Gabe der Tränen

In der Tradition der frühen Mönchsväter werden drei Tränenarten unterschieden. Es sind dies die Tränen der Zerknirschung, die Tränen des Mitleids und die Tränen der Andacht.

Johannes Klimakus unterscheidet, ob Tränen aus Reue, wegen Furcht oder aus Liebe geweint werden (vom Sinai oder die Himmelsleiter).

Reuetränen werden angesichts der eigenen Sündhaftigkeit vergossen.
Dabei wird unterschieden zwischen Tränen aus Reue und Tränen wegen Furcht oder aus Liebe.

„Seufer und Niedergeschlagenheit schreien zum Herrn,
Tränen aus Furcht vermitteln,
Tränen aus allerheiligster Liebe zeigen, dass unser Bittgebet erhört wurde.“
(Johannes Klimakus).

+

Der allmächtige Gott, der zugleich voll der Süßigkeit ist, ließ die Quelle des lebendigen Wassers für das ausgedürstete Volk hervorsprudeln. Die mit den Gütern der Welt gesättigt sind, können von ihr nicht trinken. Sie bietet sich nur denen dar, deren steinernes Herz durch die göttliche Zuchtrute erweicht worden ist. Ohne die Tränen der Zerknirschung kann das fleischerne Herz, das Gott von uns erwartet, in uns nicht geschaffen werden. Wer aber über seine Sünden Tränen vergießt, dem schenkt Gott Verzeihung; denn solche Tränen zu vergießen ist bereits die erste Gabe.

(Louis Bouyer, Vom Geist des Mönchtums, Otto Müller Verlag 1958, 227f)

+

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s