Der Lohn der Demut

(Donnerstag in der zweiten Adventswoche)

Nachdem die Heilige Jungfrau durch die Worte Gabriels die Ruhe ihres Geistes wiedererlangt hatte, klärte sie der Engel über das heilige Geheimnis noch mehr auf. Es sollte keine Dunkelheit in ihrer Seele zurückbleiben. Auch der letzte Zweifel sollte schwinden.

Und siehe“, sprach er zu ihr, „deine Base Elisabeth hat auch einen Sohn in ihrem Alter empfangen, und sie, die unfruchtbar genannt wurde, geht nun schon im sechsten Monat; denn bei Gott ist kein Ding unmöglich“ (Lk 1,36-37).

Der Engel wollte damit sagen, da Gott bei der Greisin Elisabeth dieses Wunder gewirkt hat, so sei überzeugt, dass auch du unbeschadet deiner Jungfräulichkeit einen Sohn wirst gebären können, der aber der eingeborene Sohn Gottes sein wird. Dem allmächtigen Gott ist nichts unmöglich. Für ihn ist das eine Wunder so leicht wie das andere.

Siehe, meine Seele, das war der Lohn der Demut Mariens. Gott erfüllte sie mit göttlichem Lichte, weil sie das Dunkel des Glaubens mit Ergebung betrat. Den Priester Zacharias ließ er dagegen stumm werden, um ihn für seinen Unglauben zu bestrafen. Demütigen und gehorsamen Seelen teilt er seine Wahrheiten mit, den stolzen und eigensinnigen enthält er sie vor.

Das sind Deine anbetungswürdigen Wege, mein Gott. Ich erkenne ihre Weisheit und Gerechtigkeit. „Du hast Deine Geheimnisse den Weisen und Klugen dieser Welt verborgen, den Kleinen aber offenbart“ (Mt 11,25). Im Geiste dieser evangelischen Verdemütigung bekenne ich, dass Dir, o Gott, nichts unmöglich ist. Mit dem ganzen Vertrauen, das der Glaube von mir fordert, bitte ich um die Gnade – trotz meiner Unfruchtbarkeit für das Reich Gottes – mich an solchen Werken reich zu machen. So unfruchtbares Land und Wüste ich auch bisher gewesen bin, Wüste des schlechten

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

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