Das Sterben des Herrn am Kreuz – 13/14

Die Schauungen der seligen Anna Katharina Emmerick, nach Clemens Brentano.

(…) – Der Lehrstuhl stürzte in der Vorhalle zusammen.

Viele der zuletzt zum Kalvarienberg gerittenen 32 Pharisäer waren unter dieser Verwirrung zum Tempel zurückgekehrt, und da sie sich unter dem Kreuz bekehrt hatten, erschütterten sie alle diese Zeichen um so mehr, so daß sie Annas und Kaiphas heftige Vorwürfe machten und sich vom Tempel zurückzogen.

Annas, eigentlich der heimliche Hauptfeind Jesu, der seit langem alle versteckten Ränke gegen ihn und die Jünger geleitet und auch die Ankläger unterrichtet hatte, war wie unsinnig vor Angst und floh von einem Winkel in den andern in den verborgenen Gemächern des Tempels. Ich sah ihn wie in Krämpfen unter Winseln und Geschrei ganz verkrümmt in einen versteckten Raum gebracht werden und von mehreren seiner Anhänger umgeben. Kaiphas hatte ihn einmal fest umarmt, um seinen Mut aufzurichten, aber vergebens; die Erscheinung der Toten hatte ihn ganz in Verzweiflung gebracht.

Kaiphas, wiewohl in tiefer Angst, hatte einen so stolzen und hartnäckigen Teufel in sich, daß er sich sein Entsetzen nicht merken ließ. Er bot allen Trotz und setzte den drohenden Zeichen Gottes und seiner verborgenen Angst seinen Grimm und Stolz mit frecher Stirne entgegen.

Als er aber den Fortgang der heiligen Handlungen nicht mehr anhalten konnte, verbarg er und gebot er alle Ereignisse und Erscheinungen zu verbergen, die nicht der ganzen Menge bekanntgeworden.

Er selbst sprach und ließ andere Priester sprechen, diese Erscheinungen des Zornes Gottes seien durch die Anhänger des gekreuzigten Galiläers veranlaßt, welche verunreinigt zum Tempel gekommen wären; nur die Feinde des heiligen Gesetzes, das auch Jesus habe umstoßen wollen, hätten diesen Schrecken herbeigeführt, und vieles sei der Zauberei des Galiläers zuzuschreiben, der auch im Tode, wie im Leben, die Ruhe des Tempels gestört habe. So gelang es ihm, viele zu beschwichtigen und anderen durch Drohungen Furcht einzujagen; viele jedoch waren tief erschüttert und verbargen ihre Gesinnung. Das Fest ward bis zur Reinigung des Tempels aufgeschoben. Viele Lämmer waren nicht geschlachtet, das Volk zerstreute sich nach und nach.

Das Grab des Zacharias unter der Tempelmauer war unten eingesunken und zerstört und dadurch Steine aus den Mauern gefallen.

Zacharias ist heraus-, aber nicht hier wieder hineingegangen, ich weiß nicht, wo er seine Hülle wieder abgelegt hat. Die erstandenen Söhne Simon Justi legten ihre Leiber wieder in die Gruft, als der Leib Jesu zu Grabe bereitet wurde. Während alles dieses im Tempel vorging, herrschte an vielen Orten von Jerusalem ein gleicher Schrecken. Gleich nach drei Uhr stürzten viele Gräber, besonders in der nordwestlichen Gartengegend, innerhalb der Stadt ein. Ich sah hie und da die eingehüllten Toten darin liegen, in anderen lagen vermoderte Lumpen und Gerippe, aus manchen drang ein unleidlicher Gestank.

Es stürzten in des Kaiphas Richthaus die Stufen ein, worauf Jesus verspottet gestanden, auch ein Teil der Feuerstelle in der Vorhalle daselbst, wo die Verleugnung des Petrus begonnen. Es ward eine solche Zerstörung, daß man einen neuen Eingang nehmen mußte. Hier erschien die Leiche des Hohenpriesters Simon Justus, aus dessen Geschlecht Simeon war, der bei Jesu Opferung im Tempel weissagte. Diese Erscheinung sprach einige drohende Worte über das ungerechte Urteil, das hier gefällt worden, aus.

Es waren mehrere vom Synedrium versammelt. Die Leute, welche gestern nacht dem Petrus und Johannes Eingang verschafft hatten, bekehrten sich und flohen in die Höhlen zu den Jüngern. – Bei dem Palast des Pilatus zerbrach der Stein und sank die Stelle, worauf Jesus von Pilatus dem Volk dargestellt worden war. Alles wankte und bebte, und in dem Hof des nahen Richthauses sank die ganze Stelle ein, wo die Leiber der unschuldigen Kinder verscharrt waren, die Herodes hatte ermorden lassen.

Noch an mehreren Stellen der Stadt stürzten Wände ein und zerspalteten sich Mauern; doch ward kein ganzes Gebäude zertrümmert.

(…)

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