Der Gegenstand der christlichen Abtötung – 5 / 9

Punkt 2: Abtötung der Sinne, der Einbildungskraft und der Leidenschaften

1. ) Schließen Sie vor allem und immer Ihre Augen vor jedem gefährlichen Anblick und sogar (haben Sie ruhig den Mut dazu!) vor jedem eitlen und unnützen Anblick. Sehen Sie ohne zu betrachten; sehen Sie niemandem ins Gesicht um darin Schönheit oder Häßlichkeit zu unterscheiden.

2. ) Halten Sie Ihre Ohren geschlossen anläßlich von Schmeicheleien, Lobeserhebungen, Verführungen, schlechten Ratschlägen, üblen Nachreden, verletzenden Spötteleien, Indiskretionen, bei böswilliger Kritik, bei Verdachten, die Ihnen mitgeteilt werden, und bei jedem Wort, das zwischen zwei Seelen die kleinste Abkühlung verursachen kann.

3. ) Wenn Ihr Geruchssinn irgendetwas zu leiden hat infolge gewisser Gebrechen oder Krankheiten Ihres Nächsten, dann schöpfen Sie daraus — weit davon entfernt, sich jemals darüber zu beklagen — eine heilige Freude.

4. ) Was die Qualität der Lebensmittel anbelangt, so haben Sie große Achtung vor dem Ratschlag unseres Herrn! „Eßt, was man euch vorsetzt. Eßt, was gut ist, ohne daran Gefallen zu finden, und das, was schlecht ist, ohne eure Abneigung zu bekunden; man erzeige sich sowohl beim einen als auch beim anderen ebenso gleichmütig (= indifferent).“ Das ist, sagt der heilige Franz von Sales, die wahre Abtötung.

5. ) Bieten Sie Gott Ihre Mahlzeit an, legen Sie sich bei Tisch eine kleine Entbehrung auf; versagen Sie sich zum Beispiel ein Körnchen Salz, ein Glas Wein, eine Süßigkeit, etc. Ihre Tischgenossen werden das gar nicht bemerken, aber Gott wird es Ihnen anrechnen.

6. ) Wenn das, was man Ihnen vorsetzt, Ihre Eßlust lebhaft anstachelt, dann denken Sie an die Galle und den Essig, mit denen unser Herr am Kreuze getränkt wurde: das kann Sie zwar nicht vom Genießen abhalten, aber es wird der Lust als Gegengewicht dienen.

7. ) Man muß jeden sinnlichen Kontakt vermeiden, jegliche Zärtlichkeit, in die man irgendetwas von Leidenschaft hineinlegen oder darin suchen würde, an der man eine hauptsächlich sinnliche Freude fände.

8. ) Verzichten Sie darauf, sich zu wärmen; außer es sei Ihnen notwendig, um sich ein Unwohlsein zu ersparen.

9. ) Ertragen Sie alles, was naturgemäß das Fleisch bekümmert; ganz besonders die Kälte des Winters, die Hitze des Sommers, ein hartes Nachtlager und alle Unbequemlichkeiten gleicher Art. Machen Sie zu jeder Zeit ein fröhliches Gesicht, lächeln Sie bei allen Temperaturen. Sprechen Sie mit dem Propheten: „Kälte, Hitze und Regen, preiset den Herrn!“ – Wie glücklich wären wir, wenn wir dahin gelangen könnten, dieses Wort ehrlichen Herzens zu sprechen, das dem heiligen Franz von Sales vertraut war: „Niemals fühle ich mich wohler, als wenn ich mich nicht wohl fühle.“

10. ) Töten Sie Ihre Einbildungskraft ab, wenn sie Sie durch die Verlockung eines glänzenden Postens verfuhrt, wenn sie Sie betrübt durch die Aussicht auf eine düstere Zukunft, wenn sie Sie beunruhigt durch die Erinnerung an ein Wort oder eine Handlung, die Sie beleidigt haben.

11. ) Wenn Sie in sich das Bedürfnis zu träumen verspüren, dann töten Sie es erbarmungslos ab.

12. ) Demütigen Sie sich mit größter Sorgfalt in Bezug auf die Ungeduld, auf die Reizbarkeit und auf den Zorn.

13. ) Unterziehen Sie Ihre Wünsche von Grund auf einer Prüfung und unterwerfen Sie sie der Kontrolle durch die Vernunft und den Glauben: Wünschen Sie nicht eher ein langes Leben, als ein heiligmäßiges Leben? Ein Leben des Vergnügens und des Wohlstandes ohne Kummer und Schmerzen, ein Leben der Siege ohne Kämpfe, ein Leben der Erfolge ohne Rückschläge, ein Leben der Beifallskundgebungen ohne Kritik, ein bequemes und ruhiges Leben ohne ein Kreuz irgendwelcher Art; das heißt: ein Leben, das dem unseres Göttlichen Heilandes total entgegengesetzt ist?

