In heiligem Gehorsam

(Samstag in der zweiten Adventswoche)

Als die Zeit nahte, die die Vorsehung zur Menschwerdung des Göttlichen Wortes bestimmt hatte, vermählte sich Maria aus höherer Eingebung einem Manne, der gerecht und gottesfürchtig war; sein Name war Joseph. Sie hatte die Versicherung, dass diese Ehe ihre Jungfräulichkeit nicht im Mindesten verletze. Bevor aber diese Ehe auf Erden geschlossen wurde, ward sie bereits im Himmel angeordnet, um das Vorbild vollkommener Ehen zu sein. Sie sollte zeigen, wie man sich in diesem Stande heiligen könne. Zugleich sollte Maria in dieser Zeit, in der auf wunderbare Weise der Erlöser empfangen wurde, gleichsam unter einem Schleier verborgen bleiben. So wurde ihre Ehre gegen jeden Verdacht geschützt. Darüber hinaus konnte der Mann an ihrer Seite in allen Anforderungen des Lebens zu Hilfe kommen. Nicht zuletzt sollte auch der Heilige Joseph geehrt werden, denn es gab keine höhere Auszeichnung für einen Mann als Nährvater des menschgewordenen Wortes und Gatte der reinsten aller Jungfrauen zu sein.

Man kann sich nicht genug wundern, wie der Herrgott so unscheinbaren Menschen seine größten Geheimnisse anvertraut. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt solchen Geschöpfen, die stets besorgt sind, ihm zu gefallen. Glücklich der Mensch, der unter Deinem Schütze bleibt, o Herr! Wäre er auch der letzte von allen, Du hältst ihn unter dem Dach Deiner Vorsehung. Du bist seine Zuflucht. Er darf nur darauf bedacht sein, Dir zu dienen und sich auf Deine väterliche Huld zu stützen.

O Heilige Jungfrau Maria, du bist uns ein bewunderungswürdiges Beispiel! Auf Gottes Befehl tratest du in einen Stand, der deinen Vorsätzen und Absichten ganz entgegengesetzt zu sein schien. Ja, du glaubtest sogar im ersten Augenblick, dass er deiner unvergleichlichen Reinheit eine Gefahr bedeuten könnte. Doch wurde diese deine Reinheit gerade in deiner Mutterschaft durch ein Wunder verherrlicht wie bisher noch keines geschah.

Ich wage gar nichts, o mein Gott, wenn ich Dir gehorche. Wenn Du mir eine Anregung zu einem bestimmten Stande gibst, so darf ich sicher sein, dass Deine Gnade mit mir ist. Ich habe nichts zu fürchten, solange ich mich deiner Leitung überlasse und unterwerfe. Es ist ja das Leben Deiner Getreuen in Deiner Hand geborgen.

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

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