2. ADVENT – Mörder aus Feigheit

Eilends ging die Tochter des Königs in den Festsaal zurück und sprach:

Ich will, dass du mir sogleich auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers gibst.

Darüber wurde der König bestürzt. Aber des Eides und der Gäste wegen mochte er sie nicht abweisen. So schickte denn der König sofort seinen Leibwächter hin mit dem Befehl, das Haupt des Johannes zu bringen (Mk 6,25-27). Herodes schätzte den Täufer zweifelsohne hoch, er hatte Furcht vor ihm. Dennoch ließ er ihn enthaupten. Die Hitze des Weines, die Leidenschaft für Herodias, die Gefälligkeit seiner Tänzerin, der Leichtsinn, mit dem er schwor – alles dieses überwand die Achtung, die er vor diesem heiligen Manne hatte. So wurde er zum Mörder wider bessere Einsicht und Neigung.

In welch schrecklichen Abgrund stürzte der Teufel diesen Mann! Vorher hatte er ihn durch Trunk und Vergnügungen berauscht. Das ist die Tyrannei der Leidenschaft, wenn man sich ihr einmal ergeben hat. Bejammernswerte Knechtschaft des menschlichen Herzens in den Banden der Unreinheit!

Welcher Verbrechen wird es nicht fähig, wenn es diesem Laster ergeben ist! Aber das ist nicht die einzige Leidenschaft, die so traurige Folgen hat. Es gibt überhaupt keine Leidenschaft, die nicht zu den schrecklichsten Entartungen führt, wenn sie einmal die Oberhand bekommt. Was Unreinheit nicht vermag, das vermag der Hass, das bringen Ungerechtigkeit, Rache und Neid zuwege. Befreie mich, göttlicher Meister, von solchen Tyrannen. Gestatte ihnen niemals den Eingang in mein Herz! Dieses Herz ist Dein. Du hast Dich gewürdigt, Dir einen Thron in mir zu bereiten. Dulde keinen Tyrannen neben Dir. Es gilt einzig Deiner Ehre. Was mich betrifft, mein Gott, der ich Dir schon längst mein Herz geschenkt habe, bin ich gestützt auf Deine Gnade fest entschlossen, den Besitz meiner Seele zu bewahren. Ich will niemals aufhören, zu wachen und zu kämpfen, bis ich Deine Feinde besiegt habe.

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

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