Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971 – 7/7

Tröstliches zum Kirchenbau

Salva reverentia fragt man sich nach der Lektüre manchmal, ob unsere Bischöfe auf einem anderen Stern leben! Offenbar mußte erst ein bekennender Atheist wie der Frankfurter Sozialpsychologe Alfred Lorenzer kommen, um nach weltweiten Recherchen zu dem Fazit zu gelangen, daß der nachkonziliare Bildersturm in den Kirchen zu einem Vandalismus ohnegleichen geführt hat, der die Kirchen ihres einstmals so herrlichen sakralen Interieurs beraubt hat und oft nur noch „Sinnruinen“ übrigließ, die mitunter nur noch den Charme einer kahlen Radrennhalle oder Konzerthalle übrig ließen. – [Alfred Lorenzer: Das Konzil der Buchhalter. Die Zerstörung der Sinnlichkeit. Eine Religionskritik. Frankfurt am Main 1981]

Mitunter scheint Lorenzer in der Trauer über die Beseitigung der Schönheit und des Glanzes in den Kirchen sein nur sozialkritisches Anliegen zu vergessen und sich von einem Outsider in ein engagiertes und den Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte beklagendes Mitglied des Kirchenvolkes zu verwandeln. Die weltweite Zerstörung wunderbarer Hochaltäre, die brutale Überpinselung und Vernichtung der Deckengemälde unvergleichlicher Barockkirchen, die Schließung von Seitenkapellen voller Kostbarkeiten: man könnte mit den Listen dieser Zerstörung Bände füllen. – [Vgl. Walter Hoeres: Nachkonziliarer Bildersturm. In: Zwischen Diagnose und Therapie, a.a.O. S. 80 ff.]

„Weder die Bilderstürmer der Reformation noch die der Revolutionen“, so Lorenzer, „haben ähnlich systematisch Hand an den Sakralraum gelegt und sind dabei so bedenkenlos, kaltblütig ans Werk gegangen.“ – [Walter Hoeres: Nachkonziliarer Bildersturm. In: Zwischen Diagnose und Therapie, a.a.O. S. 209]

Und was sagen unsere Bischöfe dazu?
Nichts weiter als peinliche Allgemeinplätze, die mich an das salomonische Wort eines ehemaligen Professors erinnerten, dem ich versehentlich meine spätere Habilitationsschrift zur Begutachtung vorlegte: „er sei sowohl für das Alte wie das Neue auch“!

Höffner lobte die im Kirchenbau involvierten Künstler mit den Worten:
Ihr Dienst an der sakralen Kunst ist ein Bekenntnis zur nachkonziliaren Kirche, die eine Kirche der Armut sein will“.

Kardinal Frings meinte zum Kirchenbau der Nachkriegszeit, den zahlreichen Betonbauten, die nicht nur von ferne an Schwimmhallen erinnern und in vorausschauendem Gehorsam schon den nachkonziliaren Kahlschlag der Heiligen- und Engelverehrung vorwegzunehmen schienen:
„Deshalb ist der einfache Altar, meist auf einem Podium errichtet, den Gläubigen nähergerückt, damit sie ihn möglichst in der Form eines Halbkreises umschließen können“.

Nirgendwo ein Wort zu dem unbegreiflichen Greuel der Verwüstung, dem entsetzlichen Vandalismus, in dem der Traditionsbruch so manifest geworden ist. Nicht selten haben wir unsere Artikel mit dem Wort Juvenals beschlossen: „Difficile est satiram non scribere“.

Angemessener wäre es vielleicht, nach allem und nach der Lektüre mit den Worten zu schließen: „Haud difficile, non fundere lacrimas“ – es ist schon schwer genug, keine Tränen zu vergießen!

(Walter Hoeres: Widerspruchsvolle Bekenner – Deutsche Bischöfe zwischen 1959 und 1971, KIRCHLICHE UMSCHAU, Januar 2015)

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