BEICHTEN – 4 / Der Empfänger des Sakraments-1

Auch nach der Taufe können die Glieder der Kirche wieder sündigen. Es handelt sich dabei nicht um eine Grundoption, sondern eher um einen „Unfall“, weil der Versuchung stattgegeben wurde. So wuchs das Bewusstsein in der Kirche, dass die Vergebung der Sünden nicht auf die Taufe allein beschränkt ist, auch wenn mit der Taufe alle Sünden – auch wenn ein Erwachsener getauft wird – getilgt sind.

Da man nicht völlig ausschließen kann, dass man nach der Taufe der Versuchung nachgibt, muss man den Sündern, die vom Kommunionempfang ausgeschlossen sind, entgegengehen. Sie müssen im Grunde den Weg, der sie zur Initiation, also zur Taufe und dann zur Eucharistie geführt hatte, noch einmal gehen. Dieses Mal gilt es, auf diesem Weg eine Strafe zu verbüssen, eine Buße zu tun (poenam tenere). Der Weg beginnt damit, dass man zugibt, ein Sünder zu sein, also einem Priester die eigenen Sünden bekennt. So wird auch klar, dass die Buße so wie die Taufe notwendigerweise mit der Eucharistie zusammenhängt. Das Bußsakrament schenkt die nötige Gnade neu, um zur Kommunion gehen zu können. Denn um die Kommunion empfangen zu können, ist es nötig, in der Gnade Gottes zu stehen. Man muss wissen und daran denken, wen man empfängt und die vorgeschriebene Nüchternheit aushalten.

Die Eucharistie setzt sowohl die Taufe als auch die wiederholte Beichte voraus. Der hl. Johannes Paul II. hat dies mit seiner Enzyklika Redemptor hominis besonders hervorgehoben. Er schreibt, der erste Ausdruck der Frohen Botschaft sei „Bekehret euch“ gewesen. Und das sei so zu verstehen: „Christus, der zum eucharistischen Mahl einlädt, ist stets derselbe Christus, der zur Buße ermahnt, der das »Bekehret euch« wiederholt“ (IV, 20). Heute gerät die Beichte in Vergessenheit, das eucharistische Brot wird nicht mehr von gewöhnlichem unterschieden, und so wird die Eucharistie des Herrn zerstört.“

Den Herrenleib zu erkennen ist eine Glaubenshaltung, die die Einheit sucht und nicht die Trennung. So ist die Behauptung mancher Theologen, die Beichte sei nicht mit der Eucharistie verbunden, nicht wahr, denn die Sünde bricht die Gemeinschaft mit dem Herrn und der Kirche. Um zur Kommunion, zur Gemeinschaft zurückzukommen, braucht es daher die Buße, eine „zweite Taufe“ oder – wie die Kirchenväter sagten – eine „mühevolle Taufe“. Das muss denjenigen in Erinnerung gerufen werden, die sagen, dass die Beichte vor dem Kommunionempfang nicht nötig ist. Außerdem bedeutet die Trennung der Buße von der Eucharistie, den Sinn letzterer nicht mehr zu verstehen, denn auch der Sinn der Eucharistie ist Versöhnung. Auch die Kinder, die zum ersten Mal zur Kommunion gehen, gingen vorher beichten.

Die frühe Kirche hat nach und nach den Rigorismus aufgegeben, der in dem Werk Der Hirte des Hermas beschrieben wird. In diesem Schreiben des zweiten Jahrhunderts wird die Beichte nur einmal im Leben für möglich gehalten. Schließlich führte das zu einer sektiererischen Gruppenbildung. Die auferlegten Bußen waren sehr streng und dauerten Jahre, weil viele die Versöhnung bis zum Lebensende aufschoben. Wenn dann der Tod plötzlich eintrat und man sich nicht mehr versöhnen konnte, blieb man auch noch vom ewigen Leben ausgeschlossen. Das älteste Zeugnis einer von Normen geregelten Bußdisziplin ist bei Tertullian zu finden, es handelt sich um die „zweite Buße“, weil sie nach der Taufe kommt, der ersten Buße. Das betraf die drei Sünden, die zum Tod führten – daher Kapitalsünden genannt wurden – Apostasie, Mord und Ehebruch. Diese Sünden mussten direkt beim Bischof persönlich gebeichtet werden.

Die Kirchenväter waren Moderatoren oder Verwalter der Buße. Sie regelten und spendeten sie im Verhältnis zur Schwere der Sünden und legten auch jahrelange Bußen auf. Erst nach der Buße wurde man wieder zur Eucharistie zugelassen. Die Eucharistie selbst wurde aber auch als Heilmittel gegen die lässlichen Sünden gesehen und als Speise für die lauen Christen, die ihr Leben ändern wollten. Der hl. Basilius erklärt, dass ein Sünder, der erkannte, eine bestimmte Sünde begangen zu haben, sei sie öffentlich oder geheim, und sich entschied, sie zu beichten, zum Bischof ging und sie bekannte. Die Theorie, die besagt, dass das Bekenntnis in den Anfangen öffentlich war, hängt damit zusammen, dass man es mit der Buße identifiziert hat. Die Buße konnte öffentlich sein, wie wir sehen werden, aber auch privat. Der griechische Ausdruck exomologesis (Beichte) bezeichnete den ganzen Weg der Buße: Wenn die begangene Sünde öffentlich war, vollzog der Sünder eine öffentliche Buße, und das konnten alle sehen. Doch das Bekenntnis als erster Schritt im Bußweg war geheim. Als Ambrosius dem Basileus Theodosius wegen des Massakers von Thessaloniki eine Buße auferlegte – sie war die Bedingung, um wieder in die Kirche kommen zu dürfen – wussten alle, welche Sünde er begangen hatte, und sie sprachen von öffentlicher Buße, also von einer sichtbaren Buße. Wenn die Sünde öffentlich war, war auch die Buße öffentlich.

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Beichtstuhl in der Natur

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