Bitte für uns Sünder

(Montag in der zweiten Adventswoche)

Wie viele Seelen gehen täglich zugrunde! Die Gottesmutter konnte nicht ohne den heftigsten Schmerz an sie denken. Wie muss sie gerade bei diesem Gedanken die Sehnsucht nach dem Erneuerer des Menschengeschlechtes erfüllt haben. Wie muss sie geseufzt haben nach dem, der dem Verderben der Menschheit Einhalt tun und dem täglichen Elend ein Ende machen sollte. „Erwecke deine Macht“, sprach sie mit David, „und komme, uns zu erlösen; bekehre uns, o Gott, und zeige Dein Angesicht, so werden wir gerettet sein!“ (Ps 79,3-4).

Der Himmel erhörte die Wünsche unserer Mittlerin. Ihr Ansehen bei Gott war eine Art Gegengewicht gegen die Bosheit der Welt. Die Liebe, die sie zum Schöpfer trug, hatte mehr Gewalt, den Sohn Gottes auf die Erde zu rufen, als der gerechte Zorn über die Sünder, der ihn zurückhielt. Die Mutter der Barmherzigkeit rief die Barmherzigkeit Gottes auf uns herab.

O bewunderungswürdige Kraft des Gebetes! Bitte auch für mich, glorreiche Königin der Welt, dass meine Seele gesund werde. Erflehe mir den Sieg über meine Leidenschaften, stetes Fortschreiten in der Tugend und vor allem die Gnade der Beharrlichkeit. Sie besteht ja in der Gunst, dass ich in der Gnade Gottes sterben kann. So möge meine letzte Stunde allem, was du mir erbeten hast, das Siegel aufdrücken.

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

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