Oh Mann, deine Kleidung

Ich rede hier nur von der bürgerlichen Kleidung. Bei der engen Kleidung stellt sich der Körperbau in seiner ganzen Gestalt dar. Die Griechen und Römer würden, wenn sie wieder aufstünden, über unsere Kleidung nicht genug erstaunen können. Die Goten und Lombarden hatten zwar keine talarische Kleidung, doch reichte sie bis über die Waden. Vor 60 Jahren wäre es unanständig gewesen, in kurzer Kleidung auf öffentlicher Straße zu erscheinen. Jetzt kommt man damit in die Kirche zur heiligen Kommunion. [Selig, der wacht und seine Kleider bewahrt, dass er nicht nackt wandle und man seine Schande sehe] (Offenb. XVI, 15). Türken, Perser, Chinesen fühlen das Schändliche an unserer Kleidung. In dieser dürften wir nicht vor ihnen erscheinen.

Auch der männliche Haarputz, wo alles durcheinander geht und die hinteren Haare empor gestrichen werden, ist eine Eigenheit unserer Zeit. Bei allen Nationen steckt das Gefühl in der Menschheit, dass die Engel mit Locken abgebildet werden. Ob Gottes Allgegenwart diese Sache länger ertragen werde, ist zu bezweifeln. Die Medizin aber möchte bitter werden!

(Die dritte von 6 Eigenheiten unserer Zeit – von Georg Michael Wittmann, 1760-1833, aus: Faszinierendes Priestertum, Georg Michael Wittmann: Vorerinnerungen über die Eigenheiten unserer Zeit. Patrimonium 2016)

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3 Kommentare zu „Oh Mann, deine Kleidung

  1. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Bereits vor Jahrhunderten gab es Menschen, welche sich unangemessen kleideten und solche, die sich zuverlässig darüber aufregten. Dies ist beileibe heute nicht anders, trifft man doch gerade in traditionsorientierten Kreisen problemlos Personen, welche mit ihren Ansichten über das Thema „Kleidung im Gottesdienst“ – zumindest zur eigenen Begeisterung – zu gerne den ganzen Abend bestreiten wollen.

    Aus Klugheit wird man beim Thema Kleidung in der heutigen Zeit jedoch Abstriche machen müssen. Wenn z.B. kirchenferne Menschen oder Gläubige aus der diözesanen Ortspfarrei in die Messe aller Zeiten kommen, werden sie das erste Mal sicher in der für sie üblichen Kleidung kommen. Werden sie dann deshalb von Tugendschutz-Selbstbeauftragten „verbellt und weggebissen“, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie wiederkommen gering, evtl. gehen sie dem Glauben komplett verloren. Wer könnte hierfür die Verantwortung übernehmen?

    Überhaupt kommt beim Kleiderthema eine Frage meist zu kurz: Wer hat uns gemäß Lk 12,14 in diesen Fragen zum Richter bestellt? Provozierend freizügige Kleidung im Gottesdienst wird sicherlich zuerst dem Priester auffallen, er wird vermutlich nach der Messe das Gespräch mit den „Neulingen“ suchen und diese dezent darauf ansprechen. In der heutigen Zeit der fehlenden Dresscodes und verbindlichen Konventionen wird man regelhaft von Unkenntnis ausgehen müssen, wohl weniger von gezielter Provokation.
    Und sollte letztere vorliegen, wird der Seelsorger sicher auch die passenden Worte finden… 😉

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