14. ) Seien Sie auf der Hut davor, sich bestimmte Gewohnheiten anzueignen, die, ohne daß sie tatsächlich schlecht sind, unheilvoll werden können: wie zum Beispiel die Gewohnheit, minderwertige Lektüre zu lesen, Glücksspiele, usw.

15. ) Suchen Sie Ihren vorherrschenden Fehler kennenzulernen; und sobald Sie ihn erkannt haben, verfolgen Sie ihn bis in seine letzten Schlupfwinkel hinein. Unterwerfen Sie sich zu diesem Zweck ehrlichen Herzens all dem, was an Eintönigem und Langweiligem in der Praxis der besonderen Gewissenserforschung enthalten sein könnte.

16. ) Es ist Ihnen nicht verboten, Zuneigungen zu haben und diese auch zu zeigen; aber seien Sie auf der Hut gegenüber der Gefahr, das rechte Maß zu überschreiten. Bekämpfen Sie energisch die allzu natürlichen Anhänglichkeiten, die besonderen Freundschaften und alle die weichlichen Empfindsamkeiten des Herzens.

(Wird fortgesetzt)

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Der Gegenstand der christlichen Abtötung – 4 / 9

2. Abschnitt:

Übung der christlichen Abtötung (2).
(2) Alle Praktiken der Abtötung, die wir hier zusammengestellt haben, sind den Vorbildern der Heiligen entlehnt worden, besonders vom heiligen Augustinus, vom heiligen Thomas von Aquin, von der heiligen Theresia, vom heiligen Franz von Sales, vom heiligen Johannes Berchmans; oder sie sind empfohlen von gutgeheißenen Meistern des Geistlichen Lebens, wie z.B. der ehrwürdige Louis de Blois, Rodriguez, Scaramelli, Abbe Allemand, Abbe Hamon, Abbe Dubois, usw.

Punkt 1: ABTÖTUNG DES LEIBES.

1. ) Beschränken Sie sich im Falle der Nahrungsmittel auf das schlechthin Notwendige, so weit dies möglich ist. Denken Sie über die Worte nach, die der heilige Augustinus an Gott richtete: „O mein Gott, Du hast mich gelehrt, die Nahrung nur als Hilfsmittel zu gebrauchen. Ach Herr, wer ist derjenige unter uns, der hier nicht manchmal die Grenze überschreitet? Wenn es einen gibt, so erkläre ich, daß dieser Mensch groß ist und daß er Deinen Namen wohl in großartiger Weise verherrlichen muß.“ (Bekenntnisse X, 31)

2. ) Bitten Sie Gott oft, bitten Sie Ihn täglich, Er möge durch Seine Gnade verhindern, daß Sie die Grenzen der Notwendigkeit überschreiten und sich dem Reiz der (Eß-)Lust hingeben.

3. ) Nehmen Sie zwischen den Mahlzeiten nichts ein, sofern nicht eine Notwendigkeit vorliegt oder Anstandsgründe es nahelegen.

4. ) Praktizieren Sie Enthaltsamkeit und Fasten, aber praktizieren Sie sie nur im inneren Gehorsam und mit Verschwiegenheit.

5. ) Es ist Ihnen nicht untersagt, irgendeine leibliche Befriedigung zu verkosten, aber tun Sie dies mit reiner Absicht und indem Sie Gott preisen.

6. ) Bringen Sie eine feste Ordnung in Ihren Schlaf, indem Sie dabei Schlaffheit und Verweichlichung vermeiden, besonders am Morgen. Setzen Sie sich, wenn Sie können, eine feste Stunde für das Zubettgehen und für das Aufstehen fest, und halten Sie sich ganz energisch daran.

7. ) Gönnen Sie sich im allgemeinen nur so viel Ruhe, als Sie nach Maßgabe des Notwendigen brauchen; geben Sie sich großherzig der Arbeit hin und ersparen Sie sich dabei keine Mühe. Hüten Sie sich davor, Ihren Körper zu entkräften, aber achten Sie auch darauf, ihm nicht zu schmeicheln. Sobald Sie verspüren, daß er, sei es auch noch so wenig, dazu neigt, sich das Ansehen eines Herrn und Meisters zu geben, so behandeln sie ihn sogleich als Sklaven.

