Der Heiland

(Donnerstag in der dritten Adventswoche)

Noch vor seiner Geburt begann das Göttliche Wort sein Mittleramt zwischen dem Vater und uns. Die Heiligung des Johannes ist das erste Werk seiner all mächtigen Gnade. Es hatte Mitleid mit dem Zustand der Sünder, in dem sich Johannes befand. So gab es seiner gebenedeiten Mutter den Befehl, sich eiligst aufzumachen, um Elisabeth zu besuchen (Lk 1,39). Ist das nicht eine bewunderungswürdige Sorgfalt, wie sich Jesus um seine Freunde kümmert! Wie beeilt er sich, ihnen zu helfen, wie ist er darauf bedacht, sie aus der Knechtschaft der Sünde zu befreien.

Ich verdiene weder Deine Freundschaft noch Deine Gnade, o Herr; mir steht es nicht zu, mich zur Zahl deiner Günstlinge zu zählen. Trotzdem ward mir die Ehre zuteil, einer Deiner Diener zu sein. Als solcher wage ich es, Deine Barmherzigkeit um Hilfe anzuflehen und mit David zu rufen: „Dein bin ich, hilf mir!“ (Ps 118,94).

Zerreiße meine Fesseln und schenke mir die Freiheit! Liebenswürdiger Erlöser, Du wirst Dein Mittleramt zu meinem Heile ausüben. Durch das Feuer Deiner Liebe wirst Du die Frucht der Erlösung in meiner Seele zur Reife bringen. Von der Schwere meiner Sünden werde ich zu Boden gedrückt. Von dem Joch meiner Leidenschaften werde ich Tag und Nacht geplagt und seufze zu Dir, meinem Erlöser. Zerbrich die Ketten, die mich hindern, heilig zu werden. Wenn Du meine Seele in die Freiheit der Kinder Gottes setzest und sie darin erhältst, so machst Du mich fähig, auf jene Stufe der Vollkommenheit zu gelangen, die Deine Auserwählten erreichen sollen.

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

+