Mariä Heimsuchung – 2. Juli

Elisabeth wird von Maria aufgesucht und sagt zu ihr:

„Selig bist du, weil du geglaubt hast.“

Hiermit wird Mariens Glaube und ihr Vertrauen gegenüber der Engelbotschaft als etwas Besonderes und Vorbildliches herausgestellt. Auf Grund dieses Wortes, das nur der Heilige Geist der aus menschlichen Quellen noch nichts wissenden Base eingegeben haben kann, dürfen wir uns die selige Jungfrau im Augenblicke der Empfängnis Christi keineswegs als Voll- Wissende vorstellen, d. h. nicht als eine solche, die etwa in mystischer Erhebung oder gar entsprechend der ewigen seligen Schau das bisher noch unbekannte Geheimnis der Dreifaltigkeit klar durchschaut hätte und ihr somit nichts selbstverständlicher gewesen wäre als die wesenhafte Gottessohnschaft des Kindes, das ihr verheißen wurde. Warum wohl nicht? Nun, weil angesichts einer solchen Erkenntnis nein zu sagen, der zur Entscheidung aufgerufenen Jungfrau ebenso unmöglich gewesen wäre, wie es den Seligen im Himmel ist. Wo bliebe dann Mariens vielgepriesene Vorbildlichkeit in der Verkündigungsszene? Wo bliebe ihr Verdienst? Gewiß wird Gottes besondere Gnade und eine innere Erleuchtung ihr in diesem hochwichtigen Augenblicke der Heilsgeschichte zu Hilfe gekommen sein, aber irgendwie sollte sie doch im Dunkeln und Geheimnisvollen tappen, damit ihr Jawort zu dem wahrhaft großen Beitrag zu unserer Erlösung werde.

Quelle

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