Hl. Philipp Neri – 26. Mai

Nachdem einige große Heilige namentlich benannt werden, denen es gelang „Frömmigkeit mit Bildung, das Setzen ästhetischer Maßstäbe mit Wohltätigkeit zu vereinen“ heißt es weiter: „Für diese Heiligen wäre die moderne Unsitte, die drei Säulen der Kirche – Liturgia, Diakonia und Martyria – gegeneinander auszuspielen und gar eine Rangfolge unter ihnen herzustellen, in der die Diakonia, die tätige Nächstenliebe, den ersten Rang behauptet, ein Höhepunkt an Absurdität gewesen.“

Diesen Satz, der auf die derzeitige und nicht zu unterschätzende Kirchenkrise hindeutet, lesen wir im Vorwort der großen Biographie „Leben des heiligen Philipp Neri“. Dieses Vorwort wurde von Martin Mosebach verfasst und er bescheinigt unserem Heiligen, dass er dem Wort des Apostels Paulus „Seid allen alles!“ beispielhaft entsprochen habe.

Die vorliegende Biographie stammt von aus der Feder von Piero Giacomo Bacci, der selbst Mitglied des Oratoriums war und den heiligen Philipp noch kennenlernen durfte. Er verfasste die erste ausführliche Lebensbeschreibung von ihm, die nun neu von den beiden Herausgebern Markus Dusek und Paul Bernhard Wodrazka mit einer ausführlichen Einleitung versehen in deutscher Sprache durch den EOS-Verlag St. Ottilien verlegt wurde.

Pater Piero Giacomo Bacci hegt die Hoffnung, dass es Gott gefallen möge, „dass die Lektüre dieses Buches dem frommen Leser dieselben reichen geistlichen Früchte“ bringen möge, wie es „das Leben und die Briefe“ des heiligen Philipp Neri „schon verschiedentlich hervorgebracht haben“.

Das Buch mit den ausführlichen Erzählungen des Lebens des heilig Philipp Neri richtet sich nach diesen Worten also zuerst an die „frommen Leser“. Andere werden damit kaum etwas anfangen können, wenn Gott nicht seine Gnade dazu gibt.

In dem Bericht über die Kindheit des 1515 in Florenz geborenen Philipp geht hervor, dass der Junge gute Charaktereigenschaften besaß und ein „äußerst frommer Geist“. Er besuchte oft Kirchen und Klöster, eher er mit achtzehn Jahren einen richtigen Beruf erlernen sollte. Er führte einen „ungewöhnlich frommen Lebensstil“. In Rom studierte er Philosophie und Theologie. Doch bald suchte er nur jene Wissenschaft, die man „allein im Kreuz“ findet. Er unterbricht sein Studium, verkauft seine Bücher und verschenkt den Erlös. Von nun an vertieft er sich ins Gebet und und übt sich in „allerlei körperlicher Abtötung“.

Mit neunundzwanzig Jahren verändert ein Beben in seinem Herzen sein bisheriges Leben. Zunächst gründet er eine Bruderschaft um bald „im Gehorsam“ die Priesterweihe zu empfangen (1551). Von nun an tritt er in noch größerem Eifer für den Glauben ein in Vorträgen, Beicht-hören und der Zelebration der heiligen Messe.

Im Jahre 1575 kommt es zur Gründung der Kongregation des Oratoriums. Philipp verlangte von den Mitgliedern seiner Gemeinschaft, dem Oratorium, dass sie täglich die Messe zelebrierten. Die Vormittage der Sonn- und Feiertage, am Mittwoch und Freitag sollten sie im Beichtstuhl zubringen. Seine Priester sollten selbst „mindestens dreimal wöchentlich zur Beichte“ gehen. Der Biograph berichtet, dass sich Philipp Neris Frömmigkeit sogar auf Menschen übertrug, mit denen er zu tun hatte; er sagte z. B.: „Ich will zu Gott für dich beten und du wirst es spüren“.

