Wie ist es möglich?

Eine österreichische Bloggerin hat in ihrem
immer wieder lesenswerten
Tagebuch der Barbara Streusand
diese Frage gestellt:

„Wie ist es möglich?“

In dem Artikel lesen wir:

Mich ärgert es, wie billig wir den Herrn verkaufen, aber wir haben uns alle schon daran gewöhnt.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Künstler – mit stattlichen, staatlichen Steuermitteln gefördert – Kreuzverhöhnungen als „Kunst“ verkauften. Auch so kann man sein Leben finanzieren, wie unsere österreichischen Künstler Hermann Nitsch mit seinen Aktionsschweinereien oder Deborah Sengl mit ihrem gekreuzigten Huhn und anderen tierischen Werken bewiesen haben.

Wir haben uns auch daran gewöhnt, dass Kirchenbeiträge und Spendengelder dazu verwendet werden, antiklerikale Bauten zu errichten, die man uns als „Kirchen“ verkauft, oder Heiligenbilder zu finanzieren, die zu keiner Betrachtung gut sind, weil man sich abwenden muss. Wir schätzen uns glücklich, dass manche Kirchen nicht ständig, sondern nur „eventabhängig“ von umtriebigen kunstliebenden Pfarrern verunstaltet werden.

War es recht, dass wir uns daran gewöhnt haben? Jeder, der aufschreit oder mal ein paar Götzen versenkt, wird in rechte Eck gestellt, aber wie werden wir unser „Sich-Gewöhnt-Haben“ vor dem Herrn vertreten?

Wie weit geht die freie Verfügung von Priestern über das ihnen anvertraute Gut? Wie ist es möglich, dass ein Pfarrer am anderen Ufer unseres Sees das Kreuz vom Kirchturm nehmen und durch eine halbe Scheibe ersetzen lassen konnte? (Was man nicht mit einem Halbmond verwechseln darf, sondern als „Zeichen des Teilens“ zu verstehen hat.) Als wir einmal dort den Gottesdienst besuchen wollten (Einmal und nie wieder! Die Messe (in der vollbesetzten Kirche) war so, dass mich meine Kinder gefragt haben: „Mama, dürfen wir hier zur Kommunion gehen?“), haben wir zuerst die Kirche nicht gefunden, weil wir meinten, vor dem Feuerwehrhaus zu stehen.

Wie ist es möglich, dass – brandaktuell – ein Priester den Corpus des Erlösers vom Kreuz nehmen und durch einen Schweinekadaver ersetzen kann? Wie ist es möglich, dass der zuständige Bischof Dieser von Aachen nichts daran auszusetzen hat? Wie ist es möglich, dass unser Papst vor Holzfiguren und Staatsmännern am Bauch liegt, vor dem Allerheiligsten aber nicht die Knie beugen kann?

Ich glaube zu wissen, warum das möglich ist: Weil alle diese Menschen keinen blassen Tau davon haben, was es heißt, einen Erlöser zu haben. Einen, der am Kreuz mit seinem eigenen Leben das Lösegeld für mich bezahlt hat, der mich losgekauft hat aus dem Kerker des Erpressers und mir ein Leben in Fülle, ewiges Leben anbietet. Denn hätten sie eine Vorstellung davon – sie würden unterirdisch gehen vor Scham über den Verrat, den sie begangen haben. Genauso wie wir vielleicht einmal vor Scham darüber vergehen werden, nichts unternommen zu haben.

Tagebuch der Barbara StreusandWie ist es möglich?

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2 Kommentare zu „Wie ist es möglich?

  1. Möglich ist dies alles, weil der durchschnittliche Katholik (nach über 50 nachkonziliaren Jahren ohne Katechesen und einer flachen „Religionenkunde“ statt kath. Religionsunterricht) eine auffällige Distanz zum Glauben zeigt und daher als „katholischer Agnostiker“ bezeichnet werden kann. Der „klassische“ Agnostizismus betont bekanntlich die prinzipielle Begrenztheit menschlichen Wissens, Verstehens und Begreifens, welche nicht gestatte, sichere Aussagen über die Existenz Gottes zu machen – die Möglichkeit der Existenz transzendenter Wesen oder Prinzipien wird dabei nicht bestritten. In weiten Teilen der katholisch-modernen Zeitgenossenschaft wird ein durchaus ähnliches Denksystem angewandt, so erklärt man sich beispielsweise die biblischen Wunder rational im Einklang mit den bekannten Naturgesetzen: der Durchzug durchs Rote Meer fand bei Ebbe statt, die biblische „Brotvermehrung“ wurde realisiert, weil jeder in seinen Brotbeutel griff und gab seinen Nachbarn etwas abgab, so dass es für alle reichte. Aus dem göttlichen Naturwunder der Brotvermehrung wird so eine wunderbare Geschichte über rechtes Sozialverhalten, wenig überraschend wird im neuen „Gotteslob“ – immerhin das offizielle Gebets- und Gesangbuch der deutschsprachigen Diözesen – auf Kreuze größtenteils zugunsten obskurer Schlangenlinien und schwer deutbarer Symbole verzichtet. Von Protesten aus dem „mündigen Gottesvolk“ dazu war nichts zu hören, der nachkonziliare Kirchgänger (soweit es den noch gibt…) hat sich schlichtweg an alles gewöhnt: hektographierte Zettel, Paperback-Heftchen und was auch immer.

    Man will (seit den 70ern) in einer „modern“ eingestellten Umgebung halt möglichst nicht als gläubig auffallen, daher haben die liturgischen Event-Veranstaltungen kaum Ähnlichkeit mit der Messe, die Gebäude kaum Ähnlichkeit mit Kirchen und die (meist furchtbar) banalen Liedtexte kaum Bezug zum Glauben. Das Resultat sind dann eben die im Beitrag zitierten Scheußlichkeiten.

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  2. Es ist auch deshalb möglich, weil die Leute das alles, seit Jahrzehnten schlucken und mit dem Totschlagargument „Ach die meinen es doch gut“ absegnen. Klar findet die Abstimmung mit den Füßen statt, aber sobald ein Pfarrer oder sonstiger Kirchenoffizieller das Gespräch sucht, sagen die ach so emanzipierten Leute unserer Tage nicht, „Ach wissen Sie ich glaube nicht an Gott, das sind doch alles nur Märchen“ oder „Mir ist das alles sch….egal“ sondern man sagt „Ja wenn und die Frauen, der soundso ismus, die Lieder, der viele Weihrauch dagegen bin ich allergisch, das viele Knien, ich habe doch Meniskus…..“ Und beflissen und empatihielos wie die meisten Herren und Damen Wichtig in der Kirche sind, glauben die das auch noch, vielleicht weil sie, wie Guardini es mal geschrieben hat, selber Gott nicht kennen (wollen) und deshalb nichts von den Menschen verstehen. Daher ist die moderne Verkündigung von dem Motte geprägt: „Früher drohte den Leuten die Hölle, heute kommen deshalb alle in den Himmel“

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