Die Zeichen am Himmel

Die heiligen Evangelisten (Mt 24,29; Mk 13,24; Lk 21,25) haben den heraufziehenden Gerichtstag genau beschrieben: Die Sterne fallen vom Himmel, die Kräfte des Firmamentes werden erschüttert. Da erbebt die Erde. Gräber tun sich auf. Die Wogen des Meeres toben mit furchtbarem Getöse. Die Luft wird von den Schlägen des Donners erzittern, und mitten hinein in das Chaos tönen die Posaunen des Jüngsten Gerichtes.

Wenn der Mensch aus Angst um sein leibliches Leben in den Schrecken dieser Welt oft fürchterlich leidet, wie erst muss dann das Entsetzen ihn schütteln, wenn es am Tage des Gerichtes um Leib und Seele geht. Und doch, was sind alle Schrecken der Welt, die dem Gerichte vorausgehen im Vergleich mit der Hölle! Was ist die Verfinsterung der Sonne gegen die ewige Finsternis.

Was ist der rollende Donner gegen die schreckliche Gerechtigkeit des zürnenden Gottes! Sind nicht die vielen, so trefflich ausgestatteten Menschen, die der Kirche und dem Himmel entrissen werden, um in den Abgrund der Hölle zu fahren, ebenso viele vom Himmel gefallene Sterne! Und was sind schon die Schrecken der Natur gegen die hasserfüllten Geister, die über die Sünder herfallen.

Mein Gott, wie sollte ich mich nicht beim Gedanken an meine vielen Sünden vor dem Tage des Gerichtes fürchten! O lass mich die Sünde mit aller Gewalt meiden. Gib Du mir Deine Gnade. Lass mich immer gerechter werden, lass mich in Unschuld wandeln. Schenk mir das Glück, Dir zu gefallen und in Deiner Liebe zu leben. Alle, die Deinen Willen tun, werden am Tage des Gerichtes nicht erschrecken, ja alles Leid, das sie in Deinem Namen trugen, wird sie mit Freude erfüllen. Dann wird das Wort für sie wahr: „Wenn aber das (Ende) kommt, so schaut empor und erhebet eure Häupter, denn eure Erlösung naht!“ (Lk 21,28)

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

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