SEPTUAGESIMA

Im Orient galten die Samstage und Sonntage als Festtage, an denen nicht gefastet wurde. Um nun die Zahl von 40 Fasttagen voll zu machen, fingen die Griechen die Abstinenz um einige Wochen früher an. Vom heutigen Sonntage an enthielt man sich vom Genüsse des Fleisches, in der folgenden Woche fielen auch die Laktizinien fort und mit dem Montag nach Quinquagesima begann das strenge Fasten zur Vorbereitung auf Ostern.

Im Abendlande war die Fastenübung nicht einheitlich. Als die Fastenzeit mit dem Sonntag Quadragesima anfing, ergaben sich wohl 40 Tage Vorbereitungszeit auf Ostern, wie St. Gregor bemerkt, aber von diesen waren nur 36 dem Fasten geweiht. Um diese 4 Tage zu ersetzen, entsagten die Ordensleute und geistlichen Personen schon frühzeitig dem Fleischgenusse, und zwar vom Montag nach Quinquagesima ab („in carnis privio“ oder „in carne levario“, daraus entstand Karneval). Erst Gregor d. Gr. hat das „caput ieiunii“ auf den Mittwoch nach Quinquagesima festgesetzt.

Die Gläubigen waren jedoch mit diesen 4 Tagen nicht zufrieden. Die Griechen begannen zuerst ein längeres Fasten, und da sie in der byzantinischen Periode in Rom mit den L a teinern zusammenlebten, so durften diese nicht zurückstehen. Gregor d. Gr. führte deshalb die entferntere Vorbereitungszeit (von 3 Wochen) auf die Quadragesima ein, oder gab ihr doch wenigstens Stil und Form. Als Stationskirchen wählte er die 3 großen Patriarchalbasiliken: St. Laurentius, St. Paul und St. Peter, und stellte so das Osterfasten unter den Schutz der 3 großen Stadtpatrone.

Die Reihenfolge der Stationskirchen bildet eine aufsteigende Linie, denn St. Laurentius nimmt unter den päpstlichen Basiliken erst den vierten Platz ein. Der Grund dafür ist wohl darin zu suchen, daß die Päpste bereits seit dem 4. Jahrhundert das „sacrificium quadragesimalis initii“, wie es im Sakramentar heißt, in der Lateranbasilika darbrachten, und man der päpstlichen Hauptkirche nicht gut ihr Privileg nehmen konnte.

Die Meßformularien für die 3 Vorfastensonntage stammen ziemlich bestimmt aus der Zeit Gregors d. Gr. Inhaltlich sind sie ein zu getreues Spiegelbild jener tieftraurigen Zeit, in welcher Krieg, Pest und Erdbeben wüteten und die alte Königin der Welt zu vernichten drohten.

(Stationskirche: St. Laurentius vor den Mauern)

(Ildefons Schuster in Liber Sacramentorum)

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