actio spes unica

Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) löste eine grundlegende Neuorientierung der römisch-katholischen Kirche aus: In der Absicht, sich zur Welt zu öffnen, wurde das jahrhundertelange Selbstverständnis aufgegeben, Hüterin und Verkünderin der einzigen und ewigen Wahrheit zu sein. Stattdessen betrachtet sich die Kirche seitdem nur noch als einen Beitrag im Dialog mit anderen Kulturen und Religionen, mit dem Ziel, den Fortschritt der Menschheit zu einer besseren und friedlichen Welt unterstützen und mitgestalten zu können. – Dieser progressistischen Revolution leistet die actio spes unica Widerstand und bemüht sich, der anhaltenden Auflösung des katholischen Glaubens entgegenzuwirken. …

Der heute tief im Denken der Menschen verwurzelte Liberalismus propagiert eine freigeistige Weltauffassung, die jegliche „Bevormundung“ des Individuums ablehnt. Im Prinzip des „Geltenlassens“ wird jedwede philosophische oder theologische Ansicht als gleichberechtigter Bestandteil einer Gesamtwahrheit geduldet – solange sie das eine Dogma des Liberalismus nicht infrage stellt: Es darf nicht der Anspruch erhoben werden, verbindlich für die Allgemeinheit sprechen zu wollen – da dies die „Freiheit“ der Anderen durch Vorschriften einengen könnte.

Unter diesem liberalen Mantel präsentiert sich dem Einzelnen eine schillernde Vielfalt gleichberechtigt nebeneinander stehender Weltanschauungen – eine allgemeine Unverbindlichkeit ohne feste Werte, der er orientierungslos ausgeliefert ist.

„Denn wenn ich dem Einzelnen sage: ‚Du hast dich überhaupt an keine vorgegebene Autorität zu binden, sondern du bist allein imstande kritisch vorzugehen‘, dann versetze ich den Einzelnen in die Zwangslage, sich einer Herde anzuschließen. Sage mal einem, er sei völlig befreit, jeder autoritäre Anspruch sei ein Anspruch der Unterdrückung, deshalb müsse er sich von allem Vorgegebenen und auch von aller Tradition lösen. Was macht er? – Er zappelt in der Luft. Er wird ins Nichts hineingehalten. Also kreischt und schreit er flennend nach rechts und links, vorne und hinten, er braucht also die Herde.
Wenn ich einen Menschen unterdrücken will, brauche ich ihm nur zu sagen, er sei vollkommen frei. Dann habe ich ihn schon in meinen Fängen. Das ist die teuflische Unternehmung im Zeichen der ‚Theologie der Befreiung‘.“

Pfarrer Hans Milch: Ansprache gegen den kollektiven Menschheitsfortschritt (1979)

Das Reduzieren der Welt auf die nackten Tatsachen

Dieser Hilflosigkeit begegnen die meisten Menschen, indem sie die Beschäftigung mit den wesentlichen Fragen des Lebens meiden. Sie betrachten alles, was nicht sichtbar oder meßbar ist, als nicht vorhanden und halten ihre Existenz und die Welt, in der sie leben, für das Ergebnis einer Reihe von Zufällen.

„Wer von unten denkt, der sieht nur die berühmten ’nackten Tatsachen‘. Die meisten Menschen, die Wissenschaftler unserer Tage, gehen von dem Dogma aus: ‚Es ist halt da‘. Was es ist, warum es ist, was es bedeutet, was es aussagt, darüber wissen sie nichts und wollen sie vor allem nichts wissen. Sie meinen zu wissen, wo sie doch nichts wissen. Und sie wissen nichts, weil sie nicht wissen, daß sie nichts wissen.“

Pfarrer Hans Milch: Predigt zum 9. Sonntag nach Pfingsten 1986

Vor ihrer auf diese Weise selbstgeschaffenen Nichtigkeit fliehen die modernen Menschen zu Ersatzgöttern wie Geld, Freizeitvergnügen, Sport oder Gesundheitswahn.

Bei der Ablenkung von den eigentlichen Dingen sind ihnen die von Meinungsmachern gesteuerten Massenmedien, insbesondere das Fernsehen, nur zu gerne behilflich. Sie gaukeln nicht nur die Illusion einer Welt vor, die alle ihre Probleme aus eigener Kraft überwinden kann und auf dem Weg in eine bessere Zukunft ist. Sie bilden auch im zunehmenden Maße die „öffentliche Meinung“, die vorgibt, welche Weltanschauungen, Handlungsweisen oder Standpunkte gutzuheißen, welche kritisch zu hinterfragen und welche zu verurteilen sind.

Der Einzelne wird so zu einem Konsumenten, der nicht mehr selbständig denkt, sondern „gedacht wird“.

„Jeder hat heutzutage über alles Ansichten: Über Politik, Weltanschauung, über Religion, Biologie, Kirche, Wirtschaft, Kultur, Musik, Dichtung, Theater – jeder hat über alles seine ‚Meinung‘. Der Hitler hat das mit Uniformen gemacht, mit Litzen und mit Rangabzeichen, damit hat er das Selbstbewußtsein derer gestärkt, die keins haben – und so wird heute das Selbstbewußtsein der Leute dadurch gestärkt, daß man ihnen die Möglichkeit gibt, Ansichten zu äußern. Die sind natürlich auch danach; aber die Leute merken gar nicht, daß ihnen diese Ansichten schon vorher eingetrichtert worden sind – indem sie nämlich vor der Mattscheibe verblöden, lassen sie laufend manipulierte Ansichten in sich hineinrieseln. Sie reagieren darauf, indem sie sich diese Ansichten zu eigen machen – mit Stentorstimme.“

Pfarrer Hans Milch: Vom Tribunal des Geistes aus (1985)

Quelle: actio spes unicahttps://www.spes-unica.de/

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