BEICHTEN -6 / Wie die Versöhnung geschieht-1

Das Sakrament wird gespendet, wenn der Beichte hörende Priester die Hand ausstreckt und betet und mit den Worten abschließt: „Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Lossprechen – im Lateinischen absolvere – bedeutet, die Bosheit oder die Verbindung mit dem Bösen zu lösen, denn sie lähmt uns und stellt uns an den Rand der Kirche. Dieser Ritus löst aus der Schlinge der Sünde in dem Maße, in dem der Beichtende vor allem drei Dinge getan hat:

a) Bereut hat, also einen ehrlichen Schmerz über die begangene Sünde verspürt hat oder wenigstens die Strafen fürchtet, die der Übertretung des göttlichen Gesetztes folgen (vollkommene/unvollkommene Reue);

b) das vollständige – auch mit Anzahl und Art – Bekenntnis der Sünden, so dass der Priester, ähnlich einem Richter und Arzt, verstehen kann, ob es sich um etwas Leichtes oder Schwerwiegendes handelt, um einen „Unfall“ auf dem Weg oder um eine schlechte Angewohnheit. Der Beichtvater kann vorsichtig Fragen stellen, um den Pönitenten zu helfen, wie es ein Arzt tut, wenn er nach den Symptomen fragt, um die Gründe einer Krankheit zu finden;

c) der Vorsatz, nicht wieder in die Sünde zu fallen und die Buße zu tun, die auferlegt wurde (z. B . ein gutes Werk, Gebet, Fasten).

Die Absolutionsformel in der Einzelbeichte versöhnt mit Gott und der Kirche und ist der Ausdruck des feierlichen Versprechens, das Jesus dem Petrus gegeben hat: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben“ (Mt 16,19).

Die Tür wird für den verschlossen bleiben, der sich nicht bekehren will, und sie wird offen stehen für denjenigen, der umkehrt. Dies ist die Schlüsselgewalt, die der Kirche übertragen wurde, zuallererst Petrus, dann den Aposteln (vgl. Mt 18,18). Diese haben dann ihren Nachfolgern, dem Papst und den Bischöfen, die Schlüsselgewalt übertragen, diese wiederum haben sie den Priestern mitgeteilt, den Mitarbeitern der Bischöfe. So konnte Irenaus sagen: „Es kann Gott nicht zum Vater haben, wer die Kirche nicht zur Mutter hat“: Die Versöhnung mit der Kirche ist aufgrund der Menschwerdung, wie wir gesehen haben, untrennbar mit der Versöhnung mit Gott verbunden. Die Versöhnung bedeutet zu erkennen, dass die Liebe Gottes des Vaters unendlich viel größer ist als meine Schuld; sie bedeutet, den Sohn Jesus Christus zu bitten, er möge mir die Kraft geben, mein Leben zu erneuern und meine Freiheit gut zu nutzen; sie bedeutet, aus der Gnade reichlich zu schöpfen durch die Beichte und die Kommunion im Heiligen Geist, den Sakramenten, die von der Sünde zur Versöhnung führen.

Also, Priester, lass dich im Beichtstuhl finden – nicht in kurzen Hosen, sondern im Talar oder in der Albe und mit der violetten Stola – und erinnere dich daran, du spendest ein Sakrament, in dem Christus anwesend ist und wirkt; versuche, den Beichtenden zu verstehen und zu respektieren. Du fuhrst die Seele eines anderen, wobei du sein Gewissen nicht ersetzt; sei im Einklang mit der Lehre der Kirche, du bist nur ihr Diener, sonst geh gar nicht in den Beichtstuhl; führe die Geste der Handauflegung aus und spricht die Formel mit dem Verb im Indikativ aus. Sie drückt aus, dass Gott und die Kirche vergeben haben: Ego te absolvo. Die zum Beichtenden hin ausgestreckt erhobene Hand – auch hinter dem Gitter – ist eine alte Geste und bedeutet, dass Jesus Christus den Geist sendet, zur Vergebung der Sünden. Es ist eine Epiklese oder eine Anrufung an den Vater, damit er den Geist auf die Sünden des Pönitenten sende und sie auflöse.

Weil die Kirche die Rechte Gottes garantiert, drückt das Sakrament die rechtliche Gewissheit aus, dass der Priester nicht nur die Vergebung Gottes anruft, sondern ihre erfolgte Bewilligung erklärt. In der außerordentlichen Form sagt der Priester: „Unser Herr Jesus Christus spreche dich los; und auch ich spreche dich los kraft der von Ihm verliehenen Vollmacht“. Der Priester ist derjenige, der in persona Christi handelt, er ist Richter, Arzt und guter Hirte. Die erklärende Formel ist psychologisch wichtig, denn der Mensch muss sicher sein, dass ihm vergeben wurde, sonst bleibt ihm der Zweifel. Dieser Aspekt, so wie er in der katholischen Theologie entwickelt wurde, ist wichtig: Der Beichtvater erklärt die Wahrheit der erhaltenen Versöhnung.

Auch in der byzantinischen Liturgie gibt es die Einzelbeichte, die vom Pönitenten vor der Ikonostase abgelegt wird. Der Priester legt die epitrachilion (Stola) auf seinen Kopf, während der Pönitent das Bußgebet spricht und die Absolution erhält. Hier sind auch noch die rigorosen Kanones gültig, die Fasten und sexuelle Abstinenz vorschreiben. So kann man die Kommunion auch nach dem Geschlechtsverkehr mit dem eigenen Ehepartner nicht empfangen. Das ist im Übrigen einer der Gründe, weshalb verheiratete Priester keine tägliche Messe feiern und die Tage der eucharistischen Nüchternheit – besonders Mittwoch und Freitag, neben den anderen im liturgischen Jahr vorgeschriebenen – einhalten. Die Bußformel der Orientalen verwendet das Verb im Konjunktiv, d.h. es erfleht die Vergebung Gottes, wie im Schuldbekenntnis der lateinischen Messe: Misereatur (der Herr habe Erbarmen).

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Beichtstühle – Santiago de Campostelle

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