichkeit meines Leibes und außerdem noch das kindische Gehabe bedenke, aufgrund dessen mein Geist verstört war während des Tages; wenn ich die unbedeutenden Beweggründe sehe, aus denen ich litt, und die Geringfügigkeit der ganzen Welt, obwohl sie mich zu erdrücken schien; wenn ich all das sehe und daneben das heiligste Kreuz Jesu stelle: wer wagt dann noch, an sich selbst zu denken und zu sagen, daß er leidet? …

O menschlicher Egoismus, du weinst wegen eines Apfels; du bist betrübt über die Äußerungen eines Mitbruders; dich beunruhigt die Erinnerung an einen sonnigen Tag in der Welt …, und du leidest aus Gründen, die Luft und Eitelkeit bedeuten! O Elend des Menschen! Wie wenig schaust du auf den gekreuzigten Christus! Wie wenig leidest und weinst du für Ihn!

Neige dein Gesicht zum Staub, Bruder Rafael, und hör auf, an das zu denken, was Erde, was Geschöpf, was Welt ist, was du bist! Erfülle deine Seele mit Liebe zu Christus! Küsse Seine Wunden! Umarme Sein Kreuz! Träume und denke und schlafe in Ihm! …

Wie gut ruht man unter dem süßen Holz!
Wie gut schläft man, wenn man das Kreuz umklammert!
Wie gut ist Gott!

(Aus: Nur Gast auf Erden 582f)

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