BEICHTEN – 7 / Wie die Versöhnung geschieht-2

Der Bußritus in der außerordentlichen Form ist dem griechischen sehr ähnlich und ausreichend lang, um darüber nachzudenken, was man getan hat, sowie über das Geschenk, das man nun erhält – d. h. man wird erlöst vom Zustand der Exkommunikation oder des Interdikts, in das man mit der Sünde gefallen war. Außerdem hilft er, daran zu erinnern, dass man nicht im Zustand der Exkommunikation sterben soll. An der Exkommunikation kann man nach dem Tod nichts mehr ändern, weil nur bis dahin die Jurisdiktion der Kirche reicht: Daher versuchte man in den ersten Jahrhunderten, die Lossprechung vor dem Tod zu empfangen oder wenigstens in der Todesstunde.

In Ausnahmesituationen (Kriegen, Erdbeben, Epidemien) ist die Generalabsolution vorgesehen, d.h., das Sakrament wird einer großen Anzahl von Gläubigen gespendet, die einzeln das Sakrament nicht empfangen könnten. Dieser Ritus wird von einigen auf das Schuldkapitel in den Klöstern zurückgeführt, wo auch die einzelnen Mönche ein Geständnis ablegten und der Abt die Absolution sprach. In Wirklichkeit ging es dabei nicht um die persönliche Schuld oder Sünde, sondern es handelte sich um das Geständnis der Übertretungen der monastischen Regeln. Andere fuhren den Ritus der Generalabsolution auf eine Beteiligung des Volkes an der Versöhnung mit den öffentlichen Büßern am Gründonnerstag zurück, wie sie vom Bischof in Altertum und Mittelalter vollzogen wurde. Damals kamen außer den Büßern auch noch andere Gläubige zur Versöhnung mit den Büßern hinzu – ein wenig wie es heute geschieht, wenn die Krankensalbung gemeinschaftlich gespendet wird.

Und dann gibt es noch die Meinung, dass dieser Ritus auf die Notbeichten zurückgeht, wie sie in Gefahrensituationen gespendet wurden, zu Kriegszeiten, als es um unmittelbare Todesgefahr ging und man daher die Generalabsolution erteilte. Diese Absolution ist nie für ein Sakrament gehalten worden, denn das Sakrament wird immer nur einer einzelnen Person gespendet, auch wenn es in gemeinschaftlicher Form gefeiert wird. Daher bleibt auch die Pflicht, zur Beichte zu gehen, wenn die Gefahr überwunden ist.

Der Bußritus in der ordentlichen Form erlaubt die Generalabsolution auch im Fall einer großen Zahl von Pönitenten und einer nicht ausreichenden Zahl von Beichtvätern (vgl. 31) . In Wallfahrtskirchen, wo so etwas passieren kann, achtet man darauf, eine ausreichende Zahl von Priestern zu rufen, die die Beichten abnehmen können. Aber auch in diesem Fall ist eine Einzelbeichte für die Todsünden nötig, wenn die Gefahr oder Notsituation vorüber ist (vgl. 34). Der Gesprächspartner Gottes ist der einzelne Mensch, weil der Sohn in der Menschwerdung ein einzelner Mensch geworden ist. Hier liegt die Bedeutung der Erlösung in diesem grundlegenden Sakrament.

(Nicola Bux : Mit den Sakramenten spielt man nicht: Über eine fehlgeleitete Sakramentenpraxis)

Beichtgitter

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