Amazonas-Synode und Papst Evaristus – 26. Oktober

Die „Amazonas-Synode“ geht zu Ende. Die Kirche feiert heute in der traditionellen liturgischen Überlieferung das Fest des Papstes Evaristus. Er war von ca. 97-105 der fünfte Bischof von Rom, und ging als Nachfolger von Papst Clemens I., als der fünfte Papst in die Kirchengeschichte ein.

Heute noch könnte einem die Galle überlaufen, wenn man daran denkt, mit welchen Verleumdungen und üblen Nachreden die ersten Christen überschüttet wurden. Abtrünnige und Ungläubige wurden sie von den Heiden genannt. Man warf ihnen vor, dass sie beim Gottesdienst Kinder töteten, ihr Fleisch aßen und das Blut tranken. Die neue Religion sei ein staatsgefährdender Aberglaube. Zauberer seien die Christen, Feinde der Götter, des Kaisers, der Gesetze und der guten Sitten. Regnete es längere Zeit einmal nicht, so waren die Christen daran schuld, und regnete es ein anderes Mal zu lange, so waren sie es wieder, die das Unheil veranlasst hatten. Kurzum, man ließ kein gutes Haar an den Christgläubigen, sie waren der Kinderschreck und das heimliche Grauen aller ängstlichen Gemüter, und dass man ihnen auch noch in die Schuhe schob, sie predigten und verbreiteten den Hass, setzt allen Gräuelmärchen herrlich die Krone auf. Trotzdem nahm die Zahl der Gläubigen von Tag zu Tag zu.

(Quelle)


Viel ist über Papst Evaristus nicht bekannt. Er soll Rom in sieben Pfarreien aufgeteilt haben. Jede Pfarrei bekam einen eigen Priester, damit er den Christen die heiligen Sakramente spende. Wahrscheinlich geht auf den heiligen Papst Evaristus auch die Vorschrift zurück, dass die Ehe zwischen Mann und Frau vor Zeugen und vor einem Priester gespendet wird.

Unter Kaiser Trajan erlitt Papst Evarist bei der dritten römischen Christenverfolgung den Martertod. Für Christus den König Christus gab er sein Leben und wurde in der Nähe des Petrusgrabes auf dem Hügel des Vatikan beigesetzt. – Seine Grabstätte befindet sich heute in den Vatikanische Grotten unterhalb der Peterskirche.

Nach Klemens folgte Evaristus. Die Zeitdauer seiner Regierung läßt sich nicht genau bestimmen. Immerhin hatte er einige Jahre den Stuhl Petri während der Herrschaft des römischen Kaisers Trajan inne. Trajan war sonst ein guter Herrscher, aber für den Götzendienst, auf dem, wie er meinte, das Wohl des Staates ruhe, eingenommen. Daher ließ er die Christen, weil sie die römischen Staats-Gottheiten nicht anbeten und ehren wollten, verfolgen. So kam es, daß unter ihm die dritte große Christenverfolgung ausbrach. Zahlreiche Christen wurden in allen Teilen des römischen Reiches das Opfer der heidnischen Grausamkeit. Besonders berühmt ist der Martertod des hl. Ignatius, Bischofs von Antiochien. Über denselben besitzen wir noch genauen Bericht, wie ihn die Begleiter des Heiligen aufgezeichnet haben. Ignatius war ein Apostelschüler und hatte den Herrn gesehen, ja er soll einer alten Legende zufolge jenes Knäblein gewesen sein, welches der Heiland in die Mitte der um den Vorrang streitenden Jünger gestellt hatte, mit dem Bedeuten, sie würden nicht in den Himmel eingehen, wenn sie nicht wie die Kinder werden. Großes Ansehen genoß dieser Bischof im ganzen Morgenland. Er hatte in Eifer und Treue seine Kirche nahezu vierzig Jahre regiert und war hochbetagt, als er unter Trajan zum Tode verurteilt wurde…

aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, 1. Band, 1907, 95-96.

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