ASCHERMITTWOCH

Der Aschermittwoch bildet seit Gregor d. Gr. das Eingangstor in die hl. Fastenzeit, und heißt deshalb auch „in capile ieiunii“. Im 4. Jahrhundert begann mit dem heutigen Tage die kanonische Bußzeit für die öffentlichen Sünder, die mit der Lossprechung am Gründonnerstag ihren Abschluß fand.

Nach den Ritualien des 7. Jahrhunderts gingen die betreffenden Gläubigen zu den eigens dazu angestellten Priestern in die Titelkirchen und Patriarchalbasiliken, um ihnen ihre Sünden zu beichten. Waren die Sünden schwer und öffentlich, so überreichte der Beichtvater dem Beichtkinde ein rauhes, mit Asche bestreutes Bußkleid und wies es in ein Kloster — deren es damals gegen 100 in der Ewigen Stadt gab — um da die auferlegte Buße von vierzig Tagen — Quadragene — zu verrichten. Aus diesem Brauche entstand der später so genannte Ablaß von einer oder mehreren Quadragenen, wie er sich in den alten Ablaßbewilligungen findet.

Die heutige Auflegung der geweihten Asche am Beginn der Fastenzeit ist eine letzte Erinnerung an die kanonische Buße, die einst die öffentlichen Büßer auf sich nahmen. Im Altertum hatte man eine so hohe Auffassung von der Würde und Heiligkeit des Priester-tums, daß man die Diener des Heiligtums zu einer solchen Demütigung nicht zuließ. Erst als gegen das 11. Jahrhundert die öffentliche Buße außer Übung gekommen war, traten bei dieser Zeremonie an die Stelle der ehemaligen Büßer das römische Volk, der Klerus und sogar der Papst. Alle zogen barfuß, das Haupt mit Asche bestreut, zur Basilika der hl. Sabina. Im 9. Jahrhundert war die Auflegung der Asche noch ein Bußritus für sich und hatte keinerlei Beziehung zur eucharistischen Stationsfeier: Gegen die siebente Stunde beendete der Römer sein Tagewerk, badete dann in den Thermen und nahm die coena, die Hauptmahlzeit, ein.

Zu dieser Zeit versammelte sich nun das Volk mit dem Papst und Klerus an der Spitze in der Basilika St. Anastasia, das in der schmalen Senke zwischen Palatin und Aventin liegt, und zog von da unter dem flehentlichen Gesang der Litanei nach St. Sabina. Hier begann man sogleich mit dem eucharistischen Opfer, ohne einen Introitus vorauszuschicken, da dieser bereits in St. Anastasia gesungen war. Nach dem letzten Segensgebet und Entlassung durch den Diakon ging das Volk nach Hause. Das Fasten war zu Ende.

Im 12. Jahrhundert hatte dieser Ritus, wie der Ordo des Kanonikers Benedikt beweist, eine weitere Entfaltung erfahren: Der Papst streut zuerst in St. Anastasia den Gläubigen die Asche auf das Haupt, dann steigt die Prozession in Bußgewändern und barfuß den sanften Hügel des Aventin empor und feiert in St. Sabina das hl. Opfer.

Vor der Kommunion verkündet ein Regionarsubdiakon die Station des folgenden Tages: „Morgen ist die Statio bei St. Georg im Velabrum.
Darauf antworten die Anwesenden: „Deo gratias“.

War der Papst wegen dringender Geschäfte im Lateran zurückgehalten, so tauchte ein Akolyth nach der Feier etwas Baumwolle in das wohlriechende Öl der Lampen, die vor dem Altare der Stationskirche brannten, und begab sich damit in das Patriarchium. Vor den Papst geführt, sprach der Kleriker bescheiden: „Jube, domne, benedicere“, und reichte dann nach empfangenem Segen dem Papste die Baumwolle mit den Worten dar: „Heute war die Stationsfeier bei der hl. Sabina; sie grüßt dich.“ Der Papst küßte die Baumwolle und übergab sie darauf seinem cubicularius, damit man sie in sein Sterbekissen tue. So geschah es stets, wenn der Papst nicht zur Stationsfeier kam.

Alles weitere siehe:

ASCHERMITTWOCH bis 1. Fasten-SO

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