8. ) Wenn Sie irgendein leichtes Unwohlsein verspüren, dann vermeiden Sie es, den anderen durch Ihre schlechte Laune zur Last zu fallen. Überlassen Sie es Ihren Mitbrüdern, Sie zu beklagen. Sie selbst aber sollen stumm und geduldig sein: wie das Lamm Gottes, das wahrhaft alle unsere Schwachheiten getragen hat.

9.) Nehmen Sie sich davor in acht, aus dem kleinsten Unbehagen einen Grund zur Befreiung von oder zum Verstoß gegen Ihre Tagesordnung zu machen. „Was die Regeln und Vorschriften anbetrifft, so muß man jegliche Dispens hassen wie die Pest“, schrieb der heilige Johannes Berchmans.

10.) Nehmen Sie willig jene mühsame Abtötung an, die man Krankheit nennt, und ertragen Sie sie demütig, geduldig und ausdauernd.

(Wird fortgesetzt)

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Der Gegenstand der christlichen Abtötung – 3 / 9

KARDINAL DESIRE MERCIER

CHRISTLICHE ABTÖTUNG

1. Abschnitt:

Gegenstand der christlichen Abtötung.

Die christliche Abtötung hat zum Ziel, die bösartigen Einflüsse unwirksam zu machen, welche die Erbsünde noch in unseren Seelen ausübt, selbst nachdem die Taufe sie erneuert hat.

Wenn auch unsere Erneuerung in Christus die Sünde in uns vollständig tilgt, läßt sie uns dennoch weit entfernt von der ursprünglichen Lauterkeit und dem ursprünglichen Frieden. Das Konzil von Trient anerkennt, daß die Sinnenlust, das heißt die dreifache Begierlichkeit des Fleisches, der Augen und des Stolzes, sich in uns spürbar macht, selbst nach der Taufe, um uns zu den glorreichen Kämpfen des christlichen Lebens anzuspornen. (1)
(1) O „Daß aber in den Getauften die Begierlichkeit oder der Hang zur Sünde (= concupiscentia vel fomes) verbleibt, das bekennt und weiß diese Heilige Kirchenversammlung; da diese aber für den Kampf zurückgelassen ist … . Wenn der Apostel diese Begierde gelegentlich ,Sünde‘ nennt (Rom. 6, 12 ff.), so erklärt die Heilige Kirchenversammlung, daß die katholische Kirche ihre Benennung als Sünde niemals so verstanden hat, daß in den Wiedergeborenen wirklich und eigentlich Sünde wäre, sondern weil sie aus der Sünde stammt und zur Sünde geneigt macht.“ (Konzil von Trient, 5. Session, Dekret über die Erbsünde – DB 792)

Diese dreifache Begierlichkeit ist es, die die Heilige Schrift bald den „alten Menschen“ nennt, der dem „neuen Menschen“ entgegengesetzt ist (nämlich Jesus, der in uns lebt, und wir selbst in Jesus); bald „das Fleisch“ oder die gefallene Natur, die dem „Geist“, d. h. der durch die übernatürliche Gnade erneuerten Natur entgegengesetzt ist. Diesen „alten Menschen“, bzw. dieses „Fleisch“, das heißt den ganzen Menschen mit seinem zweifachen moralischen und physischen Leben muß man, ich sage nicht zunichte machen (denn das ist ein Ding der Unmöglichkeit solange das gegenwärtige Leben dauert), aber „abtöten“, das bedeutet, ihn praktisch zur Ohnmacht, zur Indifferenz und Unfruchtbarkeit (Sterilität) eines Toten führen. Man muß ihn daran hindern, seine „Frucht“ zu bringen, die in der Sünde besteht, und seine Tätigkeit in unserem ganzen moralischen Leben aufheben.

Die christliche Abtötung muß also den ganzen Menschen umfassen und sich auf alle Bereiche unserer Aktivität erstrecken, in denen unsere Natur fähig ist, sich zu bewegen.

Solcherart ist der Gegenstand der Tugend der Abtötung: wir werden ihre Anwendung (Praxis) aufzeigen, indem wir nacheinander die vielfältigen Äußerungen von Aktivität durchlaufen werden, in denen sie sich bei uns offenbart:

1. ) Die organische Aktivität oder das körperliche Leben.

2. ) Die Sinnestätigkeit, die ausgeübt wird sei es in Form von sinnlich wahrnehmbarer Erkenntnis durch die äußeren (fünf) Sinne oder durch die Einbildungskraft, sei es in Form von sinnlicher Begierde oder Leidenschaft.