Ein Kapitel widmet sich der jungfräulichen Reinheit Philipps. Dies nicht nur in seinen Jugendjahren, auch als Priester, denn „der Teufel versuchte mehrmals seine vollkommene Reinheit zu beflecken“. Auch hierzu hat der Biograph zahlreiche Beispielerzählungen.

Philipp Neri stirbt am 26. Mai 1995 in der Nacht nach dem Fronleichnamstag.

Pater Piero Giacomo Bacci berichtet nun weiter, etwa dass Philipp Neri Ekstasen und Visionen hatte. Sie geschahen nicht immer zu seinem Trost, denn er hatte auch solche, „in denen er böse Geister sah“, die dazu dienten „ihn zu prüfen und andere zu belehren“.

Desweiteren ergänzen unzählige Wunderberichte die Lebensbeschreibung, die sowohl zu Lebzeiten des Heiligen geschahen als auch nach seinem Tod. Er besaß auch die Gabe der Weissagung sowie die der Bilokation (gleichzeitiges Erscheinen bei verschiedenen Personen an verschiedenen Orten).

Philipp Neri war ein gesuchter Beichtvater und Seelenführer. Kardinal Bandini berichtet folgendes: „Sein Ruf als Heiliger war so groß, dass jedermann ihn verehrte und viele glaubten, keinen Fortschritt auf dem Weg des Geistes machen zu können, wenn sie sich nicht unter seine Führung stellten.“ Weiter heißt es im Bericht des Kardinals: „Wer den seligen Philipp kannte und seine Lebensweise gesehen hat, wer das reine und heilige Leben kennt, das er so viele Jahre hindurch geführt hat, kann keinen Zweifel darüber hegen, dass die Gnaden, die unser Herrgott durch ihn zu seinen Lebzeiten und nach seinem Tod gewirkt hat, echte und bedeutende Wunder sind.“

„Das Leben des heiligen Philipp Neri“ ist eine Fundgrube an Anregungen für das eigene geistliche Leben und eine Inspiration für das persönliche Gebet. Könnte denn ein so praktisch veranlagter Heiliger wie Philipp nicht auch über das Gebet schreiben? Er führte in den römischen Familien „das gemeinsame Gebet“ ein. Die Familienväter und -mütter trafen „sich allabendlich mit den Bewohnern des Hauses in ihren Gebetsräumen“ um dort so zu beten, wie es auch im Oratorium geschehe.

Der Biograph berichtet auch von Stoßgebeten, die Philipp empfohlen hatte. Denn er, der selbst viel betete, hielt auch die Gläubigen zu den kurzen Anrufungen an. Einige der Stoßgebete die der heilige Philipp Neri lehrte und zeitlose Gültigkeit besitzen, seinen hier erwähnt:

„O Gott komm mir zu Hilfe, Herr, eile mir zu helfen!“

„Herr, gedenke nicht meiner Sünden!“

„Entzünde in mir das Feuer Deiner Liebe!“

„O mein Jesus, ich wünsche mir, Dich zu lieben!“

„O mein Jesus, ich werde nie lernen, Dich zu lieben, wenn Du mir nicht hilfst!“

„Ich will Dich lieben, o meine Jesus, aber ich finde den Weg nicht!“

„Wenn Du mich willst, o Jesus, beseitige alle Hindernisse!“

Zuerst veröffentlicht inSchweizerisches katholisches Sonntagsblatt 29.9.2019.

 

Pietro Giacomo Bacci
Leben des hl. Philipp Neri
hrsg. von Markus Dusek und Paul Bernhard Wodrazka
Mit einem Vorwort von Martin Mosebach
EOS-Verlag 2019
Zahlreiche Abbildungen mit Stichen von Francesco Donia
706 Seiten; 39,95 Euro
ISBN: 978-3-8306-7936-3

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