Liberale protestantische Theologie häufig auch das Normdenken in der katholischen Theologie

Exegeten sind beim Begriff „Altar“ viel zu schnell mit dem Verdikt „Metapher“. Aber es geht um Tieferes. Denn bevor man wirklich die Texte des Neuen Testaments und der Kirchenväter durchgehen kann, sind auch ganz grundsätzliche Fragen zu klären.

Es gibt in der Theologie und Kirchengeschichte seit Jahrzehnten festgefahrene Überzeugungen, die wie alle scheinbaren Gewissheiten einer Überprüfung anhand der Quellen bedürfen. Das geschieht allerdings immer seltener, weil die Sprachfähigkeit im Lateinischen und Griechischen leider auch in der theologischen Wissenschaft verschwindet und man sich mehr und mehr auf Sekundärliteratur stützt, ohne noch deren Wahrheitsgehalt an den Originalen überprüfen zu können.

Zu den unhinterfragten Gewissheiten gehört etwa die Behauptung, das Christentum sei ursprünglich kultlos gewesen. Jesus habe eine Moral, keine Religion gewollt. Das ist natürlich typisch liberale protestantische Theologie, die aber heute auch in der katholischen Theologie das Normdenken ist.

Ähnlich fragwürdig ist die sozialgeschichtliche Schule, wenn sie schematisch davon ausgeht, das Christentum sei ursprünglich eine Armenbewegung gewesen, die erst nach und nach in die höheren Gesellschaftsschichten aufgestiegen sei.

Schließlich haben wir die Verfallstheorie, wonach ein ursprünglich reines, jesuanisches Christentum durch „katholisierende“ Tendenzen verformt wurde und dann so etwas wie der „Frühkatholizismus“ mit Dogma, Bischöfen und Priestertum entstanden sei.

Aus einem Interview mit Prof. Dr. Stefan Heid zum Thema: „Gab es Altäre in der Urkirche?“ – (Theologisches Nr. 07/08 2019, 393ff.)

Beachten Sie auch das Buch:

Stefan Heid
Altar und Kirche
Prinzipien christlicher Liturgie
Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2019
496 Seiten, zahlreiche Illustrationen, 50 €.
ISBN: 978-3795434250

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