Heiliger Geist – oder: die Ökumene des Geldes

Es gibt in Deutschland zahlreiche ökumenische Bemühungen. Am stabilsten und belastbarsten scheint die Ökumene des Geldes zu sein. Werden doch Vertreter beider Konfessionen nicht müde, einhellig für den Erhalt der Kirchensteuer zu werben. Noch nicht lange ist es her, da wurde in Deutschland der fünfhundertste Jahrestag der Reformation begangen, bei dem die Figur Martin Luthers auch deshalb verklärt dargestellt wurde, weil er einer vom Geld abhängigen und korrupten Kirche den Kampf angesagt hatte. Doch was bei den unzähligen Beiträgen zu diesem Thema entgangen zu sein scheint, ist der Blick auf die Gegenwart. Martin Luther müsste sich heute im Grabe umdrehen, denn die von ihm kritisierte Praxis „wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“, ist nun – eine wahre Ökumene der Finanzen – auch in der evangelischen Kirche zum Kriterium für die Mitgliedschaft geworden. Und die katholische Kirche scheint nichts aus der Vergangenheit gelernt zu haben. Ein wesentlicher Punkt, den Luther an der Kirche kritisiert hatte, war der Ablasshandel. Die Kirche verkaufte so genannte „Ablassbriefe“ an die Leute, die sich so von ihren Sünden befreien konnten, ohne Buße tun zu müssen oder Besserung zu geloben. Luther schrieb 1517 dagegen einen Brief an seinen zuständigen Bischof, der aber keine Beachtung fand. Vergleichbar ist die Situation heute mit der Kirchensteuer. Offenbar interessiert die Kirchenführung nicht mehr, ob die Menschen dem Evangelium glauben und die Gebote halten, sondern nur noch, ob sie die Steuer entrichten: „Wer zahlt, wird selig!“

(Von Bernhard Müller / Vatican Magazin)

Ganzer Artikel: siehe bei CNA

+

 

 

Werbeanzeigen