Orientierungspunkt zum Thema Frauenpriestertum

Entscheidender Orientierungspunkt für einen Katholiken ist nicht die jeweilige private Exegese [jener, die das Frauenpriestertum herbeireden wollen], sondern die Lehre der Kirche […].

Das Thema Frauenpriestertum ist nicht erst seit dem II. Vatikanum in die Diskussion gekommen, sondern hat eine lange Vorgeschichte. Höchst interessant ist hier bereits das Verhalten der frühen Kirche in den ersten Jahrhunderten.

Auch damals gab es schon weibliche Gemeindeleiter, ja sogar Bischöfinnen und Priesterinnen – allerdings nicht in der katholischen Kirche, sondern bei häretischen Gruppen, bei Gnostikern und Montanisten. Ein besonderes Ringen hat sich dabei im 2. Jh. abgespielt. Die theologische Literatur der Häretiker hat damals an Umfang die orthodoxen Schriften weit übertroffen. Die „Pistis Sophia“ z. B . (eine gnostische Schrift) spielt die Frauen des Evangeliums gegen Petrus aus, und das ungebundene Wehen des Lichtgeistes wird gegen die Jesustradition gesetzt. Die montanistische Prophetin Priscilla beruft sich auf die Erscheinung einer „Jesa Christa“; die gleiche Gruppe ignoriert die Worte des hl. Paulus, zitiert aber andererseits wie moderne Feministinnen Gal 3,28, wonach es in der Kirche weder Mann noch Frau gebe. Irenaus, Tertullian, Hippolyt, die Didaskalie, die Apostolischen Konstitutionen, Epiphanius, Johannes Chrysostomus, die Apostolische Kirchenordnung sowie Augustinus und Johannes Damaszenus sind die wichtigsten kirchlichen Gegeninstanzen.

Die beiden letztgenannten beschreiben die einschlägige Praxis der Sekten ausdrücklich als „Häresie„. Ähnliches könnte man zum Mittelalter ausführen: Auch dort gab es einige Sekten, die weibliche Amtsträger auf die Kanzel und an den Altar gerufen haben, angefangen bei den Katharern und Waldensern. Das soziale „Milieu“ wäre dem also nicht durchweg verschlossen gewesen.

Die Gegenargumente der kirchlichen Autoren berufen sich entscheidend nicht auf irgendeine krude Frauenfeindlichkeit, sondern auf den Willen Christi und die Tradition der Kirche.

Einigen Äbtissinnen in Spanien, die im Gottesdienst gepredigt und ihren Nonnen die Beichte abgenommen hatten, schrieb Papst Innozenz III. einen Brief, in dem es heißt:
„Mag auch die allerseligste Jungfrau Maria höher stehen und (mag sie) auch mehr ausgezeichnet sein als alle Apostel zusammen, so hat der Herr doch nicht ihr, sondern diesen die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut“.

Auf die beständige Überlieferung der Kirche beruft sich Papst Johannes Paul II., wenn er definitiv erklärt, „dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“.

Aus: Manfred Hauke. Ein Weihepriestertum der Frau? (Theologisches Nr. 07/08 2019, 355ff.)

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