Dein Kleid … erbaut oder verführt, ehrt oder erniedrigt

Zuletzt wurde auf diesem Blog mit diesem Artikel auf das Problem hingewiesen:
Nicht entkleidet und nackt – aber bedeckt

Im folgenden Text von Pater Stefan Frey wird der Sachverhalt von einer anderen Seite her beleuchtet:

Die Ehrfurcht vor dem Heiligtum, vor den Mitmenschen und vor sich selbst muss sich in entsprechend geziemender Kleidung ausdrücken. Damit stehen wir mitten in einem Thema, das zu den heikelsten und emotionsgeladensten gehört, das ein Priester ansprechen kann und zuweilen auch muss. Wir leben leider in einer Zeit, die die Tugend der Ehrfurcht vor Gott und der Würde seiner Kinder ziemlich radikal ausgemerzt hat. Und das macht sich nur allzu deutlich in der modernen Kleidung bemerkbar. Der Christ muss sich den Herausforderungen der jeweiligen Zeit stellen. Immer schon wurde von ihm der Mut zum Zeugnis verlangt. Heutzutage schließt dieses Zeugnis aber mehr denn je auch die Art des Sich-Kleidens mit ein.

Kriterien für geziemende Kleidung
Wir sind Kinder unserer Zeit. Das gesunde Empfinden und der Sinn für das Schickliche kann abstumpfen, wenn man sich jahrelang die vorherrschende schamlose Mode mit ansehen muss. Man gewöhnt sich einfach daran. Das bedeutet aber nicht, dass damit das Verwerfliche unbedenklich wird oder das Schickliche veraltet ist. Es gibt objektive Kriterien, nach denen sich jede Mode richten muss. Nennen wir hier die wichtigsten:

1) Schamhaftigkeit
Adam und Eva wurden sich erst nach dem Sündenfall bewusst, dass sie nackt waren. Seither leiden alle Menschen an den Folgen der Erbsünde. Ein Mann wird schnell zur Begierlichkeit gereizt, wenn er eine Frau sieht, deren Kleidung die körperlichen Reize nur unzulänglich verhüllt. Darum wird gerade er vom Heiland gemahnt: „Wer eine Frau lüstern ansieht, hat schon Ehebruch in seinem Herzen begangen“ (Mt 5,28). Oft sind sich die Frauen gar nicht bewusst, welch starke Signale von ihrer knappen Kleidung ausgehen, und darin besteht ihre erbsündliche Schwäche einer leichtsinnigen Eitelkeit. Sie sind indes nicht unverantwortlich für die Versuchungen und Sünden, die sie bei anderen – bewusst oder unbewusst – provozieren. An sie ergehen deshalb die mahnenden Worte des hl. Paulus: „Die Frauen sollen mit züchtigem Gewand schamhaft und bescheiden sich schmücken und mit edlem Anstand“ (1 Tim 2,9).

Die Frau hat die Macht, den Mann sehr stark beeinflussen zu können – in die eine oder andere Richtung: Trägt sie eine Kleidung, welche die Körperformen hervorhebt, auch wenn diese bedeckt bleiben, lenkt sie den Blick des Mannes auf das Sinnlich-Körperliche an ihr. Eine verhüllende und doch geschmackvolle Kleidung dagegen lässt an ihr ihren seelischen Adel und ihre Geistigkeit, ja auch ihre Beziehung zu Gott aufstrahlen. Ihre Kleidung ist nicht neutral: Sie kann zur Sünde verführen, sie kann aber auch erbauen, den Geist erheben und zur Tugend ermuntern. Die Kraft des Beispiels kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, was in abgewandelter Form auch von der Kleidung des Mannes gilt.

2) Ausdruck der geschlechtlichen Identität
Die Kleidung gehört wie der Körper zur Identität des Menschen, insofern sie sichtbarer Ausdruck seiner unsichtbaren Tiefe und des inneren Wesens ist. Man kann sie darum nicht als etwas nur Sekundäres und Belangloses abtun. Die Feinde des Menschengeschlechts wissen das und machen es sich zunutze. Die Genderideologen leugnen jegliche naturgegebenen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Wen wundert es, dass sie deshalb auch alle geschlechterspezifischen Unterschiede in der Kleidung ausmerzen wollen? Als Frauen begannen, Männerkleidung zu tragen, stellte dies mit dem Aufkommen des Feminismus eine Protesthaltung gegen die angebliche Männerdominanz dar. In der Genderwelt wird sie nun zum Protest gegen die Schöpfungsordnung Gottes. Gott hat ja die Menschen nun einmal als Mann und Frau erschaffen. In ihrer jeweiligen Eigenart sind sie verschiedenartige Ebenbilder Gottes, die sich im gesellschaftlichen Leben gegenseitig ergänzen und bereichern. In allen Kulturen der Menschheitsgeschichte haben diese Eigentümlichkeiten der Geschlechter ganz natürlich in der der je typischen Männer- und Frauenkleidung Ausdruck gefunden. „Eine Frau soll nicht Männerkleidung, und ein Mann nicht Frauenkleidung anziehen. Denn wer solches tut, ist vor Gott ein Gräuel“ (Deut 22,5). Lassen wir uns also nicht vor den Karren einer feindlichen Ideologie spannen, die es auf die Zerstörung der menschlichen Identität abgesehen hat!

