Der karolingische Stuttgarter Bilderpsalter um 830 – Buchempfehlung

Der sich heute in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart befindende sogenannte Stuttgarter Psalter entstand nicht in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. Vielmehr ist diese karolingische Bilderhandschrift zwischen 820 und 830 durch Mönche der nahe bei Paris gelegenen Abtei Saint-Germain-des-Pres entstanden. Von Karl Eugen (1728-1793), dem zwölften Herzog von Württemberg veranlasst, kam das Manuskript nach Stuttgart, wo es den heute gebräuchlichen Namen Stuttgarter Psalter erhielt.

Das auch im Internet einsehbare Manuskript besticht mit seinen 168 Blättern, auf denen 316 farbige Bilder zu sehen sind. Diese Bilder (Miniaturen) begleiten und schmücken die Texte der 150 Psalmen und weisen auf deren theologische Bedeutung hin. Zwar stand den Mönchen des 9. Jahrhunderts bei der Abschrift des Manuskripts die getreue Textüberlieferung aus der Vulgata im Vordergrund, doch dieses Gebetbuch – nichts anderes hatten die Mönche herzustellen im Sinn – wurde von ihnen zusätzlich mit Miniaturen ausgestattet, die in ihren farbenfrohen Darstellungen noch heute äußerst ausdrucksstark anzusehen sind.

Dr. Mechthild Clauss beschäftigte sich viele Jahre mit dem Stuttgarter Psalter, der es ihr sehr angetan hatte. Im Jahre 2018 konnte sie im EOS-Verlag St. Ottilien die Frucht ihrer Arbeit vorlegen. In dem über 300 Seiten starken, in bester Ausstattung herausgegebenen Buch, will Clauss „die reiche Bilderwelt des Stuttgarter Psalters in ihrer Tiefe erfassen“ und ihre Leserschar „mit den geistigen Voraussetzungen vertraut machen, aus denen diese Bilderwelt erwachsen ist“.

Es war der Autorin nicht möglich, alle 316 farbigen Bilder des Stuttgarter Psalters zu bearbeiten; 48 von ihnen beinhaltet das vorliegende Buch. Dieses ist, neben einem umfangreichen Anhang, in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden Fragen der Darstellung behandelt (etwa anhand von Texten aus den beiden Testamenten und vom hl. Augustinus) sowie die geistigen Voraussetzungen, welche die Bilderwelt prägen (Schriftsinn, Symbole). Im zweiten Teil werden die konkreten Psalmen betrachtet, wobei es um die Verknüpfung der Psalmtexte mit den dazugehörigen Bildern geht.

Zwar gehen die Psalmen des Manuskriptes der Abtei Saint-Germain-des-Pres auf die Septuaginta zurück, mit der entsprechenden Zählweise. Unsere Autorin des vorliegenden Buches bedient sich jedoch der Einheitsübersetzung (mit den Kommentaren der Neuen Jerusalemer Bibel), was sie selbst als Kompromiss ansieht.

„Umfassend ist die Leistung der biblischen Schriftsinne: durch das zeichenhafte Sprechen umspannen sie in einem einzigen Wort die gesamte Weltenzeit von der Schöpfung bis zu ihrer Vollendung. – Entscheidend ist, dass der Mensch die Zeichen lesen lernt.“

(zuerst erschienen UVK 2019, S. 319f)

 

Mechthild Clauss
Illustration als Textauslegung:
Der karolingische Stuttgarter Bilderpsalter um 830.
Sankt Ottilien: EOS Verlag, 2018
312 Seiten; 39,95 Euro
ISBN 978-3830679240

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