3. ) Die vernunftmäßige und freie Aktivität: Ursprung unserer Gedanken, Urteile und Willensentscheidungen.

4. ) In der Folge werden wir die Kundgebung unseres Seelenlebens nach außen oder unsere äußeren Handlungen betrachten.

5.) Und schließlich unsere wechselseitigen Beziehungen zum Nächsten.

(Wird fortgesetzt)

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Der Gegenstand der christlichen Abtötung – 2 / 9

Für sein Bistum war es Kardinal Mercier ein großes Anliegen, die überlieferte katholische Lehre weiterzutragen und zu vermitteln. Zuerst unter den Priestern, die ihm in seinem Erzbistum anvertrauet waren, dann den Ordensleuten und allen Gläubigen. Dabei achtete der Erzbischof von Mecheln sehr darauf, die täglich notwendigen religiösen Bedürfnisse seiner Diözesanen aufzunehmen und für ihr größeres geistiges Wohl zu sorgen.

Sein im persönlichen Kontakt mit seinen Gläubigen erfahrener Realitätssinn veranlasste ihn unter anderem, ein paar Seiten über die christliche Abtötung zu schreiben. Jeder Katholik sollte mit der knappen Zusammenfassung dieses großen Themas der Theologie etwas anfangen können.

In einer seiner Arbeiten beschäftigt sich Kardinal Mercier mit dem heute scheinbar unwesentlichen, ja kaum noch vorkommenden Thema der Aszetik. Hierbei geht es um die Lehre des Strebens nach Vollkommenheit. Die Gläubigen sollen durch ein von der göttlichen Gnade bestimmtes Streben ihre ungeordneten Neigungen ablegen und abtöten. Selbst in erlaubten Dingen soll sich der Christ in den Tugenden üben, damit er der christlichen Vollkommenheit immer näher kommen kann.

Der Primas von Belgien verfasste einige wenige Seiten zum Thema der christlichen Abtötung: „Mortifications chrétiennes – Objet de la mortification chrétienne“ (Die christliche Abtötung – Der Gegenstand der christlichen Abtötung).

Kardinal Mercier, der selbst Mitglied des Dritten Ordens des hl. Franziskus war, schöpfte aus dem reichen Schatz der überlieferten Lehre. Dabei bediente er sich nicht nur der alten Tradition der Mönche. Auch neuzeitliche Lehrer des geistlichen Lebens standen ihm zur Seite, wie etwa der hl. Franz von Sales oder die hl. Teresa von Avila.

(Wird fortgesetzt)

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Der Gegenstand der christlichen Abtötung – 1 / 9

Désiré-Félicien-François-Joseph Kardinal Mercier, im weiteren Verlauf einfach: Kardinal Mercier, wurde am 21. November 1851 auf Château du Castegier bei Braine-l’Alleud, Brabant (Belgien) geboren. Er studierte Philosophie und Theologie in Mecheln und Leuven, sowie Psychiatrie in Paris. Am 4. April 1874 wurde er zum Priester geweiht. Mercier war Philosophieprofessor am Priesterseminar in Mecheln. Ab 1882 war er, der sich als Vertreter der Neuscholastik, mit der neuzeitlichen Philosophie und der empirischen Wissenschaft auseinandersetzte, erster Inhaber des neu errichteten thomistischen Lehrstuhls an der Universität Leuven. Am 25. März 1906 empfing Mercier die Bischofsweihe und wurde Erzbischof von Mecheln. Seine Erhebung zum Kardinal erfolgte am 15. April 1907. Im I. Weltkrieg zeigte er sich als mutiger Vertreter seines Volkes gegenüber der deutsche Besatzung. Am 23. Januar 1926 verstarb Kardinal Mercier, der Primas von Belgien, 74-jährig in Brüssel. Seine Grabstätte befindet sich in der St.-Romualds-Kathedrale in Mecheln.


Kardinal Mercier war ein gescheiter und mutiger Hirte und ein Mann der Kirche. Auch für sein belgisches Volk setzte er sich ein, vor allem in der Zeit des 1. Weltkrieges. Zwischen 1921 und 1925 führte er Gespräche mit den Anglikanern „ökumenische“ Gespräche, die als „Mechelner Gespräche“ in die Kirchengeschichte eingegangen sind. Sie Teilnehmer hatten nie die Absicht, eine „gemeinsame Organisation“ [Jörg Ernesti] zu gründen.

