Trauriger Anlass mit unqualifizierter Bemerkung abgetan

Die Würzburg erscheinende Main-Post vermeldete am 13. August, dass dem „Karmelitinnenkloster Himmelspforten“ die Priester ausgingen. „Gottesdienste“ mussten „kurzfristig“ auf nachmittags verlegt werden, weil morgens kein Priester gefunden werden konnte. Dass dies ausgerechnet in einer Bischofsstadt so ist, scheint noch nicht traurig genug zu sein; denn auch die Patres aus dem nahegelegenen Karmelitenkloster konnten nicht helfen, obgleich sie doch demselben Orden angehören wie die Schwestern.

Pater Elias Haas OCD, der Prior des besagten Karmelitenklosters, wollte offenbar seine Mitschwestern aufmuntern oder vielleicht auch nur einen Witz machen, in dem er einen dummen Satz sagte.

Der 1962 geborene Pater sagte zu der „kleinen Herde“: „Den Zeiten ‚mit vollen Kirchen‘ solle man nicht grundsätzlich nachtrauern. In seiner Kindheit sei am Sonntag zwar die gesamte Empore und der hintere Kirchenraum von Männern besetzt gewesen. Von denen hätten aber viele das Geschehen vorn am Altar kaum mitverfolgt – und stattdessen Karten gespielt. Wenn die Ministranten mit den Opferkörbchen kamen, hätten sie die Karten schnell versteckt, ‚obwohl wir alle wussten, was da läuft‘.

Viele Männer hätten Karten gespielt? – Angenommen, Pater Elias Haas wäre damals, vielleicht als zehnjähriger Ministrant, durch die vollbesetzten Kirchenreihen gegangen, sprechen wir etwa vom Jahr 1972. Damals hatte die Kirche längst eine bessere Zeit begonnen, ja sie stand in der Blüte der nachkonziliaren Reformen. Vor allem war die Heilige Messe – äh, die Eucharistiefeier – endlich vom unverständlichen Ballast der lateinischen Sprache befreit. Alle Gläubigen besaßen nun das „allgemeine Priestertum“ und waren selbstverständlich am Geschehen auf dem Altar – äh, dem Volksaltar – beteiligt. Damals sollte jemand in der Kirche Karten gespielt haben?

Nach meiner Erinnerung – und ich war schon viele Jahre vorher Ministrant – war der Abschied von der Kirche 1972 bereits im vollen Gange …

Quelle: Mainpost

Karmelitinnenkloster Himmelspforten

Karmelitenkloster Würzburg

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3 Kommentare zu „Trauriger Anlass mit unqualifizierter Bemerkung abgetan

  1. Die sich mit schalen Witzchen anbiedernden Geistlichen sind heutzutage leider Legion, in der Regel meinen sie dies gar nicht abfällig, sondern verbergen damit nur Hilflosigkeit und wachsende Verzweiflung. Oder wollen der Masse gefallen, indem sie Witzchen auf Kosten der Kirche machen, was vermutlich gut ankommt.

    Weil nach 50 Jahren „nachkonziliarem Aufbruch“ mit „mündigen und kritischen Christen“ der allgemeine Zusammenbruch nicht mehr zu verdecken ist, wurde vom kirchen(nahen) Apparat offenkundig der offizielle Deutungsrahmen verändert. Belebte vorher das Konzil die Gemeinden, um zu blühen und zu gedeihen und schritt die Kirche Hand in Hand mit der Welt – dank Technik und Weltraumflügen – dem Paradies entgegen, ist dies angesichts
    leerer Kirchen, leerer Seminare und horrender Austrittszahlen nicht mehr zu halten, ohne komplett lächerlich zu wirken.

    Das Konzil wird zwar weiter (mit Bölls Worten: mit rattenhafter Wut) verteidigt, der Papst gibt etwa in der Tradition linkspopulistischer Peronisten Durchhalteparolen aus: ein Konzil entfalte seine Wirkungskraft erst nach 100 Jahren, man sei daher noch (zu) früh dran. Die Kirchenspitze deutet nun aber abrupt die Kirche als „kleine Herde“ bzw. „Sauerteig“ und gibt die „passenden“ Bibelstellen heraus, die Gründe für den atemberaubenden Verfall von Glauben und Kirchentreue in den letzten Jahrzehnten werden bezeichnenderweise nicht analysiert, sondern als gegeben hingenommen.

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  2. Ich erlaube mir, frech zu sein und zu sagen: „Omne malum a clero.“ Alles Übel kommt vom Klerus.
    Als wir vor zwei Jahren dringend einen Ersatzpriester brauchten, kam von allen angefragten Priestern (die Zeit gehabt hätten, ich meine nicht die, die gleichzeitig zelebrieren mussten): „Dann müsst‘ halt einen Wortgottesdienst machen.“
    Und der Karmelit, der voriges Jahr die Urlaubsvertretung machte, roch derart penetrant nach Parfum, dass man sich beim Kommunizieren am liebsten die Nase zugehalten hätte.
    Ich würde mich nicht ständig aufs Konzil rausreden. Ein Großteil der Geistlichen feiert in erster Linie sich selbst. Vielleicht liegt es daran, dass sie dem Herrn im Tabernakel den Rücken zukehren. Aber der Volksaltar ist, soviel ich informiert bin, in keiner einzigen Schrift des II. Vatikanums erwähnt.

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    1. Danke für Ihren Beitrag!

      Nein, nicht alleine auf das Konzil beziehen. „Konzil“ bezeichne ich in unserem Zusammenhang gerne als Zeitenwende. Erst durch das Konzil wurde es möglich, dass dem Individualismus der Priester das Tor göffnet war. Zunächst taten sie was sie wollten, oder für besser, oder für richtig usw hielten. Es dauerte eine kleine Weile bis das „Gottesvolk“ sein eigenes Credo „entwickelte“. Ja, es entwickelte sich eben nicht, es war wie eine Lawine, die sich verselbständigte. Und ich erinnere mich: oft befeuert von jenen, die zwei Jahre später nicht mehr in der Kirche zu finden waren. Aber da war das Schlimmste schon gemacht: dem Altar einen Tisch vorgestellt, den sie „Volksaltar“ nannten, womit suggeriert wird, dass er etwas mit Demokratie und Mitsprache zu tun habe.

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