Das Geheimnis der Weihnacht

Da die seligste Jungfrau wusste, dass die Geburt Jesu herannahe, erwartete sie in zurückgezogener Einsamkeit, in tiefer Betrachtung den wichtigen Augenblick. In höchstem Glück schenkte sie jenen der Welt, der ihr Befreier war. Unaussprechliche Liebe und Ehrfurcht durchdrang ihr Herz. Sie betete jenen als ihren Gott an, den sie als ihren Sohn liebte. Mit der Zärtlichkeit einer Mutter umfing sie ihn. Sie nahm das göttliche Kind auf ihre Arme und an ihr Herz. Sie küsste es voll Ehrfurcht, und Tränen der heiligsten Freude rollten aus ihren Augen. Ehrfurcht und Liebe sollten deine Empfindungen sein, mein Christ, wenn du das Glück hast, denselben Heiland zu besitzen. Ehrfurcht und Liebe sind die Hände, die du ihm reichen sollst.

Nachdem Maria dem ersten Drang ihrer Liebe Genüge getan hatte, war sie um die Erfüllung ihrer Mutterpflichten bekümmert. Sie wickelte das göttliche Kind in Windeln und legte es in die Krippe. Welch ein Schmerz für die liebevolle Mutter, den eingeborenen Sohn Gottes, ihren Schöpfer und Erlöser, in eine arme, der Würde seiner Person so wenig angemessene Wiege legen zu müssen! Wie sehr musste sie staunen, Gott in einem so bescheidenen Zustande zu erblicken! Wie sehr musste sie von Dankbarkeit durchdrungen sein, dass ihr Schöpfer sie zu seiner Mutter gewählt hatte. Mit welcher Hingabe opferte sie sich seinem Dienste! Und der hl. Joseph vereinigte seine Huldigung, Liebe und Zärtlichkeit mit jener seiner gebenedeiten Braut.

Werfen wir uns mit Maria und Joseph zu den Füßen des Jesuskindes nieder und beten wir mit ihnen das menschgewordene Wort an. Es hat sich ja aus Liebe zu uns in so wunderbarer Weise herabgelassen. Wir lieben es, wir bewundern es. Wir danken ihm in Demut für eine so unaussprechliche Gnade. Wir bringen ihm aus Dankbarkeit uns selbst zum Opfer dar und sprechen mit aller Zärtlichkeit unseres Herzens:

Liebenswürdiger Furioser, was soll ich tun um Deiner großen Güte zu entsprechen? Hätte ich doch in jener Stunde zu Bethlehem sein können, um euch beizustehen und euch zu dienen. Lass mich Dir mit Leib und Seele zu Diensten sein. Verfüge über mich nach Deinem Wohlgefallen!

(aus: Ludwig de Ponte. Meditationen zum Kirchenjahr)

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