Kardinal Mercier auch war ein großer Marienverehrer, ein marianischer Bischof. ER setzte sich für ein „Dogma zur allgemeinen Gnadenmittlerschaft Mariens“ ein. Im Jahre 1921 erlangte er von Papst Benedikt XV. die fakultative Einführung des Offiziums und der Messe von Maria als „Mittlerin aller Gnaden“. (Manfred Hauke)

In einem Hirtenbrief aus dem Jahre 1953 betonte der Bischof von Campos (Brasilien) Antonio de Castro Mayer, die Glaubensstärke und den Mut von Kardinal Mercier. Er stellte fest, dass dieser immer wieder den katholischen Glauben verteidigte und sich den Modernisten und deren heftigen Angriffe mutig entgegenstellte. Er sagte, indem er sowohl Mercier wie Papst Pius X. lobend erwähnt:
„Wir können es beurteilen, wie schmerzvoll dem sanftmütigen Pontifex [Pius X.] die Anwendung solcher Energie [Enzyklika Pascendi gegen den Modernismus] sein musste. Aber seine Zeitgenossen verfehlten nicht, den ausgezeichneten Dienst anzuerkennen, den er so der Kirche leistete. In dieser Hinsicht bestätigte der große Kardinal Mercier, dass wenn zur Zeit Luthers und Calvins die Kirche Päpste gehabt hätte vom Charakter eines Pius X. es zweifelhaft wäre, ob es der protestantischen Häresie gelungen wäre, von der wahren Kirche einen Drittel Europas abzutrennen. Aus all diesen Gründen, vielgeliebte Söhne, seht ihr, wie wichtig es ist, mit größtem Eifer über die Bewahrung der Kinder der Heiligen Kirche in der Fülle des Glaubens und des Glaubensgeistes zu wachen.“

(Wird fortgesetzt)

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Sieben Schmerzen Mariens – 15. September

Die sieben Schmerzen Mariens sind:

die Weissagung des Simeon,
die Flucht nach Ägypten,
die Sorge um Jesus im Tempel,
die Begegnung auf dem Kreuzwege,
Jesu Sterben,
die Abnahme vom Kreuz
und die Grablegung Jesu.

Sieben Schmerzen Mariens – San Stefano Rotondo, Rom

„O Maria, wie grenzenlos war deine Betrübnis, als man den Leichnam deines Sohnes vom Kreuze herab in deinen Schoß legte. Um dieser schmerzlichen Heimsuchung willen bitten wir dich: erbarme dich aller, die ihre Not zu deinem Mutterherzen tragen; stehe besonders jenen bei, die in Gefahr sind, an Gott und seiner Vorsehung irre zu werden; entreiße sie um deiner Schmerzen willen der drohenden Verzweiflung, lass sie den Frieden des Herzens wieder finden und erkennen, dass Gott uns nicht über unsere Kräfte heimsucht.“

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Kreuzerhöhung – 14. September

Im Kreuz,
in diesem gefährlichen Zeichen,
verehren wir den Sieg
des Gekreuzigten
über die Sünde,
über den Tod.
Jesus Christus ist am Kreuz gestorben.
Folgen wir Ihm!

Kreuzgang Essen-Werden

O du hochheilig Kreuze,
daran mein Herr gehangen
in Schmerz und Todesbangen.

Allda mit Speer und Nägeln
die Glieder sind durchbrochen,
Händ, Füß uns Seit durchstochen.

Wer kann genug dich loben,
da du all Gut umschlossen,
das je uns zugeflossen.

Du bist die sichere Leiter,
darauf man steigt zum Leben,
das Gott will ewig geben.

Du bist die starke Brücke,
darüber alle Frommen
wohl in den Himmel kommen.

Du bist das Siegeszeichen,
davor der Feind erschricket,
wenn er es nur anblicket.

Du bist der Stab der Pilger,
daran wir sicher Wallen,
nicht wanken und nicht fallen.

Du bist des Himmels Schlüssel,
du schließest auf das Leben,
das uns durch dich gegeben.

Zeig deine Kraft und Stärke,
beschütz uns alle zusammen
durch deinen heiligen Namen,

damit wir Gottes Kinder,
in Frieden mögen sterben
als deines Reiches Erben.

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Der karolingische Stuttgarter Bilderpsalter um 830 – Buchempfehlung

Der sich heute in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart befindende sogenannte Stuttgarter Psalter entstand nicht in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. Vielmehr ist diese karolingische Bilderhandschrift zwischen 820 und 830 durch Mönche der nahe bei Paris gelegenen Abtei Saint-Germain-des-Pres entstanden. Von Karl Eugen (1728-1793), dem zwölften Herzog von Württemberg veranlasst, kam das Manuskript nach Stuttgart, wo es den heute gebräuchlichen Namen Stuttgarter Psalter erhielt.

