Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971 – 6/7

Das verlorene Sakrament

Selbst auf die Gefahr hin, daß wir uns wiederholen: Was wir den Bischöfen besonders vorwerfen, ist die Tatsache, daß sie sich offenbar nicht dazu aufraffen können, in beschwörender Eindringlichkeit und mit dem Hinweis darauf, daß es hier nun wirklich um das ewige Heil geht, auf die Notwendigkeit der sakramentalen Beichte hinzuweisen, die schon deshalb völlig aus der Mode gekommen ist, weil in der neuen Messe nahezu alle, aber auch wirklich alle zum Tisch des Herrn gehen, den es allerdings in der klassischen Form auch kaum mehr gibt. Natürlich müßten die Gläubigen dann auch wieder mit der Gefahr der ewigen Verwerfung und dem Begriff der schweren Sünde konfrontiert werden.

Und so zeigt sich auch hier, daß die Wahrheit das Ganze ist und daß die schiefe Optik der Allerlösung, des „netten Gottes“, der uns ganz einfach so annimmt, wie wir nun einmal sind, und der beschwingten Auferstehungsämter nach dem Tode zwangsläufig zum Verschwinden des Beichtsakramentes führte und immer noch führt.

Jedenfalls ist man entsetzt, mit welcher Verständnislosigkeit manche Bischöfe diese Entwicklung betrachtet haben. Selbst der so irenische und wohlwollende Verfasser unserer Studie Joachim Schmiedl weist darauf hin, daß „mißverständliche Äußerungen den Eindruck entstehen ließen, als sei durch die Bußgottesdienste die persönliche Beichte abgeschafft“. Zur mangelnden Akzeptanz der Beichte trugen, wie er berichtet, sicher Äußerungen wie die des Trierer Bischofs Stein bei:
„In der Wahl zwischen Beichte und Bußfeier soll niemand bevormundet werden. Jeder muß aus seiner Glaubens-, Gewissens- und Lebenssituation heraus entscheiden, in welcher Form der kirchlichen Buße für ihn jeweils der richtige Weg zur Versöhnung mit Gott und dem Nächsten liegt.“

Ohne Beichte und Bußgottesdienste gegeneinander ausspielen zu wollen, wog der Eichstätter Bischof Alois Brems in merkwürdiger psychologischer Verkennung der sakramentalen Wirklichkeit die Vor- und Nachteile beider ab:
„Die Teilnahme an einem Bußgottesdienst kann zu einem starken Erlebnis des Schuldbewußtseins und der Reuegesinnung führen. Aber auch der gute Empfang des Bußsakramentes vermag wahre Beglückung und tiefen inneren Frieden zu bringen.“

Man fragt sich, an welcher theologischen Pflanzstätte die hochwürdigsten Herren Dogmatik, Exegese und Moraltheologie gehört haben!

(Walter Hoeres: Widerspruchsvolle Bekenner – Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971, KIRCHLICHE UMSCHAU, Januar 2015)

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2 Kommentare zu „Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971 – 6/7

  1. Dieser Kommentar zeigt unsere jahrzehntelange Fehlentwicklung. Ich denke mit Grauen an selbst erlebte Begebenheiten vor über 25 Jahren: mit einer Frauengruppe hielt ich Einkehrtage (als Laie). Sie hatten auch die Möglichkeit zur Beichte (völlig ohne Zwang; auch Spaziergang oder Nichtstun waren möglich), aber sie wählten stets die Beichte bei ihrem Pfarrer. – Einmal kam ein anderer Beichtvater: auf den Altar stellte er ein Gefäß, die Frauen erhielten Zettel und Bleistift, konnten ihre Sünden darauf notieren und die Zettel landeten in dem Gefäß und wurden angezündet: die Beichte vollzogen. — Die Frauen waren begeistert! Als ich danach klarstellte, dass das Sakrament der Buße so nicht gültig gewesen sei und auch erklärte weshalb, hieß es: „Aber der Pfarrer hat uns das doch so gesagt …“ Logischerweise sagten sie sich: ein Priester muss es doch besser wissen als ein Laie. – Leider wurden auf diese Weise viele Gläubige (dies ist ja kein Einzelfall) auf falsche Wege geführt … Heute ist das Elend perfekt!

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