BEICHTEN – 1 / Wo soll man beichten?

Heutzutage müssen sich leider viele Katholiken diese Frage stellen. In der eigenen Pfarrei wird häufig keine Beichte angeboten, oder man möchte bei dem eigen Priester aus verschiedensten Gründen nicht beichten. Die Anzahl der Klöster, wo man beinahe zu jeder Zeit beichten konnte, wird immer geringer. Selbst an Wallfahrtsorten kann man erleben, dass nicht immer ein Beichtvater zur Verfügung steht.

Als es in der Kirche Dämmerlicht und Ruhe gab, stand man Schlange vor dem Beichtstuhl. Heute, obwohl „Beichtzimmer“ geschaffen wurden, gehen zwei Drittel der Katholiken nicht mehr beichten. Schuld ist die neue Religion der Selbstbestimmung, die im Gegensatz zur Psychoanalyse steht, die meint, der Mensch handle nicht frei. Wer hat Recht? Ein Grund für die ernste Krise des Sakraments ist die Aufgabe des Beichtstuhls mit dem Gitter. Es garantierte zwischen Beichtendem und Beichtvater die Diskretion, die wirklich wichtig ist. Es scheint, das Gitter habe der hl. Karl Borromäus erfunden. Wenn man diese Form oder diesen Ort für die Beichte vorzog, wird das einen Grund gehabt haben. Es ist vor allem ein Zeichen des Geheimnisses oder des Beichtsiegels, das jeden Priester im Gewissen streng verpflichtet, auch um den Preis des Lebens, wie es einigen Heiligen wie Johannes Nepomuk widerfahren ist. Der Beichtvater darf nichts von dem offenbaren, was er hört. Auch wenn es sich um einen Straftatbestand handelt, kann er es der Polizei nicht melden.

Bis zum Zweiten Vatikanum war der Beichtstuhl mit dem Gitter für die Beichte der Frauen empfohlen, während Männer und Jugendliche auch anders beichten konnten. In unseren Tagen wäre es angebracht, nicht nur für die Damen ein Gitter zu haben, sondern vor allem für die Kinder: Es stellt eine Barriere für die Sinne dar, daher gegen den Teufel. Außerdem hilft es, das Gesicht des Beichtvaters nicht zu sehen. Der Pönitent kann mit mehr Freiheit reden und der Beichtvater kann dann auch mit größerer Freiheit im Namen Gottes sprechen. Außer natürlich, Beichtvater und Pönitent sind so selbstbeherrscht, dass sie nicht beeinflusst werden. Es scheint, als habe P. Pio denen nicht ins Gesicht gesehen, die zu ihm beichten kamen. Die klassische Haltung des Beichtvaters war die, das Ohr an das Gitter zu halten, ohne zu schauen, oft mit geschlossenen Augen, zuzuhören und dann die Lossprechung zu geben.

Einfach den Beichtstuhl abgeschafft und Beichtzimmer geschaffen zu haben, war ein schwerer Fehler: viele beichten nicht, und zwar nicht nur alte Menschen, weil es kein Gitter mehr gibt und sie sich nicht wohlfühlen. Heute, wo man so sensibel mit der Privatsphäre umgeht, wäre es gut, den Beichtstuhl wieder zu verwenden.

Der Gebrauch der Beichtstühle durch den Priester ermutigt viele Menschen – man kann es in Basiliken und Wallfahrtskirchen sehen – , die zur Messe oder zum Gebet in die Kirche kommen, zur Beichte zu gehen. So ist es auch vom Bußritus vorgesehen (Nr. 13) und von Johannes Paul II. hervorgehoben. Natürlich wäre es besser, dafür einen geeigneteren Augenblick zu suchen, aber man kann Gott die Zeiten für den Ruf zur Umkehr nicht vorschreiben. Wenn die Bekehrung sehr vom Hören auf Gottes Wort abhängt, warum nicht während der Messe oder nach der Predigt beichten? Das ist sicher ein Punkt, über den nachgedacht werden muss.

Der Beichtstuhl führt zur inneren und äußeren Demut. Knien führt den Beichtenden zu einer Haltung der Nachgiebigkeit und Bekehrung; außerdem hilft er dem Beichtvater, für die Pönitenten Buße zu tun, wie es der hl. Pfarrer von Ars und der hl. Pio von Pietrelcina gemacht haben.

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Pater Pio – Sie kommen, um bei ihm zu beichten.

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