Das auch im Internet einsehbare Manuskript besticht mit seinen 168 Blättern, auf denen 316 farbige Bilder zu sehen sind. Diese Bilder (Miniaturen) begleiten und schmücken die Texte der 150 Psalmen und weisen auf deren theologische Bedeutung hin. Zwar stand den Mönchen des 9. Jahrhunderts bei der Abschrift des Manuskripts die getreue Textüberlieferung aus der Vulgata im Vordergrund, doch dieses Gebetbuch – nichts anderes hatten die Mönche herzustellen im Sinn – wurde von ihnen zusätzlich mit Miniaturen ausgestattet, die in ihren farbenfrohen Darstellungen noch heute äußerst ausdrucksstark anzusehen sind.

Dr. Mechthild Clauss beschäftigte sich viele Jahre mit dem Stuttgarter Psalter, der es ihr sehr angetan hatte. Im Jahre 2018 konnte sie im EOS-Verlag St. Ottilien die Frucht ihrer Arbeit vorlegen. In dem über 300 Seiten starken, in bester Ausstattung herausgegebenen Buch, will Clauss „die reiche Bilderwelt des Stuttgarter Psalters in ihrer Tiefe erfassen“ und ihre Leserschar „mit den geistigen Voraussetzungen vertraut machen, aus denen diese Bilderwelt erwachsen ist“.

Es war der Autorin nicht möglich, alle 316 farbigen Bilder des Stuttgarter Psalters zu bearbeiten; 48 von ihnen beinhaltet das vorliegende Buch. Dieses ist, neben einem umfangreichen Anhang, in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden Fragen der Darstellung behandelt (etwa anhand von Texten aus den beiden Testamenten und vom hl. Augustinus) sowie die geistigen Voraussetzungen, welche die Bilderwelt prägen (Schriftsinn, Symbole). Im zweiten Teil werden die konkreten Psalmen betrachtet, wobei es um die Verknüpfung der Psalmtexte mit den dazugehörigen Bildern geht.

Zwar gehen die Psalmen des Manuskriptes der Abtei Saint-Germain-des-Pres auf die Septuaginta zurück, mit der entsprechenden Zählweise. Unsere Autorin des vorliegenden Buches bedient sich jedoch der Einheitsübersetzung (mit den Kommentaren der Neuen Jerusalemer Bibel), was sie selbst als Kompromiss ansieht.

„Umfassend ist die Leistung der biblischen Schriftsinne: durch das zeichenhafte Sprechen umspannen sie in einem einzigen Wort die gesamte Weltenzeit von der Schöpfung bis zu ihrer Vollendung. – Entscheidend ist, dass der Mensch die Zeichen lesen lernt.“

(zuerst erschienen UVK 2019, S. 319f)

 

Mechthild Clauss
Illustration als Textauslegung:
Der karolingische Stuttgarter Bilderpsalter um 830.
Sankt Ottilien: EOS Verlag, 2018
312 Seiten; 39,95 Euro
ISBN 978-3830679240

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Vierzigtägiger Kreuzzug vom 17. September bis 26. Oktober 2019

Kardinal Raymond Leo Burke und Bischof Athanasius Schneider haben heute, am Fest des Heiligsten Namen Mariens, um 12 Uhr zu einem vierzigtägigen Kreuzzug des Gebets und Fastens aufgerufen, der am 17. September beginnen und am 26. Oktober 2019 enden wird, nämlich einen Tag vor dem Ende der Sonderversammlung der Amazonas-Synode.

Zitat:

Während des vierzigtägigen Kreuzzugs des Gebets und Fastens schlagen wir vor, täglich mindestens ein Gesätz des Heiligen Rosenkranzes zu beten und einmal pro Woche für die oben genannten Anliegen zu fasten. Nach der Tradition der Kirche besteht das Fasten darin, nur eine volle Mahlzeit am Tag zu essen; zusätzlich kann man bis zu zwei kleinere Mahlzeiten essen. Das Fasten mit Brot und Wasser wird zudem Personen empfohlen, die dazu in der Lage sind.

