QUINQUAGESIMA

Mit der heutigen Feier am Grabe des Apostelfürsten schließt die Vorbereitungszeit auf die „veneranda solemnitas ieiunii“ (ehrwürdige Fastenzeit). Voll Vertrauen dürfen wir nun, des Schutzes der hl. Laurentius, Petrus und Paulus sicher, am kommenden Sonntag die hl. Bußzeit in der Lateranbasilika beginnen. Nach orientalischem Vorbilde entsagten in alter Zeit eifrige Christen und Ordensfamilien schon in dieser Woche dem Fleischgenusse. Die hl. Kirche hat diesen Brauch teilweise zu dem ihrigen gemacht, indem sie den Beginn des Fastens auf den Aschermittwoch festgelegt hat.

… Unergründlich tief ist das Geheimnis des Kreuzes. So tief, daß selbst die Apostel nach dreijähriger Lehrzeit in der Schule des göttlichen Meisters es nicht erfaßten, weder heute beim Hinaufsteigen nach Jerusalem, noch beim letzten Abendmahle, als sie zu Bischöfen des Neuen Bundes geweiht wurden. Nur wenige Augenblicke später und „sie verließen ihn alle und flohen“. Jesus mußte allein seinen Todesgang nach Golgotha gehen. Wie tief muß sich eine Seele in das Geheimnis des göttlichen Gekreuzigten versenken, um nicht zu irren in einer so wichtigen Sache, auf die unser ganzes übernatürliches Leben hinzielen soll: Sühne durch das Leiden.

Das gregorianische Antiphonar hat nur für den Mittwoch und Freitag nach Quinquagesima eigene Gesänge, für den Donnerstag und Samstag müssen sie anderen Formularien entlehnt werden. Die Ausnahme für die beiden erstgenannten Tage hat vielleicht darin ihren Grund, daß seit dem 2. Jahrhundert in Rom und Afrika an allen Mittwochen und Freitagen des Jahres Stationsversammlungen stattfanden. Man hätte ganz leicht für die vier Fasttage vor Quadragesima die beiden Stationsmessen zugrunde legen können, ohne dadurch die Ordnung im Antiphonar merklich zu stören. Die Fastenzeit hatte ihre fest bestimmten Stationsmessen; für diese später hinzugefügten Fasttage aber, die rein privater Frömmigkeit entsprangen, hätten die beiden althergebrachten Messen wohl genügt, die seit apostolischer Zeit das wöchentliche Fasten des Mittwochs und Freitags weihten.

(Stationskirche: St. Peter)

(Ildefons Schuster in Liber Sacramentorum)

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