Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971 – 3/7

Der Schulkampf

Liest man, mit welchem apostolischen Eifer die Fuldaer Bischofskonferenz sich noch 1958 gegen die Mischehen ausgesprochen hat, deren Zahl aufgrund der Flüchtlingsbewegungen und der konfessionellen Durchmischung ehemals katholischer Regionen nach dem Krieg so stark anstieg, dann kann man nur staunen über den Abgrund zwischen der damaligen „Rückkehr-Ökumene“ und dem hektischen Ökumenismus unserer Tage. „Das Herz der Kirche“, so hieß es da, „blutet um Hunderttausende, die ihr verlorengehen. Wir Bischöfe können nicht länger schweigen. Wer in der Mischehe lebt, leidet mehr als andere unter dem Unglück des gespaltenen Glaubens, oft mehr, als er zu tragen imstande ist.“

Eindringlich schildert die Studie auch den jahrzehntelangen Kampf um die Bekenntnisschule: wäre doch die bischöfliche Zustimmung zum Grundgesetz beinahe an der Auseinandersetzung um das Elternrecht gescheitert. Es lag gewiß nicht an den Bischöfen, daß sie diesen Kampf schließlich verloren und sich auf die Verteidigung des konfessionellen Religionsunterrichtes zurückziehen mußten. Wohl aber liegt es in ihrer Verantwortung, daß dieser seit dem Konzil immer mehr ausgedünnt wurde und wir uns heute einer wachsenden Zahl religiöser Analphabeten gegenübersehen, die dennoch das Sagen und Mitspracherecht in der Kirche und ihren unzähligen Räten beanspruchen.

Und man stelle sich vor, früher wäre ein Ordinarius wie Bischof Franz-Josef Bode von Osnabrück auf die Idee gekommen, eine interreligiöse Schule zu gründen, in der sich Muslime, Juden und Christen in ihrem Glauben gegenseitig befruchten sollten!

Mit exemplarischer Deutlichkeit zeigt so gerade die Behandlung der Schulfrage, worin die eigentliche und, angesichts der persönlichen Einstellung des Verfassers, wohl unfreiwillige Leistung der Arbeit besteht. Sie enthüllt die tiefe, sich bis zur Widersprüchlichkeit steigernde Unsicherheit in der Reaktion der Bischöfe auf die Herausforderungen der Konzilsära und ihre selbst so unreflektierte Anpassung an die neue Zeit. Auf der einen Seite der jahrzehntelange erbitterte Kampf um die katholische Schule und einen substantiellen, glaubensstarken Religionsunterricht.

Auf der anderen Seite ihre passive Rolle angesichts der zunehmenden Erosion des nachkonziliaren Religionsunterrichtes und seiner Verwandlung in eine seltsame Mischung aus vergleichender Religionskunde und Hinführung zu einem allgemeinen, christlich getönten humanistischen Gutmenschentum.

(Walter Hoeres: Widerspruchsvolle Bekenner – Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971, KIRCHLICHE UMSCHAU, Januar 2015)

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