3) Schönheit und edler Schmuck
„Die Kleidung des Menschen tut kund, was in ihm ist“ (Sir 19,27). Sind wir Tempel des dreifaltigen Gottes, soll dieser Tempel nicht nach außen in edlem Schmuck erstrahlen? Ist unsere Seele in der heiligmachenden Gnade Abglanz der Herrlichkeit Gottes, soll dies nicht in der bescheidenen Schönheit der Kleidung kundwerden? Hässliche, herabwürdigende Lumpen können nie gottgewollte Kleidung sein. Die Ehrfurcht verbietet es uns, abgewetzte, ausgewaschene oder gar zerrissene Jeans oder unansehnliche „Säcke“ zu tragen. Wenn das Schöne und Edle schon immer als Ausstrahlung des Wahren und Guten galt, so verrät der heutige Kult des Hässlichen und Ordinären seine Herkunft aus dem Laster und dem Irrtum.

Die strapazierfähigen Jeans waren übrigens ursprünglich die typische Kleidung der Arbeiterwelt. Und dort gehören sie auch hin. Selbstverständlich sind je nach Lebenslage unterschiedliche Anforderungen an die Kleidung gestellt. Man darf und muss zwischen Arbeitsplatz, Turnhalle und Kirche unterscheiden können. In der Kirche erscheinen wir vor dem Allerheiligsten in angemessen feierlicher Sonntagskleidung! An Werktagen darf es etwas einfacher sein. Doch Sportbekleidung, Turnschuhe und Jeans entsprechen nicht der Heiligkeit des Gotteshauses.

Konkrete Regeln
Aus den angeführten Kriterien ergeben sich konkrete Regeln, wie sie stets in verschiedener Weise in der traditionellen Kleidung der unterschiedlichsten Völker Anwendung fanden, und eben noch heute in der Kleiderordnung in italienischen Kirchen. Folgende Regeln seien Ihnen eindringlich ans Herz gelegt: Für Frauen geziemen sich Röcke, die beim Sitzen die Knie bedecken. Für Männer geziemen sich lange Hosen. Knielange Bermudas kann man sich in der Freizeit erlauben. Enganliegende und somit körperbetonte Kleidung entspricht nicht der christlichen Sittsamkeit, ebenso wenig durchsichtige Stoffe, weite Ausschnitte, hohe Rockschlitze etc.

Für den Kirchbesuch achte man auf edle, schöne Kleidung, wie man sie auch bei einem feierlichen Empfang trägt, werden wir doch vom König der Könige empfangen! Man vermeide aber jegliche übertriebene Prachtentfaltung. T-Shirts sind im Gotteshaus auch bei großer Hitze unschicklich. Wenigstens trage man ein Hemd bzw. eine Bluse, die den größeren Teil des Oberarms bedecken.

Andererseits warnen wir ausdrücklich davor, neu zu uns stoßende Gläubige auf unschickliche Kleidung anzusprechen und sich die Rolle der Sittenpolizei anzumaßen. Wirken wir auf die Änderung der Herzen hin, dann ändert sich auch nach und nach das äußere Erscheinungsbild.

Christliches Selbstbewusstsein
Sind wir verpflichtet, uns der Tyrannei der Mode zu unterwerfen? Dürfen wir Christen nicht auch unseren heiligen Stolz haben und uns so kleiden, wie es Gotteskindern geziemt, eingedenk der Heiligkeit Gottes, vor dem wir wandeln und der in uns wohnt? Der Wüstenheilige Charles de Foucauld prägte das Wort: „Was den heutigen Christen abgeht, ist nicht so sehr die Demut, sondern der heilige Stolz!“ Und der Mut zum Zeugnis! Ich möchte den zahlreichen Gläubigen mein aufrichtiges Lob aussprechen, die diesen Mut aufbringen, vor allem den Frauen, die konsequent den Rock tragen und auf sittsame Kleidung achten. Bravo, weiter so! Die Welt braucht dieses Zeugnis! Heute mehr denn je. Schauen wir auf die Heiligen. Sie mögen uns die Kraft zum Zeugnis des guten Beispiels geben!

Quelle FSSPX Österreich

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