BEICHTEN – 5 / Der Empfänger des Sakraments-2

Im Orient gab es verschiedene Bußgrade. Zwei waren öffentlich: Erstens musste der Büßende an der Kirchentür jeden, der eintrat, um Gebete anflehen – der griechische Ausdruck schließt dabei das Weinen ein, ein Zeichen der Reue. Zweitens musste der Büßende sich während der Eucharistie niederwerfen. Diese beiden äußerlichen Zeichen, die auch über Jahre hinweg vollzogen werden mussten, zogen die Aufmerksamkeit der anderen auf sich und demütigten den Bußfertigen, der daraus einen geistlichen Gewinn ziehen konnte. Die beiden privaten Stufen bestanden in: Erstens sitzend am ersten Teil der Messe wie die Katechumenen teilzunehmen und dann wie sie aus der Kirche zu gehen; zweitens im Stehen am eucharistischen Gebet teilzunehmen wie die Gläubigen, ohne jedoch zur Kommunion gehen zu dürfen. Wenn das Sitzenbleiben die Büßenden mit den Katechumenen gleichstellte, so fiel dagegen der Unterschied zu den anderen Gläubigen nicht auf, wenn sie stehen durften. Die Kirche legte die private Buße im Fall einer geringeren Schwere der Schuld auf oder um gewisse persönliche Situationen zu schützen. Der hl. Basilius gab für Abtreibung zwanzig Jahre Buße auf, fünf für jede Stufe, d. h. sowohl eine öffentliche als auch eine private Buße.

Beginnend mit dem fünften Jahrhundert wurden die Getauften, die diesen Weg der Buße gehen wollten, am Anfang der Fastenzeit als Pönitenten eingeschrieben. In Rom legte der Papst ihnen die Hände auf und nachdem er gebetet hatte, bestätigte er die Versöhnung am Gründonnerstag. Die kanonische Buße ging im Westen nach und nach verloren, während sie im Orient auf dem Papier bestehen blieb. Das Konzil von Nicäa (325) legte im 13. Kanon des Disziplinardekrets fest, dass man die Eucharistie den Sterbenden als Wegzehrung nicht vorenthalten dürfe, auch wenn diese keine Möglichkeit zur Verrichtung einer Buße hätten, d.h. wenn sie krank wurden, bevor sie die Buße vervollständigt hatten. Der Kanon wurde aber nicht einheitlich angewendet.

In der Spätantike wurde das Bekenntnis der Sünden selbst schon als Buße angesehen. Man wertete die Demütigung, die man spürte, wenn man einem anderen Menschen die Sünden bekennen muss, auch wenn es ein Priester ist, schon als Buße. Diese Veränderung ist geistlichen Menschen, den Mönchen, zu verdanken. Clemens von Alexandrien und Origenes hielten den geistlichen Begleiter für einen Arzt, einen Therapeuten, einen Ratgeber, der bei der Unterscheidung helfen sollte – aus dem Griechischen kybernetes -, und schließlich für jemanden, der dem Pönitenten auf dem Weg zu einer neuen geistlichen Geburt helfen konnte. So wurde aus dem richterlichen Aspekt der Buße der medizinisch- therapeutische. Noch zu Beginn des 15. Jahrhunderts kannte Simeon von Thessaloniki eine geistliche Begleitung, die das Bekenntnis der Sünden vor einem Laien mit Charisma mit einschloss. Nur wenn es um die sakramentale Lossprechung ging, wurde er zu einem Priester geschickt.

Der Verwalter oder Moderator der Buße, d.h. jeder Priester, ist auch in gewisser Weise Richter und Arzt. Diese Aspekte sind im Bußsakrament immer vorhanden gewesen, auch zu Zeiten der kanonischen Buße. Auch damals musste man den Status des gläubigen Sünders abwägen sowie die Zweckdienlichkeit einer Buße statt einer anderen, einer öffentlichen oder privaten. Man musste den „Gesundheitszustand“ des Büßenden betrachten und verifizieren, ob die Buße heilen könnte oder nicht noch mehr zurückwerfen würde. Einem Priester, der gerufen war, Gründe und dann Abhilfen für eine Sünde zu finden, und der sagte, „meiner Meinung nach…“, antwortete der Beichtende: „Sie wollten wohl sagen: für die Kirche und ihre Morallehre. Ihre Meinung interessiert mich nicht“. Es führt zu einem Missverständnis, wenn man die Beichte einen Dialog nennt, weil man vor einen Richter und Arzt tritt, nicht vor einen Meinungsmacher.

Daher ist die Beichte, die auch dank der irischen Mönche seit dem sechsten bis siebten Jahrhundert wiederholbar und privat geworden ist, nichts Außergewöhnliches mehr, und man begann, in ihr auch die Fehler ins Bekenntnis einzuschließen, die nicht der kanonischen Bußdisziplin unterstanden, also nicht nur die Kapitalsünden, sondern auch die lässlichen Sünden.

Einige Priester, die meinen, über die Gewissen befehlen zu können, sagen, man müsse nur die schweren Sünden beichten. In einer römischen Basilika sah der einzige Beichtvater eine recht lange Schlange. Er kam also aus dem Beichtstuhl heraus und sagte mit lauter Stimme: „Bleiben Sie nur, wenn Sie schwere Sünden haben“. Alle gingen weg, außer einer Ordensfrau. Sie blieb wohl nicht, weil sie solch schwere Sünden hatte, sondern weil die anderen nicht als große Sünder erkannt werden wollten. Was für ein Fehler des Beichtvaters in pastoraler Hinsicht, aber auch was die Lehre angeht.

Viele fragen: Geht auch ein Papst beichten? Bei wem? Sicherlich, jeder Gläubige kann sündigen, daher muss auch der Papst beichten gehen. Er wählt sich dabei, wie jeder Christ, ganz frei einen Priester aus.

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Papst-Beichte

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