Es geht nicht um Amazonas – es geht ums Ganze

Siehe kath.net am 17. Oktober 2019 – http://kath.net/news/69474

Walter Kardinal Brandmüller:

Die Verfasser des „Instrumentum laboris“ ignorieren das II. Vatikanische Konzil und – wie erwähnt – die gesamten das Konzil interpretierenden Dokumente des nachkonziliaren Lehramts. Das aber bedeutet – wie erwähnt – einen Bruch mit der dogmatisch verbindlichen Überlieferung. Eigentlich auch mit der Universalität der Kirche. Der Umstand, dass dieser Bruch gewissermaßen „unter der Hand“, d. h. versteckt, heimlich ins Werk gesetzt wird, ist umso bestürzender. Die hier praktizierte Methode folgt allerdings dem Vorbild von „Amoris laetitia“, wo der Versuch, die Lehre der Kirche auszuhebeln, in der – mittlerweile viel diskutierten – Fußnote 351 enthalten ist.

Im Rückblick auf das Gesagte mag klar geworden sein, dass es bei den Auseinandersetzungen um die Amazonas-Synode nur sehr vordergründig um die zahlenmäßig geringe indigene Bevölkerung des Amazonas geht.

Vielmehr drängt sich die beängstigende Frage auf, ob es den Protagonisten dieser Synode nicht vielmehr um den Versuch geht, die Religion als Antwort des Menschen auf den Anruf seines Schöpfers klammheimlich durch eine pantheistische Naturreligion des Menschen zu ersetzen – eine neue Variante des Modernismus vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Es fällt schwer, dabei nicht an die eschatologischen Texte des Neuen Testaments zu denken!

Nun liegt es an den zur Amazonas-Synode versammelten Bischöfen – und schließlich an Papst Franziskus –, ob ein solcher Bruch mit der für die Kirche konstitutiven Überlieferung ungeachtet der unausweichlichen, dramatischen Folgen geschehen kann.

Quelle – http://kath.net/news/69474

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Ein Kommentar zu „Es geht nicht um Amazonas – es geht ums Ganze

  1. „Die Verfasser des „Instrumentum laboris“ ignorieren das II. Vatikanische Konzil (…)“

    Wirklich? Ist nicht die Oktobersynode (als eine Art „informelles 3. Vatikanum“) die denklogische Weiterentwicklung des 2. Vatikanums? Nachdem man nach „dem Konzil“ unter dem Begriff des Gottesvolkes auch Schismatiker und Häretiker einbezogen hat, wird nun umgesetzt, was der Konzilsdenker P. Karl Rahner SJ mit seiner Formulierung „anonyme Christen“ vor 50 Jahren vorweg nahm: Der Mensch ist anonymer Christ, bereits weil er als Mensch auf Gott bezogen und damit bereits erlöst ist. Und wenn der Mensch bereits erlöst ist und mit absoluter Sicherheit nach dem Tode zu Gott eingeht, kommt es auf Glaube, Gebote, Sakramente oder Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche nicht mehr an – ist doch der Mensch bereits erlöst, weil er Mensch ist, sei er Moslem, Christ, Agnostiker – oder eben Amazonas-Schamane. Die Folge sind nun eben Schamanen, die im Vatikan offen pagane Zeremonien und Beschwörungen durchführen – mit der Billigung der katholischen Hierarchie.

    Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Heidnische Zeremonien im Beisein des Pontifex sind beileibe keine neue Erfindung des gegenwärtigen Amtsinhabers. Wer die letzten Jahrzehnte nicht in einer Kühlkammer eingefroren war und gestern erst rauskam, wird sich kaum „die beängstigende Frage“ stellen, ob „eine pantheistische Naturreligion des Menschen“ geschaffen werden soll. Bereits 1986 forderte Papst Johannes Paul II. in Assisi alle Religionsvertreter auf, zu ihren heidnischen Gottheiten zu beten, forderte doch die Konzilserklärung „Nostra Aetate“, „Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet“, mit „aufrichtigem Ernst“ zu betrachten. Jedem Götzenkult wurde 1986 eine Kirche (!) zugewiesen, damit in dieser heidnische Zeremonien vollzogen werden konnten, denn laut Erklärung „lehnt sie [die Kirche] nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist“.

    Erscheint nicht das schamanische Ritual vor dem Papst als logische Weiterentwicklung dieses Assisi-Gedankengutes? Eine „neue Variante des Modernismus vom Anfang des 20. Jahrhunderts“? Vielleicht für Konzilskonservative, welche die Augen immer fester zusammenpressen müssen, damit sie das Offenkundige weiter ignorieren können. Alle anderen, von Progressisten bis den Katholiken der Tradition, wissen, dass das zweite Vatikanum der Durchbruch bisher unterirdisch verborgener modernistischer Strömungen an die Oberfläche war. Der von Konzilskonservativen wortreich bejammerte „Bruch mit der kirchlichen Überlieferung“ ist seit über 50 Jahren bereits Realität – von Progressisten bejubelt, von Traditionsorientierten erlitten.

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