BEICHTEN – 2 / Warum soll man beichten?

Die klassische Frage: warum soll ich beichten?
Die klassischen Antwort: Ich habe niemanden umgebracht und keine Frau vergewaltigt.

Gott ist in Jesus Mensch geworden und möchte, dass die Sünde der Menschen durch Menschen vergeben wird, um ihnen die Möglichkeit zu geben, einander zu vergeben. Gerade der Mensch wird sichtbares Mittel der unsichtbaren Gnade, d.h., das Sakrament der Beichte wird dadurch zu einem Sakrament der Beichte, Buße und Versöhnung. Nach dem Kreuz, dem Tod und dem Abstieg in die Hölle, kehrt der Sohn am Abend des Ostertages, dem Tag Seiner Auferstehung, zu den Jüngern zurück. Er vergibt den Aposteln, die feige geflohen waren, aber Er geht noch weiter, indem Er ihnen die Schlüssel überreicht, zuallererst dem Petrus. Mit der Gabe des Heiligen Geistes übermittelt er Seiner Kirche die Macht, den Sündern Vergebung zu gewähren, indem er auf den Schatz der Barmherzigkeit zurückgreift, der mit der Auferstehung geöffnet wurde. Man könnte auch sagen, dass der Auferstandene die Vergebung des Vaters mit der Vergebung der Kirche verbindet und das Sakrament einsetzt (vgl. Mt 16,19; Joh 20,23). Daher hat es für einen Christen keinen Sinn zu sagen: Ich beichte direkt bei Gott. Der Herr „hört Beichte“ durch die Priester der Kirche, denen Er die Macht gegeben hat, in Seinem Namen zu vergeben.

Die Beichte ist nötig, weil trotz des neuen Lebens, das wir in Taufe und Eucharistie empfangen haben, die Schwäche unserer Natur und der Hang zum Bösen oder die Begierlichkeit nicht unterdrückt sind. Wir sind Sünder, d.h. wir denken und handeln dem Evangelium entgegengesetzt. Wer behauptet, ohne Sünde zu sein, ist ein Lügner oder er ist blind. Wir müssen mit Hilfe der Gnade um die Umkehr kämpfen und unser Augenmerk auf die Heiligkeit richten (vgl. KKK 1427). Die Buße ist eine arbeitsintensive Bekehrung. Die Kirche will den Menschen nach dem Fall, der auf die Taufe folgte, wieder zu Gott führen. Die Versöhnung mit Gott ist untrennbar mit der Versöhnung mit der Kirche verbunden (vgl. KKK 1445).

Die Kirche hat die Macht, die Sünden zu vergeben und die Verlorenen wieder heimzuführen, weil der Herr ihr diese Macht gegeben hat. Es ist eine Macht, die Gott allein eigen ist – nur Gott kann die Sünden vergeben – , wie die Schriftgelehrten in der berühmten Schriftstelle des Gelähmten anmerken (vgl. Mk 2,1-12; Mt 9,1-8). Es wäre eine Gotteslästerung gewesen zu denken, ein Mensch könnte die Sünden vergeben. Dieser Gedanke ist auch heute noch vorhanden, wenn man bei Straftaten hört: „Das kann man nicht vergeben“! Oft wird dann noch ergänzt, dass nur Gott die Sünden vergibt. Dies ist ein natürliches Denken des Menschen, und tatsächlich ist es so, dass das Vergeben keine angeborene Fähigkeit des Menschen ist. Um zu vergeben, braucht es eine außerordentliche Kraft, eine „übernatürliche“ Kraft, die Gott selbst mitgebracht hat, als er auf die Erde gekommen ist; daher sagt Jesus den Schriftgelehrten: „Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben“. Mit Jesus ist also eine Veränderung eingetreten.

Mit der Menschwerdung ist die Macht der Vergebung verbunden. Der hl. Bernhard hat dafür ein schönes Bild verwendet. Er schrieb, Gott Vater habe einen Sack voll von seiner Barmherzigkeit auf die Erde gesandt; während der Passion wurde dieser Sack in Stücke gerissen, so dass das Stück herauskommen konnte, das unser Lösegeld enthielt. Es sei ein kleiner Sack gewesen, aber ein voller, weil uns „ein Kind geboren ist“ (Jes 9,5), in dem jedoch die „ganze Fülle der Gottheit wohnt“ (Kol 2,9). Daher ist insbesondere das Sakrament der Vergebung mit der Menschwerdung Christi, der unsere Sünden auf sich genommen hat, verbunden. Nur aus diesem Grund kann die Kirche den Menschen wieder in die Gemeinschaft ihres Leibes führen – der auch der Leib Christi ist – , nachdem er sich aufgrund der Sünde entfernt und so die Kommuniongemeinschaft verloren hatte, was die tatsächliche Exkommunikation bedeutet. Diese Zurücktuhrung geschieht auf dem Weg der Buße. Jesus Christus ist der einzige, der uns vor Gott gerecht macht, oder besser gesagt: Gott selbst ist es, der uns gerecht macht. Das ist Gnade (vgl. 1446).

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Priester wendet sich aufmerksam dem Beichtling zu.

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