Pfarrer Hans Milch – Todestag: 8. August 1987

(nach Erzählungen von Prof. Dr. Walter Hoeres)

Johannes Philipp Milch kam 1924 in Wiesbaden zur Welt. Sein Vater war als Rechtsanwalt tätig, seine Mutter in der Frauengruppe der Sozialdemokraten. Hans Milch erhielt eine gediegene, höhere Schulbildung im Kreis seiner Eltern und seiner beiden Geschwister. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der junge Hans Milch als Soldat in die Wehrmacht eingezogen. Nach 1945 kam er für einige Jahre in französische Gefangenschaft. Dort bekam er Kontakt mit dem Leiter des „Stacheldrahtseminars“ für gefangene und vertriebene Priesterkandidaten, Franz Stock, […]

Im Jahre 1953 erhielt Johannes Philipp Milch die Priesterweihe. Seine Mutter, welche während der Studienjahre ihres Sohnes ebenso zum Glauben gefunden hatte, sollte ihm für die kommenden Jahre eine unentbehrliche Stütze werden. Nach einer Zeit von acht Jahren als Kaplan (1953–1961) bekam Milch am 6. Januar 1962 die Pfarrstelle an St. Martinus im Frankfurter Teilort Hattersheim. Im selben Jahr traten die Bischöfe zum Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom zusammen. Auch nach Ende des Konzils im Jahre 1965 und sogar nach der Einführung des deutschsprachigen Messbuches im Jahre 1969 las Milch noch immer konsequent die altehrwürdige Messe in Latein. Er sah die liberalen Kräfte, welche sich schon des Konzils bemächtigt hatten und welche nun vor Missbräuchen auch in den Kirchen vor Ort nicht zurückschreckten, mehr und mehr überhandnehmen. […]

In den folgenden Jahren machte der Pfarrer von Hattersheim eine schwere Krise durch: Wem war noch zu vertrauen? Ließ sich über die von Christus als dem einzigen Theologen offenbarte Wahrheit nun einfach abstimmen? Was war der einzelne Mensch in der immer mehr auseinanderfallenden Volkskirche noch wert? Angesichts dieser Umbruchs- und Notzeiten sah sich der rührige Seelsorger in die Pflicht genommen, eine Sühnegebets-Gemeinschaft zu begründen. Zunehmend identifizierte er sich und seine Aktion mit dem Werk von Erzbischof Lefebvre und bezeichnete das Konzil als Versammlung, welche dem Auftrag eines Konzils nicht gerecht geworden sei, und sah die Konzilsväter klar als Mitverantwortliche für den kirchlichen Niedergang an. Wegen dieser Haltung wurde der beliebte Seelenhirte Hattersheims 1979 von seinem Amt suspendiert; ein Priester, welcher zur Vertretung geschickt wurde, stand vor leeren Kirchenbänken. Hattersheims Katholiken waren ihrem Pfarrer zur Messe ins Pfarrhaus gefolgt! Mit seiner Mutter bezog Pfarrer Milch nun eine Wohnung in seiner Heimatstadt Wiesbaden, führte zahlreiche Glaubenskundgebungen durch und erbaute die Gemeinde St. Athanasius in Hattersheim als Heimstätte für die katholische Tradition. Im Frühjahr 1987 starb seine Mutter.

Wenige Monate später folgte er ihr nach – der geistig gestörte Obdachlose Luigi Zito, den Hans Milch geistlich betreute, hatte den Priester mit mehreren Messerstichen buchstäblich hingerichtet.

Pfarrer Milch war ein bestechender Denker, der nicht aufrechnete und den katholischen Glauben begeistert lebte. Er sah es als seine dringendste Aufgabe an, den einzelnen Menschen für Gottes Gnade zu öffnen. Der Herr ist es, der jeden Menschen nach seinem Leben fragt und ihn nur dort sucht, wo er ihn hingestellt wissen möchte. Kollektivgedanken, in welchen die eigene Verantwortung allzu gern auf andere Menschen abgewälzt wird, erteilte Milch eine klare Absage: „ER meint mich. Und alles, was er tut, gehört ganz dir und ganz mir, jeweils ungeteilt. Seine Gnade verteilt sich nicht auf die Menschen, sodass jeder etwa davon abbekäme. Das ist eine völlig falsche Vorstellung, ein Zahlendenken.“ Damit ist der Einzelne nicht nur zum Zeugnis, sondern auch zur Rechenschaft vor Gott aufgerufen. Der Mensch ist noch nicht besser, nur weil er Christ ist. Aber er steht unter einem besonderen Vertrag, der ihn ganz in Beschlag nimmt und der keine Konkurrenz duldet, eben unter der allerbesten Führung Gottes. Hier „grüßt“ den aufmerksamen Leser gleichsam der Brief des Apostels: „Alles gehört euch. Ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott (1 Kor 3,16–23)“. Das verpflichtet und stärkt. Auch seinerzeit Hans Milch. –

Fundort

Video in memoriam

actio spes unica
1972 von H.H.P. Hans Milch gegründet

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