Die Kartäuser und der Rosenkranz

Gemeinhin wird überliefert, der Rosenkranz sei aus dem Dominikanerorden entstanden und der heilige Dominikus selbst habe diese Gebetsschnur von der Muttergottes erhalten.

Erst im späten 15. Jahrhundert erhielt er sein uns heute bekannte Form.

Der Kartäuser Dominicus von Preußen (+1427) gilt als der Vater des Rosenkranzes. Im 15. Jahrhunderts rät der Prior der Kartause von Trier Adolph von Essen (+1439), jeden Tag 50 Ave Maria zu beten und das Leben Jesu zu betrachten. Der Novize Dominikus hatte 50 kurze Meditationen bzw. Einschübe (clausulae) aus den Evangelien zusammengestellt. Sein Prior war an dieser Idee sehr interessiert und versendete sie als Vorschlag zur Betrachtung an die Klöster seines Ordens.

Später wird Dominikus, gleichsam parallel zu den 150 Psalmen, dreimal 50 Einschüben entwickeln. So wird es allmählich üblich, den Avemaria 15 Einheiten der Schriftworte zuzuordnen und in 10 Abschnitten zusammenzufassen. Die Gebetsreihe wird mit einem Paternoster begonnen, was gleichzeitig auch ein Merkmal der Gebetsunterbrechung oder Sammlung bedeutete.

Die Anzahl dieser Schriftworte (clausulae, Einschübe) wird von 150 auf nur noch 15 reduziert. Das Gebet schien wohl etwas überfrachtet zu sein. Somit war der Rosenkranz „geboren“. Das Wort „Psalter“ wird dann nur mehr für das Beten aller 15 Gesätzchen verwendet, das Wort Rosenkranz für je 5 Gesätzchen.

Der französische Dominikaner Alain de la Roche, (*1428) verbreitete dieses Gebet; sind doch die Kartäuser nicht für die allgemeine Seelesorge zuständig.Er predigt in Flandern, dann in Lille, Alain entdeckte die sogenannten Einschübe oder Meditationen des Kartäusers Dominikus in den Kartausen in Flandern. Er begeisterte sich für dieses neue Gebet, übte es, predigte darüber und wird zum großen Apostel des Rosenkranzes.

Quelle BRUNONIS

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Von Symeon dem Theologen

Seitdem der Teufel den Menschen durch den Ungehorsam zum Verbannten des Paradieses und Gottes gemacht hat, fand er zusammen mit den Dämonen Gelegenheit, die Denkkraft eines jeden Menschen sowohl in der Nacht als auch am Tag geistigerweise zu erschüttern — beim einen viel, beim andern wenig, bei einem anderen noch mehr. Man kann diese Denkkraft nicht anders sichern als durch fortwährendes Gedenken Gottes — wenn durch die Kraft seines Kreuzes dem Herzen das göttliche Gedenken eingeprägt wird und es dann die Denkkraft zur Unerschütterlichkeit festigt. Dazu nämlich führt der Ablauf des geistigen Kampfes, den ein jeder Christ im Stadion des Glaubens an Christus sich zu kämpfen anschickt. Andernfalls wird angesichts eines solchen Kampfes jegliche mannigfache Askese eines jeden, der um Gottes willen Ungemach erduldet, vergebens kämpfen. So erweiche man das Herz des guten (Gottes), damit er (von neuem) diese erste Würde verleihe und der Denkkraft Christus eingeprägt werde. So spricht der Apostel: „Meine Kinder, um die ich von neuem Geburtswehen leide, bis Christus in euch Gestalt annimmt.

Habt ihr gemerkt, Brüder, daß es eine geistliche Kunst gibt, das heißt einen Weg, welcher den, der ihn ausübt, rasch zu Leidenschaftslosigkeit und Gottesschau emporführt? Seid ihr jetzt überzeugt, daß ein jedes praktische Tugendleben bei Gott als das Laub eines Baumes ohne Früchte gilt; und daß für eine jede Seele, welche die Bewachung des Geistes nicht besitzt, dies für sie auf ein Nichts hinauslaufen wird? Darum wollen wir uns eifrig bemühen, damit wir nicht ohne Frucht das Leben beenden und dann unnütze Dinge bereuen.

Frage: Zwar erkennen wir aus der vorliegenden Schrift, was das Tun derer war, welche dem Herrn wohlgefällig waren, sowie daß es eine Tätigkeit gibt, welche die Seele rasch von den Leidenschaften befreit und mit der Liebe Gottes verbindet. Auch wir zweifeln nicht daran, daß sie von einem jeden geschuldet wird, der sich für Christus in den Krieg begeben hat, sondern wir sind sogar sehr davon überzeugt. Worin aber die Aufmerksamkeit besteht und wie man gewürdigt wird, sie zu finden, das bitten wir zu erfahren. Wir sind nämlich noch ganz und gar nicht eingeweiht in diese Sache.

Antwort: Im Namen unseres Herrn Jesus Christus, welcher gesagt hat: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“, werde ich, nachdem wir ihn als Beistand und Gehilfen angerufen haben, nach Vermögen aufzuzeigen versuchen, worin die Aufmerksamkeit besteht und wie man sie, so Gott will, vollbringen soll.

(Philokalie_4/Nikephoros über die Nüchternheit und Bewachung des Herzens)

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