Dritter Sonntag im Advent – Der ehrliche Mann

Die Juden fragten Johannes:

Wer bist du? Bist du der Messias?“ Und er bekannte und leugnete nicht,
er bekannte: „Ich bin nicht Christus, von dem ihr redet“ (Jo 1,19-20).

Das ist der ganze Johannes. Er ist wahrhaftig und demütig bis in die Knochen. Man fragte ihn in Hochachtung und Bewunderung, ob er der Messias sei. Er gab aufrechten Bescheid. So steht sein Bild dem abscheulichen Hochmut Luzifers gegenüber, der sich in seinem Wahne Gott gleichstellen wollte. Johannes wurde seiner Demut wegen erhöht, Luzifer in den Abgrund gestürzt. Gern hätte der Satan, der in der Schrift der König der Hochmütigen genannt wird (Job 41,25), die Heiligkeit des Vorläufers zu Fall gebracht. Sicherlich hatte er den Juden den Gedanken eingegeben, den Büßer am Jordan aufzusuchen und ihm zu sagen, wie geneigt sie seien, ihn für den Messias zu halten. Der Teufel glaubte, dass der Ruhm, Gott gleichgestellt zu werden, den Aszeten verblenden würde.

Dieses Kunstgriffes bedient sich der böse Feind gerne, um auch Heilige zu stürzen. Er sieht es gerne, wenn sie zu hohen Würden erhoben und über ihr Verdienst und ihre Kräfte geehrt werden. Aber alle vom göttlichen Licht erleuchteten Männer meiden die Klippe des Hochmutes und nehmen ihre Zuflucht zur Erkenntnis ihrer selbst. Sie entfernen sich soviel sie nur können von allem, was nur den Schein einer Auszeichnung oder eines Vorzuges hat. Je angesehener sie in der Welt sind, desto mehr verdemütigen sie sich nach dem Rate des Weisen und finden so wie der hl. Johannes in ihrer Demut eine sichere Freistätte in allen übrigen Tugenden.

O hl. Johannes, du lehntest es ab, eine Würde zu bekleiden, die nur dem zukam, der größer war als du, und wurdest so von Gott dafür verherrlicht. Erwirb auch mir die Gnade, immer an meine eigene Niedrigkeit zu denken, meine gänzliche Abhängigkeit von Jesus Christus zu erkennen, mich ohne Unterlass an ihn zu halten und nach nichts zu streben als nach der Ehre, Christus als demütiger Knecht anzugehören.

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

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