Die Menschwerdung zeigt Gottes Größe

(Freitag in der ersten Adventswoche)

Die göttliche Person vereinigt sich mit der menschlichen Natur und teilt uns Menschen alle Schätze der Gottheit mit. Welche Liebe gehört dazu! Und erst die Barmherzigkeit des Sohnes, die deutlich wird, wenn er unser Elend auf sich nimmt, um uns glücklich zu machen. Welche Weisheit liegt in dieser wunderbaren Vereinigung der Gerechtigkeit mit der Barmherzigkeit, so dass Erstere keine strengere Genugtuung fordern und letztere keine vollkommenere Vergebung gewähren kann! Welche Allmacht zeigt sich bei der Vereinigung des Menschen mit Gott, des Schöpfers mit dem Geschöpfe, des Unsterblichen mit dem Sterblichen! Wie erfinderisch ist die Heiligkeit Gottes: um den sündhaften Menschen zu heiligen, schickt sie ihm den Urheber aller Heiligkeit selbst; Gott wird dem Menschen zum Beispiel, um ihn selbst auf den Weg der Wahrheit zu führen.

Aber der Schöpfer aller Dinge, der reich ist an Erbarmen, hat uns dennoch, wie der hl. Paulus sagt, geliebt aus bloßem Übermaße seiner Liebe (2Eph 2,4). Wen aber hat er geliebt, wenn er uns, wenn er die Welt geliebt hat? Rebellen, Undankbare, seiner Liebe ganz unwürdige Geschöpfe hat er geliebt. Und doch erweist Gott, wie derselbe Apostel bemerkt, gerade dadurch seine große Liebe zu uns, dass er uns geliebt hat, als wir noch Sünder und seine Feinde waren (Röm 5,8-9).

Wie unbegreiflich bist Du, unendliche Liebe! Was konntest Du nur an uns Liebenswürdiges finden? Wir waren nichts als ein Abgrund voll Elend, und Du hast diesen Abgrund mit Deinen Erbarmungen gefüllt. Du fandest einen Abgrund an Bosheit, und Du schüttetest die Schätze Deiner Gnade hinein.

Sei immer für diese unendliche Güte gepriesen! Wenn etwas wert ist, geliebt zu werden, dann ist es diese Deine Güte! Wann wird es uns gelingen, Dich so zu lieben, mein Gott, dass wir alles andere darüber vergessen! Und doch ist die Welt so gleichgültig gegen Gott, der sie von Ewigkeit her geliebt hat! Das ist ein bitterer Gedanke! Heiland, gib uns Dankbarkeit, gib uns Liebe ins Herz.

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

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