Die Braut des Priesters: das Brevier!

Früher nannten Priester ihr Brevier noch zuweilen: „meine Braut“. Damit sollte wohl gesagt sein, dass sie das Stundenbuch überallhin mitnahmen – wie heute das Handy. Selbstverständlich: Es geht nicht um das Buch als Gegenstand, sondern um die Vertrautheit mit dem Wort Gottes, das nicht nur gelesen, sondern durchbetet, ja wie von den Propheten „gegessen“ werden soll.

(Marianne Schlosser: Überlegungen zum priesterlichen Zölibat, Tagespost 14.10.2019)

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Ein Kommentar zu „Die Braut des Priesters: das Brevier!

  1. Erinnert an das Gewehr als „Braut des Soldaten“. Da in früheren Zeiten von dessen Funktionsfähigkeit buchstäblich sein Leben abhing, galt es, das Gewehr zu pflegen, sauber zu halten, vertraut damit zu sein. Bei Ladehemmung u. ä. mußte er im Gefecht imstande sein, es in schnellster Zeit und notfalls im Stockdunkeln auseinander zu nehmen und wieder zusammenzubauen, um wieder schußfähig zu sein.

    Ähnlich beim lateinischen Brevier: immer „am Mann“, um die jeweilige Tageshore möglichst zeitnah beten zu können. Immer eingeschliffener wird der Umgang, immer mehr Teile können irgendwann auswendig rezitiert werden. Der Aufbau des Breviergebets mit den am konkreten Tag zu absolvierenden Gebeten aus dem Proprium de Tempore, dem Psalter, dem Proprium Sanctorum und dem Commune Sanctorum muß verstanden und geübt werden, bis alles reibungslos klappt.

    Es schult die Selbstdisziplin, sich dem Ablauf der Brevierzeiten anzupassen und dem Gebet dem Vorrang vor eigenem Aktionismus zu geben. Mag sein, daß dieser Aspekt zur flächendeckenden, ja geradezu euphorischen Annahme des im Umfang deutlich reduzierten und wegen der Landessprache bequemer zu lesenden deutschsprachigen Stundenbuchs durch den Klerus beigetragen hat…

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