Die Schlußfolgerung der beiden Hirten der Kirche im Wortlaut:

Die theologischen Irrtümer und Häresien, die implizit und explizit im Instrumentum Laboris der bevorstehenden Sonderversammlung der Amazonas-Synode enthalten sind, legen ein alarmierendes Zeugnis ab für die Verwirrung, den Irrtum und die Gespaltenheit in der Kirche unserer Tage. Niemand darf sich der Pflicht entledigen, sich über die bedenkliche Lage zu informieren und angemessene Schritte zu unternehmen aus Liebe zu Christus, der uns und die Kirche mit Seinem Leben erfüllt. Vor allem müssen die Glieder Seines mystischen Leibes angesichts einer solchen Bedrohung seiner Unversehrtheit für das ewige Heil ihrer Glieder beten, sind sie doch in Gefahr, Anstoß zu nehmen, das heißt durch diesen für die Bischofssynode bestimmten Text in Verwirrung, Irrtum und Spaltung geführt zu werden. Zudem ist jeder Katholik als wahrer Soldat Christi aufgerufen, die Glaubenswahrheiten zu verteidigen und zu verbreiten, sowie die Disziplin hochzuhalten, durch welche jenen Wahrheiten in der Praxis in Ehren gehaltern werden, damit die feierliche Versammlung der Bischöfe den Auftrag ihrer Synode nicht verraten:
„… dem Papst bei Bewahrung und Wachstum von Glaube und Sitte, bei Wahrung und Festigung der kirchlichen Disziplin mit ihrem Rat hilfreich beizustehen …“ (can. 342).
Am 13. Oktober 2019, während der kommenden Sonderversammlung der Amazonas-Synode, findet die Heiligsprechung des seligen John Henry Newman statt. Mögen der Heilige Vater und alle Mitglieder der Sonderversammlung der Amazonas-Synode die folgende leuchtende Lehre dieses jüngsten Heiligen der Kirche hören und annehmen! Darin warnte er vor theologischen Irrtümern, die den oben genannten Irrtümern im Instrumentum Laboris ähnlich sind:
Private Glaubensbekenntnisse, ausgefallene Religionen können auffällig und imposant für die vielen zu ihrer Zeit sein; nationale Religionen können riesig und leblos sein und den Boden für Jahrhunderte belasten und die Aufmerksamkeit ablenken oder das Urteil der Gelehrten verwirren; aber auf lange Sicht wird sich herausstellen, dass entweder die katholische Religion wahrhaftig und tatsächlich das Eintreten der unsichtbaren Welt in diese ist, oder dass es in keiner unserer Vorstellungen davon, woher wir kommen und wohin wir gehen, etwas Positives, nichts Dogmatisches, nichts Reales gibt“ (Vorträge für gemischte Kongregationen, XIII).

Niemals brauchte die Heilige Kirche Kämpfer gegen den [Geist des Liberalismus in der Religion] so sehr wie jetzt, da er die ganze Erde wie eine Schlinge umspannt; … Der Liberalismus in der Religion ist die Lehre, dass es keine positive Wahrheit in der Religion gibt, sondern dass ein Glaube so gut ist wie das andere, und diese Lehre nimmt täglich an Substanz und Kraft zu. Er steht im Widerspruch zu jeglicher Anerkennung einer Religion als der wahren Religion. Er lehrt, dass alle zu tolerieren sind, denn alle sind Ansichtssache. Die offenbarte Religion ist keine Wahrheit, sondern ein Gefühl und ein Geschmack; keine objektive Tatsache; nicht übernatürlich; und es ist das Recht jedes Einzelnen, sie genau das sagen zu lassen, was ihm gefällt. Andacht basiert nicht unbedingt auf dem Glauben. Die Menschen können in protestantische Kirchen und in die katholische Kirche gehen, von beiden Gutes bekommen und keiner angehören. Sie können sich in geistlichen Gedanken und Gefühlen miteinander verbrüdern, ohne auch nur über einzige Lehraussage die gleiche Ansicht zu teilen oder deren Notwendigkeit zu erkennen“ (Biglietto Speech, 12. Mai 1879).

Möge Gott, auf die Fürbitte der vielen wahrhaft katholischen Missionare, die die indigenen amerikanischen Völker evangelisiert haben, darunter der heilige Turibius von Mogrovejo und der heilige Jose von Anchieta, und auf die Fürbitte der Heiligen, die die indigenen amerikanischen Völker der Kirche gegeben hat, darunter der heilige Juan Diego und die heilige Kateri Tekakwitha, und besonders auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria, der Königin des Heiligen Rosenkranzes, die alle Häresie besiegt, gewähren, dass die Mitglieder der kommenden Sonderversammlung der Amazonas-Synode und der Heilige Vater vor der Gefahr bewahrt werden, Irrtümer und Unklarheiten zu billigen und das apostolische Gebot des priesterlichen Zölibats zu untergraben.

Siehe kathnet

KREUZZUG DES GEBETS UND DES FASTENS

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Rosenkranz beten!

