Corona-Krise und unsere Begegnung mit ihr – eine Buchempfehlung

Jeder von uns ist von der sogenannten „Corona-Krise“ betroffen. Selbst jene, die wie die überwältigende Mehrheit der Menschen NICHT an Convid-19 erkrankt sind, erfahren tagtägliche deren Auswirkungen. Kaum jemand ist in der Lage, sich diesem Hype zu entziehen: Ein jeder ist bemüht, sich selbst und andere zu schützen. Die meisten Menschen nehmen das sehr ernst: sie halten Abstand, tragen Einmalhandschuhe und Mundschutz. Vor allem halten sie sich von anderen Menschen fern, sie halten Abstand voneinander.

Völlig losgelöst von der Frage nach der tatsächlichen Gefahr, die von dem Corona-Virus ausgeht, stellen wir fest, dass sich die Menschen aus dem Weg gehen. Aus Sorge, andere anzustecken? Aus Angst, angesteckt zu werden? Wir wenden uns von den Menschen ab, obwohl wir, so menschenfreundlich wir sind, einem jeden zurufen: bleiben Sie gesund!

Hilfe für die wirklich Betroffenen: die in verschiedensten Einrichtungen kasernierten Behinderten etwa, die wochenlang ihre Einrichtungen (Heime, Wohngruppen usw. nicht verlassen dürfen, noch Besuch empfangen können; aber auch die wirklich Kranken, überlassen wir getrost den professionellen Diensten.

Und wir stellen fest: selbst die Kirche zieht sich fast völlig zurück. Und dies, so scheint uns, ist etwas neues, etwas, das es in der Kirchengeschichte so noch nicht gegeben hat. Denn stets waren es die Diener der Kirche, Priester und Ordensleute, aber auch die Gläubigen selbst, die sich einer konkreten Situation angenommen und tatkräftig geholfen haben. Dabei waren die Sakramente immer im Vordergrund gegenwärtig: Beichte, Taufe, Kommunion, Sterbesakrament.

Blicken wir auf eine Heilige, die in unserem Deutschland lebte und wirkte: die heilige Elisabeth. Über sie hat Frau Dr. Barbara Stühlmeyer ein Buch geschrieben, das ich SEHR empfehlen möchte.

Hier lesen Sie hier daraus das Kapitel „Im Dienst der Kranken“:

Dass es in Marburg ein neues Hospital gab, in dem eine ehemalige Landgräfin sich aufopfernd um die Kranken kümmerte, sprach sich schnell herum. Vor allem wanderte die Nachricht, dass Elisabeth auch Bettler und Mittellose willkommen hieß und mitunter überreich beschenkte, von Mund zu Mund. Angesichts der öffentlichkeitswirksamen Aktion, mit der Elisabeth für ihr Hospital warb, ist das allerdings wenig erstaunlich.

Denn als sie ihr Witwengut von 2000 Mark erhalten hatte, ließ sie im Umkreis von 20 Kilometern um Marburg – was etwa einer Tagesreise für jemanden entspricht, der nicht ganz so gut zu Fuß ist – verkünden, dass sie ein Viertel dieser Summe an die Armen verteilen werde. Um zu verstehen, welche Bedeutung diese Summe für die so Beschenkten hatte, lohnt sich der Blick auf ein Rechenbeispiel. Für eine Mark, die als Zähleinheit im Mittelalter 144 Pfennige umfasste, konnte man mehr als fünfhundert Heringe kaufen. Schon mit einer einzigen Mark konnte Elisabeth also mehrere hundert Menschen für einen Tag satt und glücklich machen. Kein Wunder, dass die Armen aus der Region in Scharen herbeiströmten, denn die neue Leiterin des Spitals verteilte zusätzlich zu den 72 000 Pfennigen noch Brot und bot dazu warme Getränke an. Die Vita schildert, wie aufmerksam und gerecht sie dabei vorging. Denn natürlich herrschte auch unter den Armen und Kranken der Gesellschaft keine uneingeschränkte Nächstenliebe.

„Nach dem Weggang der kräftigen Leute“, so schildert es die Lebensbeschreibung der Heiligen, blieben in der folgenden Nacht bei Mondschein sehr viele schwächere und kranke Personen am Zaun des Krankenhauses und in den Winkeln des Hofes liegen.“ Und ihre Hoffnung gab ihnen Recht, auch ihnen gab Elisabeth von ihrem Reichtum ab und versorgte sie mit Nahrungsmitteln. Als die Armen vor Freude zu singen begannen, sagte Elisabeth zu ihren Dienerinnen:

Seht, ich habe euch doch gesagt, wir sollen die Menschen froh machen.

