Der Gegenstand der christlichen Abtötung – 4 / 9

2. Abschnitt:

Übung der christlichen Abtötung (2).
(2) Alle Praktiken der Abtötung, die wir hier zusammengestellt haben, sind den Vorbildern der Heiligen entlehnt worden, besonders vom heiligen Augustinus, vom heiligen Thomas von Aquin, von der heiligen Theresia, vom heiligen Franz von Sales, vom heiligen Johannes Berchmans; oder sie sind empfohlen von gutgeheißenen Meistern des Geistlichen Lebens, wie z.B. der ehrwürdige Louis de Blois, Rodriguez, Scaramelli, Abbe Allemand, Abbe Hamon, Abbe Dubois, usw.

Punkt 1: ABTÖTUNG DES LEIBES.

1. ) Beschränken Sie sich im Falle der Nahrungsmittel auf das schlechthin Notwendige, so weit dies möglich ist. Denken Sie über die Worte nach, die der heilige Augustinus an Gott richtete: „O mein Gott, Du hast mich gelehrt, die Nahrung nur als Hilfsmittel zu gebrauchen. Ach Herr, wer ist derjenige unter uns, der hier nicht manchmal die Grenze überschreitet? Wenn es einen gibt, so erkläre ich, daß dieser Mensch groß ist und daß er Deinen Namen wohl in großartiger Weise verherrlichen muß.“ (Bekenntnisse X, 31)

2. ) Bitten Sie Gott oft, bitten Sie Ihn täglich, Er möge durch Seine Gnade verhindern, daß Sie die Grenzen der Notwendigkeit überschreiten und sich dem Reiz der (Eß-)Lust hingeben.

3. ) Nehmen Sie zwischen den Mahlzeiten nichts ein, sofern nicht eine Notwendigkeit vorliegt oder Anstandsgründe es nahelegen.

4. ) Praktizieren Sie Enthaltsamkeit und Fasten, aber praktizieren Sie sie nur im inneren Gehorsam und mit Verschwiegenheit.

5. ) Es ist Ihnen nicht untersagt, irgendeine leibliche Befriedigung zu verkosten, aber tun Sie dies mit reiner Absicht und indem Sie Gott preisen.

6. ) Bringen Sie eine feste Ordnung in Ihren Schlaf, indem Sie dabei Schlaffheit und Verweichlichung vermeiden, besonders am Morgen. Setzen Sie sich, wenn Sie können, eine feste Stunde für das Zubettgehen und für das Aufstehen fest, und halten Sie sich ganz energisch daran.

7. ) Gönnen Sie sich im allgemeinen nur so viel Ruhe, als Sie nach Maßgabe des Notwendigen brauchen; geben Sie sich großherzig der Arbeit hin und ersparen Sie sich dabei keine Mühe. Hüten Sie sich davor, Ihren Körper zu entkräften, aber achten Sie auch darauf, ihm nicht zu schmeicheln. Sobald Sie verspüren, daß er, sei es auch noch so wenig, dazu neigt, sich das Ansehen eines Herrn und Meisters zu geben, so behandeln sie ihn sogleich als Sklaven.

8. ) Wenn Sie irgendein leichtes Unwohlsein verspüren, dann vermeiden Sie es, den anderen durch Ihre schlechte Laune zur Last zu fallen. Überlassen Sie es Ihren Mitbrüdern, Sie zu beklagen. Sie selbst aber sollen stumm und geduldig sein: wie das Lamm Gottes, das wahrhaft alle unsere Schwachheiten getragen hat.

9.) Nehmen Sie sich davor in acht, aus dem kleinsten Unbehagen einen Grund zur Befreiung von oder zum Verstoß gegen Ihre Tagesordnung zu machen. „Was die Regeln und Vorschriften anbetrifft, so muß man jegliche Dispens hassen wie die Pest“, schrieb der heilige Johannes Berchmans.

10.) Nehmen Sie willig jene mühsame Abtötung an, die man Krankheit nennt, und ertragen Sie sie demütig, geduldig und ausdauernd.

(Wird fortgesetzt)

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