Das Sterben des Herrn am Kreuz – 10/14

Die Schauungen der seligen Anna Katharina Emmerick, nach Clemens Brentano.

(…) – Tod Jesu
Fünftes bis siebentes Wort Jesu am Kreuz

Als es heller ward, erschien der Leib des Herrn am Kreuz bleich, schwach, wie ganz verschmachtet und weißer als vorher, so sehr war er verblutet. Er sagte auch, ich weiß nicht, ob betend und mir allein vernehmlich oder ob halblaut:
«Ich bin gepreßt wie der Wein, der hier zuerst gekeltert worden, all mein Blut muß ich geben, bis das Wasser kommt und die Hülsen weiß werden, es soll aber kein Wein mehr hier gekeltert werden.»

Ich sah später in bezug auf diese Worte ein Bild, wie Japhet hier auf dieser Stelle den Wein gekeltert hat, das ich später erzählen will. Jesus war ganz verschmachtet und sprach mit vertrockneter Zunge:
«Mich dürstet» – und da die Seinigen ihn traurig ansahen, sagte er:
«Konntet ihr mir nicht einen Trunk Wasser geben?»

Er meinte, während der Finsternis hätte sie wohl niemand gehindert. Johannes sagte betrübt:
«O Herr! Wir haben es vergessen»,
und Jesus sagte noch soviel wie:
«Auch die Nächsten mußten mich vergessen und mir keinen Trunk reichen, auf daß die Schrift erfüllt würde.» –

Es hatte ihm aber dieses Vergessen bitter weh getan. Auf seine Klage baten sie die Soldaten und boten ihnen Geld an, ihm einen Trunk Wasser zu reichen, sie taten es aber nicht, sondern einer tauchte einen birnförmigen Schwamm in Essig, der in einem Tönnchen von Bast dastand, und goß auch Galle hinein. Aber der Hauptmann Abenadar war von Jesus gerührt, er nahm dem Soldaten den Schwamm, drückte ihn aus und füllte ihn mit reinem Essig. Er steckte hierauf das eine Ende des Schwammes in ein kurzes Stück Ysoprohr, welches wie ein Mundstück zum Saugen diente, und hob diese auf der Spitze seiner Lanze befestigte Vorrichtung so zu dem Antlitz Jesu empor, daß das Rohrstück zu dem Mund Jesu gelangte und dieser durch dasselbe den Essig aus dem Schwamm saugen konnte. Von einigen Worten, welche ich den Herrn noch zur Ermahnung des Volkes sprechen hörte, erinnere ich mich allein, daß er sagte: «Und wenn ich keine Stimme mehr habe, wird der Mund der Toten sprechen»; worauf einige ausriefen:
«Er lästert noch!»
Abenadar aber gebot Ruhe.

(…)

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