Auch wenn die Rolle der edlen Spenderin sehr gut in das Verhaltensmuster einer Landgräfin passte, die Szene blieb ein Einzelfall. Der Alltag Elisabeths entsprach vielmehr genau der radikalen Nachfolge des armen Jesus, nach der sie sich schon seit Jahren gesehnt hatte. Die ehemalige Fürstin verrichtete die einfachsten Handarbeiten. Sie kochte, putzte und spann Wolle, die sie im Kloster Altenberg, in dem ihre Tochter lebte, verkaufte, um so zum Unterhalt des Hospitals beizutragen. Allerdings war sie als Hausfrau nur schwach qualifiziert. Schon auf der Wartburg hatte sie manch einen mit den unbeholfenen Versuchen, eigenhändig eine Kuh zu melken, belustigt.

Elisabeths Dienerinnen berichten in ihrer Lebensbeschreibung über ihre eifrigen, aber unzulänglichen Versuche, Haus und Handarbeit zu verrichten:

Sie bereitete

„Speisen, aber ganz unschmackhaft, weil sie weder kochen konnte noch das Nötige dafür zur Verfügung hatte. Wegen ihrer überaus großen Armut gab sie sich oft mit wässrigen Suppen aus Hülsenfrüchten oder Krautblättern zufrieden. Diese an sich schon erbärmliche Speise, die sie wegen ihres Betens unaufmerksam zubereitete, schmeckte dann auch noch angebrannt. Wenn die selige Elisabeth Kochtöpfe säuberte und wegen anderer Beschäftigungen der Mägde einfache und armselige Speisen aus Kräutern und Hülsenfrüchten ohne Gewürz und unschmackhaft, so gut sie konnte, selbst zubereitete oder wegen zu dürftiger Kleidung unter Kälte litt, kam sie oftmals dem schwachen Feuer nahe. Sie hatte nämlich ihre Kleider ohne Rücksicht auf sich selbst an die Armen verschenkt. Da geschah es dann manchmal, dass sie bei der Arbeit ihrer Hände in Gebet oder Beschauung versunken mit Augen und Herz mehr dem Himmel zugewandt war (in dieser Haltung pflegte sie stets zu beten, wenn sie allein war) und eine Flamme oder ein Funke ihre armseligen Kleider ergriff, große Löcher hineinbrannte und sie verdarb. Aber sie merkte den Brand nicht, bis eine der Mägde zurückkehrte, den Geruch wahrnahm und das Feuer ausschlug. Elisabeth, durch die lauten Vorwürfe der Magd wieder zu sich gekommen, suchte hier und dort einfache Lappen jedweder Farbe zusammen, nähte sie eigenhändig an und beseitigte den Brandschaden so gut wie möglich. In dieser Weise besserte sie auch alte, zerrissene Stellen ihres verschlissenen Gewandes aus, indem sie es, obwohl der Nadel unkundig, mit billigen Fetzen flickte.“

Es ist also wenig erstaunlich, dass Elisabeth ungeachtet ihres Eifers wirtschaftlich gesehen nicht besonders erfolgreich war. Die Preise, die sie in Altenburg für ihre selbstgesponnene Wolle erzielte, waren gering, was der minderwertigen Qualität ihrer Handarbeit geschuldet war. Allerdings hatte Elisabeth inzwischen einen Punkt erreicht, an dem sie tatsächlich mit dem auskommen musste, was sie erwirtschaftete, denn sowohl ihre kostbaren Kleider, als auch ihr Schmuck und aller Hausrat von Wert waren nach und nach verkauft worden, um das Geld den Armen zu geben. Was ihr an Geschicklichkeit im häuslichen Bereich fehlte, machte sie jedoch durch ihre bewundernswerte Hingabe bei der Krankenpflege wett. Was sie anging, lachte niemand über Elisabeth, die, wie zahlreiche Zeitgenossen berichten, beispielsweise einen gelähmten Jungen Nacht für Nacht mehrmals auf ihren Schultern zum Abort trug, dessen Bett sie säuberte und um den sie sich in jeder Weise liebevoll kümmerte.

Dass viele der Wunderberichte, die später im Zuge ihres Heiligsprechungsprozesses zusammengetragen wurden, Kinder betreffen, hängt auch damit zusammen, dass Elisabeth ihnen besonders zugetan war. Wir erkennen hier ein wenig von dem Zwiespalt Elisabeths. Sie war eine liebende Mutter. Ihre Kinder ließ sie aber, weil das Leben, zu dem sie sich berufen fühlte, untragbar für sie gewesen wäre und vielleicht ebenfalls zu einem frühen Tod geführt hätte, standesgemäß erziehen und kümmerte sich stattdessen um die armen Kinder.

(Siehe auch HIER)

 

Barbara Stühlmeyer
Elisabeth von Thüringen: Spiritualität – Geschichte – Wirkung (Topos Taschenbücher) (Deutsch)
160 Seiten; 12 Euro;
ISBN: 978-3836711258

HIER bestellen

 

 

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