Auch wenn wir vielleicht alle den Rosenkranz mehr oder weniger schätzen und praktizieren, so bedarf es von Zeit zu Zeit einer Revision: Die Überzeugung muss gestärkt werden, dieses Gebet wieder bewusster, eifriger, mit mehr Glauben und vielleicht auch öfter zu verrichten.

Hier ein paar Auszüge aus der Enzyklika Ingruentium Malorum von Papst Pius XII, der diese am 15. September 1951 im Hinblick auf den bevorstehenden Rosenkranzmonat veröffentlichte. – Sie erscheint heute aktueller denn je!

Der Rosenkranz, das Heilmittel für die Nöte der Zeit

Aufs neue also und mit Nachdruck bekennen Wir unbedenklich, dass Wir Unsere große Hoffnung auf den marianischen Rosenkranz setzen, um Heilung für die Nöte unserer Zeit zu erlangen; denn die Kirche stützt sich nicht auf Gewalt und Waffen, auch nicht auf menschliche Hilfsquellen, sondern allein auf die Hilfe von oben, wie sie gerade durch solche Gebete gewonnen wird; die Kirche gleicht hierin David, der nur mit einer Schleuder ausgerüstet war, und so geht sie unerschrocken gegen den höllischen Feind zum Angriff über, dem sie die Worte des Hirtenknaben entgegenrufen kann: „Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Schild; ich aber komme zu dir im Namen des Herrn der Heerscharen…; und all dies Volk hier soll erkennen, dass nicht durch Schwert und Lanze der Herr die Rettung bringt“ (1 Kön 17,44.49).

… Wenn das Böse und die Kraftanstrengungen der Bösen immer weiter anwachsen, so soll in gleicher Weise von Tag zu Tag mehr auch der fromme Sinn aller Guten erstarken und seine Kraft entfalten! Ihr Streben soll darauf gerichtet sein, von unserer liebreichsten Mutter gerade durch das ihr sicherlich so liebe Rosenkranzgebet zu erflehen, dass für die Kirche und die menschliche Gesellschaft möglichst bald wieder bessere Zeiten anbrechen!

Unser aller Gebet aber soll dahin gehen, es möge die mächtige Gottesmutter bestürmt von den Bitten ihrer vielen Kinder, von ihrem eingeborenen Sohne die Gnade erwirken, dass diejenigen, die unglückseligerweise vom Wege der Wahrheit und der Tugend abgeirrt sind, in sich gehen und wieder zurückfinden; dass hasserfüllte Feindseligkeiten, diese wirklichen Quellen aller Zwietracht und aller Art von Elend, glücklich beigelegt werden; dass ferner der Friede, der wahre, gerechte und aufrichtige Friede, über jedem einzelnen und über den häuslichen Gemeinschaften, den Völkern und Nationen glückverheißend aufleuchte.

Weiter ruft der Papst zum Gebet für die Kirche auf und beklagt sich über ein besonderes Verbrechen: den verruchten Ansturm auf die Unschuld der Jugend. Was würde er heute schreiben!

Der Papst ermutigt die Kirche, sich nicht von den schlimmen Zeitverhältnissen entmutigen zu lassen, sondern – so wie es die Gläubigen auch in der Vergangenheit in besonderen Nöten stets taten – mit umso größerem Vertrauen zur Rosenkranzkönigin Zuflucht zu nehmen.

Vielleicht denken Sie: „Ich bete ja schon so lange den Rosenkranz und werde nicht erhört!“ Möglicherweise beten wir ihn manchmal zu wenig bewusst, mehr aus Routine und um unsere Pflicht zu erfüllen. Vielleicht begehen wir die zwei größten Fehler (nach dem hl. Ludwig Maria) und beten den Rosenkranz zu schnell und ohne eine Intention. Der Rosenkranz ist nach dem Zeugnis vieler Heiligen unsere Waffe. Wenn wir jedoch nicht bewusst und mit einer gezielten Intention, also wirklich mit dem Herzen beten, gleichen wir einem Ritter, der mit seinem Schwert nur Luftstreiche ausübt, und sich dann beklagt, dass der Feind ungeschlagen ist.

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„Gebt mir eine Armee von Rosenkranzbetern und ich werde die Welt bezwingen“,
sagte der selige Papst Pius IX.
Wenn diese Armee immer kleiner wird, müssen die Übriggebliebenen umso eifriger beten und mehr beten, um die drohende Niederlage abzuwenden.

Werden wir in der MI – Militia Immaculata
immer mehr zu dieser Armee,
welche oft, herzhaft und mit Vertrauen
zu den Waffen greift!
Heilige Rosenkranzkönigin, bitte für uns!

https://militia-immaculatae.info/de/

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